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Der Hund, seine verschiedenen Zuchten und Varietäten, Geschichte seiner Verbreitung und Schicksale, Erziehung, Benutzung, Krankheiten und Feinde / von Friedrich Ludwig Walther
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1 men worden iſt. Speiſe und Trank nimmt der Kranke

erſt zwei Stunden nach der Arznei, und enthaͤlt ſich des Schweinefleiſches. Die Wunde wird ſcarificirt, dann 24 Stunden lang mit Emplaſtro Canthar. bedeckt, worauf man dieſes abnimmt, und ein gewöoͤhnliches Zugpflaſter auflegt. Nach 12 Stunden legt man ein neues auf, welches gerade an der Stelle, wo es die

Wunde deckt, einen Einſchnitt bekommt. Auf dieſen

Einſchnitt wird eine mit jenem Decoct getraͤnkte Com⸗ preſſe gelegt, welche ſtets feucht zu halten iſt. Die Wunde wird 4 Wochen lang offen gehalten, und wenn

ſie zuheilt, durch jenes Zugpflaſter wieder geoͤffnet.

So lange der Patient die Waſſerſcheu nicht im hoͤch⸗ ſten Grad hat, iſt dieſes Mittel nach der Verſicherung jenes Lanbmannes vollig wirkſam. Die Waſſerſcheu aber iſt zu befuͤrchten, wenn der Kranke einen Krampf in dem der Wunde am naͤchſten Gelenke ſpuͤrt. Dann ſoll man den Trank dreimahl ſo ſtark machen, und alle halbe Stunde davon eingeben. Am dritten Tag tritt der Krampf nach dem Leib,(wo alle Huͤlfe ver⸗ gebens iſt, wenn man nicht jenes Mittel zuvor ge⸗ braucht hat,) oder nach dem Kopf. Dann oͤffnet man ſogleich eine Ader, und belegt den Hals mit uͤchern,

die in jenes Decoct eingeweicht ſind.

So verſchieden nun auch die Anſichten von dieſer Krankheit ſeyn moͤgen, und ſo verſchieden die dagegen empfohlenen Mittel ſind; ſo laſſen ſie ſich doch in zwei Gattungen eintheilen, in aͤuſſerliche und innerliche, und ſo einig iſt man endlich auch darin, daß die aͤuſſerlichen vor allen Dingen auf der Stelle angewandt werden muͤſſen. Man ſchneidet die Wunde aus, oder ſcarificirt ſie wohl(laſſe ſie aber ja nicht ausſaugen), und noch beſſer iſt das Ausbrennen mit roth gluͤhendem Eiſen.

Wo andere Umſtaͤnde den Gebrauch des gluͤhenden Eiſens nicht erlauben, hat die Kunſt noch zwei Mit⸗ tel bereit, die das Wuthgift chemiſch zerſtoͤren, die aber ohne Verzug angewandt werden muͤſſen.

Man waͤſcht naͤmlich die Wunde ſogleich mit einer