Druckschrift 
Offenes Sendschreiben an Hrn. Dr. Justus Liebig in Giessen, eine gegen mich gerichtete Anmerkung im Juniheft der Annalen der Chemie und Pharmacie betreffend : nebst einigen Bemerkungen zu der Schrift: Ueber Liebig's Theorie der Pflanzenernährung und Schleden's Einwendungen gegen dieselbe von Karl Winkelblech, Professor in Kassel / von M.J. Schleiden, Dr., ausserordentlichem Professor in Jena
Entstehung
Seite
36
Einzelbild herunterladen

entscheiden ist, zu deren Entscheidung noch ganz andre che- mische Untersuchungen, als bis jetzt angestellt, gehören, eine Frage endlich, der man sich durch die sogenannte Liebig'sche

Theorie nur mit derselben Geistesträgheit entzieht, als wenn

man die Erforschung des thierischen Lebens dureh Annahme einer Lebenskraft abweist. Dabei hege ich aber die Ueber- zeugung, dass derselbe L., der jetzt Gegner der Gährungs- pilze ist, der ihre Existenz ignorirt, einmal der eifrigste Ver-

theidiger derselben werden wird. L. ist nicht der Mann, der sich aus bplossem Eigensinn die schönsten Entdeckungen ver- schliesst, und wenn ihn bessere Einsicht in die Anforderungen

der Physiologie erst auf den rechten Weg gebracht haben

wird, so werden wir grade Liebig noch Untersuchungen zu danken haben, die den Vegetationsprocess in seinem einfach- sten Ausdruck und die Gährung gleichzeitig auf das Schönste erläutern. Endlich will ich nur noch ausdrücklich bemerken,

dass ich nirgends von Versuchen, die ich angestellt und noch

nicht publicirt hätte, spreche; die Sache ist von Herrn M. fingirt, wie Jeder, der meine Schrift gelesen, ohnehin wissen wird.

Schleiden sagt, es sey überflüssig, ein Schema über den Vorgang bei einzelnen Naturerscheinungen zu geben; denn

wer in den Geist der F riesischen Naturphilosophie eingedrun-

gen sey, welche eine strenge Gesetzmässigkeit der Natur aus- spreche, könne sich dies Alles a priori denken. Es sieht Jedermann ein, dass nicht Liebig's Schema, sondern Schlei- den's Bemerkung sehr überflüssig ist; denn es würde in der That alle Naturforschung aufhören, wenn wir uns schon mit der Renntniss des Princips begnügen wollten; aber mit voller Gewissheit lässt sich versichern, dass Jeder, der in den Geist der Friesischen Naturphilosophie eingedrungen ist, den stren-

gen logischen Zusammenhang der Liebig; schen Theorie ein-

sieht, und überhaupt klarere Begriffe hat, als sie Schleiden in seiner Schrift entwickelt, die nichts als ein haltungsloser und ungeregelter Erguss der Leidenschaft, voll derber Aus- drücke und Unhöflichkeiten ist.

lch könnte hier bemerken, dass Fries selbst meint, ich