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Der Hund, seine verschiedenen Zuchten und Varietäten, Geschichte seiner Verbreitung und Schicksale, Erziehung, Benutzung, Krankheiten und Feinde / von Friedrich Ludwig Walther
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en Aegypte et Syrie. Paris 1805: die ſonſt ſo friedferti⸗ gen Cameele blaſen zur Brunſtzeit vielen weißen Schaum von ſich, verfolgen Menſchen und Thiere, um ſie zu beiſſen, ſcheuen das Waſſer und ſterben unter Zuckungen.

Iſt alſo vielleicht der gereizte aber nicht befriedigte Geſchlechtstrieb eine Haupturſache der Wuth, beſonders in ſolchen Oertern, wo viele maͤnnliche und wenige weibliche Hunde gehalten werden? dafuͤr duͤrfte der Beweiß ſchwer zu fuͤhren ſeyn.

Es iſt ſchon erinnert worden, daß manche ihren

Hunden den Wurm ſchneiden laſſen, in der Meinung, das Tollwerden derſelben zu verhuͤten.*) Eine andre

alte Meinung iſt: daß nur die maͤnnlichen Hunde vom

erſten Wurf toll wuͤrden. Man muſſe ſie alſo caſtriren.

Fuͤrchterlich in ſeinen Wirkungen iſt das Gift, das ſich in dieſer Krankheit aus den Saͤften des tollen Hundes entwickelt. Herr Graf von Salm⸗Reiffer⸗ ſcheid hat gefaͤhrliche aber lehrreiche Verſuche in Bruͤn mit 7 tollen Hunden angeſtellt. Geheilt wurde nur Ei⸗ ner und zwar mit aqua lauroceraſi, welches ihm theils fluͤſſig, theils mit Belladonna-Beeren und blauſaurem Kali(alſo Gift mit Gift) als Lattwerg angemacht,

mit groͤßter Vorſicht eingegeben wurde. Dieſe Ver⸗

ſuche zeigten, daß die Wuth fortgepflanzt wird durch den Biß eines tollen Hundes, durch Einimpfung, durch den Genuß des gekochten Fleiſches eines, tollen Hundes. Alſo ganz gegen die Erfahrungen von an⸗

dern thieriſchen Giften, z. B. des Schlangengiftes,

von dem ſchon Lucanus L. IX. v. 614. ſagt: Noxa ſerpentum eſt admiſto ſanguine peſtis:

Morſu virus habent, et fatum dente minantur.

Pocula morte carent. Innerlich genommen, ſchadet es nicht.

») Dieſes Wurmſchneiden hat noch viele Freunde. S. Allg. Anzeiger. 1816. Nro. 136. Auch die Kamtſchadalen ſchneiden ihren Zug⸗ dunden, wenn ſie, wie zuweilen geſchieht, plötzlich nicht freſſen wollen und von Fleiſch fallen, den Wurm, und behaupten, daß ſich die Hunde bald nach Wegnahme deſſelben wieder erhohlten. v. Langsdorfs Reiſe um die Welt. II. 298.