2 Die Lehre von der Wiedergeburt.
des Geiſtes tragen moͤgen. Gib uns von dem Waſſer des Lebens, und laß ſolches eine Quelle des Lebens in uns werden. Jareinige unſere Natur durch deine goͤtt⸗ liche Natur, und laß uns durch eine neue Geburt mit dir vereiniget werden; Amen.
Hingang.
Ss nuuß, Andaͤchtige in dem HErrn! nunmehro nach dem
betruͤbten und jaͤmmerlichen Suͤnden⸗Fall, durch welchen
wir der genaueſten Freundſchafft und innigſten Vereini⸗ gung mit GOtt, dem hoͤchſten Guth, verluſtig gemacht worden, in einem jeden Menſchen nothwendig eine ſehr merckwuͤrdige Ver⸗ aͤnderung vorgehen, wenn er anders der verlohrnen Vereinigung mit GOtt wieder theilhafftig werden und der erworbenen See⸗ ligkeit ſich getroͤſten will. Dieſe ſo groſſe Veraͤnderung wird in dem goͤttlichen Wort mit verſchiedenen Benennung ausgedrucket, und vorgeſtellet. Bald wird ſie beleget mit dem Nahmen der Schoͤpfung; als Pſ. II. 1z. Schaffe in mir GOtt ein reines Hertz/ und gib mir einen neuen gewiſſen Geiſt. Und Epheſ. M 6. Denn wir ſind ſein Werck/ geſchaſſen in Chriſto IEſu zu guten Wercken. Die erſte Schoͤpfung geſchahe nemlich gantz allein durch die unendliche Allmacht GOttes; die Schoͤpfung des neuen Menſchen iſt ebenfalls ein bloſſes Werck der unermeßlichen Allmacht GOttes, und kan der Menſch zu die⸗ ſer Veraͤnderung aus eigenen Kraͤfften nichts beytragen: die er⸗ ſte Schoͤpfung geſchahe aus einem puren nichts/ denn GOtt brachte durch ſein kraͤfftiges Wort aus dem, das nichts war, et⸗ was hervor, daß es ſeyn ſolte. Rom. IV. 17.3 bey der neuen Schoͤ⸗ pfung findet GOtt gleichfals bey dem Menſchen nichts gutes, wo⸗ durch die Hervorbringung des neuen Menſchen ins Werck gerich⸗ tet werden koͤnne; es iſt hier vielmehr ein wirckſames actives und geſehaͤff⸗


