Begruͤndung der Lehre. 9
S. 19. Erfahrungen machen wir, entweder durch bloße Beobachtung, indem wir die von ſelbſt zuſammentreffenden Koͤrper und Potenzen und deren Einwirkung auf einander gehorig beachten, und das Reſultat bemerken; oder durch Verſuche, indem wir wohlbekannte Dinge in genau beſtimmten Verhält⸗ niſſen zuſammenbringen, ihre Wechſelwirkung beachten, und dabei moglichſt verhuͤ⸗ ten, daß nichts Fremdes oder Unbekanntes, was Einfluß auf den Erfolg haben kann, ſich einmiſche. Ein Verſuch iſt eine der Natur vorgelegte Frage, worauf ſie, wenn er gehoͤrig eingerichtet iſt, durchaus eine Antwort— ſey es auch nur durch Ja oder Nein— geben muß.
5. 20. Die Kunſt, Verſuche anzuſtellen, hat man faſt zuerſt im vorigen Jahrhunderte Verſuche. richtig kennen gelernt und ausgebildet. Auf dieſelbe gruͤndet ſich jedoch vorzuͤglich die Gewalt des Menſchen uͤber die materielle Welt, und er kann dieſe um ſo weiter ausdehnen, je mehr er jene Kunſt vervollkommnet und in Ausuͤbung bringt.
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Es verdient aber keinesweges den Namen eines Verſuchs, wenn man mehrere Stoffe und Potenzen, unbeſtimmt und ungemeſſen, und ohne den Einfluß fremder abzuſchneiden, auf einander wirken läßt und den Erfolg bemerkt. Solcher ſogenann⸗ ten Proben haben wir freilich viele, und es iſt auch allerdings manches Wichtige und Nutzliche dadurch zufällig entdeckt worden, in den fruͤheren Perioden der Naturfor⸗ ſchung. Aber nie erfuhr man dadurch das, was man gerade wiſſen wollte, und worauf es ankam, und Millionen wurden fruchtlos angeſtellt, bevor man eine Ent⸗ deckung machte.
Ganz vollkommen und reine Verſuche ſind faſt nur in einem iſolirten Raume, unter der Klocke des Naturforſchers und im Laboratorium des Chemikers moͤglich. Sie liegen außer dem Wirkungskreiſe des eigentlichen Landwirths, ihre Erforſchung,
Erſter Theil. B


