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Das liebreiche Einladen und holdselige Bewillkommen des Herrn Jesu bey der Bekehrung eines armen Sünders wurde in einer ... zu Laubach gehaltenen Prob-Predigt 1739 / vorgestellt und dem Drucke übergeben von Johann Valer. Ludwig Nieder
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10 Das Einladen und Bewillkommen des Herrn

pfindet; einen tieffen Eindruck hat in ſeiner Seele von der groſſen Gefahr, in welcher man ſchwebet, alle Augenblick ein Raub des hoͤlliſhen Wolffs zu werden; den erſchrecklichen Fluch des Geſe⸗ tzes empfindet, und den entbrannten Zorn GOttes in ſeiner See⸗ len ſchmecket. Dieſe Ordnung hat GOtt denen ſundigenden und verirreten Schafen ſelbſt vorgeſchrieben Jerem. III. 12. denn wenn er daſelbſt die Ungehorſamen und Halßſtarrigen alſo auffordern laͤſſet: Kehre wieder/ du abtruͤnniges Iſrael/ und dabey verheiſſet: daß er ſein Angeſicht nicht gegen ſie verſtellen/ und nicht ewiglich zuͤrnen wolle/ weil er ſehr barmhertzig ſey; ſo fuͤhret er ſie F. 13. gleich darauf; daß ſie ihre Miſſe⸗ that vorher erkennen můſten/ daß ſie wieder den HErrn/ ihren GOtt/ geſuůndiget haͤtten. Man muß alſo zuforderſt die wirckliche Suͤnden und Miſſethaten erkennen, womit das Hertz und der Wandel jemals befleckt geweſen. Man muß mit den Gedancken und der Erinnerungs⸗Krafft zuruͤck gehen, ſo weit man nur kommen kan, in die erſten Jahre deß Lebens, und den gantzen Lebens⸗Lauff uͤberdencken und erwegen, wie man ſich da⸗ rinn gegen GOtt und den naͤchſten erwieſen, wie man ſich gegen ſeinen Schoͤpffer, Erloͤſer und Heiligmacher verhalten, wie man die Pflichten, die man Freunden und Feinden ſchuldig geweſen, be⸗ obachtet. Man muß einen Blick thun, in das verkehrte und arge Hertz und bedencken, was vor eine ungeheure Menge boͤſer Gedan⸗ cken nicht nur darinnen aufſteigen, ſondern auch mit vielem Ver⸗ gnuͤgen geheget und unterhalten werden. Man muß erwegen, was vor ein entſetzlicher Hauffen boͤſer ſuͤndlicher Luͤſten und Be⸗ gierden nicht nur ploͤtzlich in den Gedancken ſtehen, ſondern auch darinn als angenehme Gaͤſte wohl bewirthet werden. Man muß bedencken, wie die Affecten gegen einander gewuͤtet, getobet, und die Seele beunruhiget haben. Man muß aber nicht allein die in⸗ nerliche Unruhe des Hertzens der Gedancken, Begierden, Nei⸗ gungen und Affecten erkennen lernen; ſondern man muß auch zur

lebendigen Erkaͤntniß der aͤuſſerlichen Unordnungen des Wandels