22 Das Einladen und Bewillkommen des Srrn
Obrigkeit der Finſterniß erretten, und euch in ſein Gnadenreich verſeten laſſen? Wie lang ſoll dis eure Wiederſpenſtigkeit noch waͤhren? us wolt ihr noch euer wiederſpenſtiges Hertz verſchlieſſen und verriegelen, gegen eine Liebe, die in euer Inwendiges einzudringen, die euer Hertz zu veraͤndern, die neue Neigungen und Begierden in euch zu wircken, die euch mit ihrem Gei⸗ ſte zu ſalben, und aus dem unſeligſten Zuſtand in den allerſeligſten, der nur er⸗ dacht werden kan, zu verſetzen ſuchet? Wie lange ſoll euer JEſus dieſe Klage noch uͤber euch fuͤhren, daß er euch unter ſeine Liebes⸗Fittiche zwar offt ver⸗ ſammlen wollen, aber ihr habt nicht gewolt? Matth. XXIII,:7. O ſo laſſet denn durch dieſe ernſtliche Bezeugung des Willens Eures Heilandes von eurer Seligkeit auch einen ernſten und aufrichtigen Willen bey euch gewircket wer⸗ den, euch von gantzem Hertzen zu bekehren. Diß iſt der erſte Grundſtein zur Errettung emes Menſchen, wenn der heilſamen Gnade GOttes erſt ſo viel Raum gelaſſen wird, daß ſie nur erſtlich einen ernſtlichen Willen wircken kan; Wenn eine Serle durch ſeinen Geiſt erſt zu der redlichen Entſchlieſſung komt, nicht zu ruhen, biß ſie wiſſe, wie ſie mit GOTè ſtehe, und alle Mittel ihrer Errettung zu gebrauchen, die ihr GOtt in ſeinem Wort vorgeſchrieben habe: wenn ſie erſt zu der aufrichtigen Reſolution ſchreitet: Ich will mich aufmachen und zu meinem Vatter gehen; ich will keinen Augenblick laͤnger von ihm ge⸗ trennet und abgeſondert bleiben, ſondern mich wieder wenden zu der Quelle des Lichts und Lebens, die ich verlaſſen habe: So iſt ſie auf dem Weg ihres Heils; ſo werden ihre Fuͤſſe gerichtet auf die Zußſtapfen des Friedens, in wel⸗ chen ihr Schoͤpfer wandelt. O ſo laſſet denn auch dieſen Vorſatz bey euch wircken, euch eurem Heiland zu ergeben, aufzuſtehen, und euch zu ihm zu be⸗ kehren 3 dund die Wege des Verderbens zu verlaſſen, welche ihr bißher be⸗ tretten habet.
O ſo laſſet euch denn anjetzo im Nahmen des HErrn dazu erwecken, daß ihr aufhoͤret, euren Heiland durch fortdaurende Wiederſpenſtigkeit ferner zu betruͤben, und anfanget, auf ſeine Stimme in Zukunfft deſto fleißiger zu mer⸗ cken, und derſelben von gantzem Hertzen gehorſam zu werden. Sehet, Ge⸗ liebte, es iſt noch eine kleine Zeit, ſo ſind wir nicht mehr im Lande der Leben⸗ digen: Denn wir kommen der Ewigkeit ummer naͤher und endlich muͤſſen wir vor dem goͤttlichen Gerichte Rechenſchafft geben, wie wir mit der erſchiene⸗ nen und angebottenen Gnade GOttes umgegangen ſind. Ach darum laſſet uns die Gnaden⸗Zeit nicht laͤnger verſaͤumen; Laſſet uns unſere uͤbrige Le⸗ bens⸗Jahre nicht mehr wie ein Geſchwaͤtz in nichtigen und vergaͤnglichen Sachen zu bringen; Laſſet uns heute, da wir die Stimme GOttes aufs hoͤren, uns dazu redlich entſchlieſſen, dem Satan den ferneren Deenſt auf⸗
undigen,


