Teil eines Werkes 
2 (1817) L-Z : mit einigen Nachtr.
Entstehung
Seite
207
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giebt Gesetze, ohne sich selbst daran zu binden; er lälst sie vollziehen, ohne der Gekränkte über Unrecht beklagen'darf, selbst der erste seiner

iener muls die Schnur küssen, die er ihm schickt. Er ernennt die sämmtl- chen höhern Staatsbeainten, und ein Wink von ihm bringt sie ohne Unter- suchung um ihre Stelle, Leben und Ver- mögen; denn der Grolssultan ist natür- licher Erbe seiner Sfaatsbeamten. Die

Thronfolge ist in der Familie Osmans

erblich, doch&eht sie oit nicht vom Vater auf den Sohn über, und das Volk und die Soldaten behaupten das Recht, einen Prinzen aus dieser Familie auf den Thron erheben und wieder ver- drängen zu können; doch wird nicht gern ein minderjähriger gewählt. Fast ede Thronbesteigung wırd mit Blute befleckt. Das weibliche Geschlecht ist ganz von der'Thronfolge ausgeschlos- sen. Der den'IU'hron besteigende Padi- schah wird nicht gekrönt, sondern mit dein Säbel ÖOsmans umgürtet: er hat keine eigentliche Gemahlin, aber einen starken Harem,. aus welchem diejenige seiner Weiber, die den ersten Prinzen gebiert, den Titel Haseke Sultan, und als Muiter des Grolssultans den Titel Valide Sultan führt Die Prinzessin- nen führen den Titel Bey- Chan, die Prinzen vom Geblüte heifsen sämmt- lich Sultan. Der Grolssultan hat seine eigne Schatullkasse oder Chasn&, in welche bestimmte Einkünfte flielsen und die sehr reich ist; seine Residenz ist gewöhnlich das Seraj zu Istambol, der Dulma- Baktsche daseibst und ein Palast zu Edreneh; sein Hof heilst die Pforte und ist äufserst zahlreich, der Titel ganz im Orientalischen Style, das Wappen ein&grüner Schild mit einem wachsenden silbernen Monde, der Rit- terorden seit 1799 der des Mondes,

An der Spitze aller Geschäfte steht der Grolssultan: in seiner Hand verei- nigen sich alle Fäden, dıe das Ganze der Sıaatsmaschine umziehen. Das höchste Reichskollegium ist der Diwan, welcher in den ordentlichen u, aulser- ordentlichen abgetheilt wird; in beiden führt der Grolswessir den Vorsitz. Die- ser ist die wichtigste Person im Staate, und vereinigt in seiner Person die Würde des ersten Ministers, des Grofs- xichters der Justiz und des obersten Befehlshabers der Truppen: er hat das grolse Staatssiegel in Verwahrung und übt überhaupt als Stellvertreter des Sultans die höchste Gewalt desselben aus. Geht er an die Spitze des Heers, so lälst er den Kaimakan als Verweser zu Istamböl zurück. Minister der aus- wärtıgen Angelegenheiten ist der Reys- Effendi, der Finanzen der Defterdar. Das Haupt der Religion ist der Mufti; der Oberste der Jenjitscheri der Jenjit- scheri, der Oberst der Spahis der Spa- hilar Aga, der erste Admiral und Mari- neminister der Kapudan Pascha. Provinzen sind sämmtlich in Beglerbegs und Paschaliks abgetheilt; der Paschen ist beinahe unumschränkt, und jeder hat, wie der Sultan, seinen Provinzialdiwan und beinahe die näm- lichen Beamten.° Von diesen Paschen Zühren die von Rumeli, von Bosna, von Anadoli und von Damas den Titel eines Begier Beg, und nur diese dürfen, wie der Kapudan Pascha, drei Rofsschweife yor sich her tragen lassen: die übrigen Paschen haben deren aux zwei. In mi-

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die Gewalt

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litärischer Hinsicht wird jeder Pascha, lik in Sandschaks oder Sandschakschaf- ten getheilt, deren man im Beiche 280 zählt. Die Justiz ist völlig in den Hän- den der Geisilichkeit und der. Koran die einzige Norm der Gesetze; der Mufti ist nicht allein oberster Priester, sondern auck der höchste Ausleger der Gesetze, und seine Entscheidungen hei- dsen Retvahs. Das höchste Dikasterinm ist der Diwan Chaneb, welcher im Pa- laste des Grolswessiers und unter des- sen Präsidium gehalten wird; zu Ge- hülfen hat er die beiden Kadileskiers von Europa und Asien, den Galata Mol=- lasi, den Pera Mollasi, den Ejub Molla- si, den Iskiudar Mollasi und den Istam- bul Effendi. Das ganze Korps der Rechtsgelehrten gehört zur Ulema. Die niedern Gerichte verwalten in grolsen Städten Mollahs, in kleinern die Kadis, Der Kirchenstaat der- Osmanen ist.sehr einfach. Der Grolssultan steht als Ka- lif und Nachfolger Mohameds an der Spitze der Geistlichkeit, in seinem Na- men verwaltet der Mufti die höchsten bischöflichen Rechte. Sein Stellvertre- ter heilst Feivah Emini. Nächst dem Mufti sind die Kadileskiers, die Mol- labs und Kadis die wichti sten Glieder der Ulema. Die eigentl. ie thei- len sich in Imans, Danischmends und Yalismane ab; die Klostergeistlichen heiflsen Derwische. Die griechische Kirche hat zy Istambol, Solyman, An- tiokia und Skanderun Patriarchen, wo- von der erste von den übrigen als Ober- haupt anerkannt wird und eine Synode von-12 Bischöfen nehen sich hat;. das kirchl. Oberhaupt der Armenier ist der Patriarch zu Eischmiazin, dann die zu Sis und Aghtamar;. die Nestorianer haben ebenfalls einen Patriarchen. Ue- berhaupt werden die Christen aller Art geduldet und der Ausübung ihres Got. tesdienstes nichts in den Weg gelegt. Einen Unterschied der Stände kennt der Osmane nicht; es giebt im ganzen Reiche nur Einen Herra und lauter Sklaven. Indels behaupten doch die Emirs und Scherifs, die ihren Stamm- baum bis zu Mohamed hinaufführen können, und die Nachkommen der Wessiere Ibrahim Chan Oglu und Ach= med Kiuprili gewisse Vorzüge Die Christen und Juden, die unter den Os manen leben, werden als Feinde ange- sehen, deren Gehorsam das herrschende Volk durch Bedrückungen aller Art er- zwingen zu müssen glaubt. Die Wal. lachei und Moldau hat ihre eigenen von der Pforte ernannten Fürsten grie- chischer Religion, die deren Vasallen sind und nach Willkühr von derselben BHERSESKL oder jährlich bestätigt wer- en. Die Staatseinkünfte schätzt man auf 30 Mill. Gulden. Nach Campenhausen. machen sie 83,625 1/a Beutel, 46, Asper (25,087,881 Rubel zu 2ı1/a gr.) au% diein Komtoire flielsen. Nach Kantemir u. Thornton betragen die Einkünfte des Miri 30,375,000, nach Eton 40,450,500 Guld. Von dem Miri ist der Itsch Hazne oder die Privatkasse des Grolssultans völlig getrennt; der Miri ist arm, der Hazne sehr reich Die Staatsausgaben sollen nach Campenhausen nur die Summe von 19,417 Beutel, 617 Asper(5:525,103 Rub, 5 Kopeken) beiragen._Dessenüngeach- tet 3st in keiner Kasse Geld vorhanden, und die Staatsschuld soll sich bereits 1807 auf 106,700,000 Guld, belaufen haben