Druckschrift 
Offenes Sendschreiben an Hrn. Dr. Justus Liebig in Giessen, eine gegen mich gerichtete Anmerkung im Juniheft der Annalen der Chemie und Pharmacie betreffend : nebst einigen Bemerkungen zu der Schrift: Ueber Liebig's Theorie der Pflanzenernährung und Schleden's Einwendungen gegen dieselbe von Karl Winkelblech, Professor in Kassel / von M.J. Schleiden, Dr., ausserordentlichem Professor in Jena
Entstehung
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liess, konnte ich mir nicht verhehlen, wie ungleich derselbe sey. Gegen Sie, den vielgenannten und gepriesenen, weitbe- rühmten Chemiker trat ich auf als junger Physiologe, der sich noch keine allgemeine Anerkennung errungen, ja vielleicht trotz seines guten Willens nie eine erringen wird, denn dabei hängt gar Vieles, ja oft das Meiste vom Glück, von zufälligen Nebendingen ab. Dass bei Vielen Ihr blosses Wort genügen möchte, alle meine Gründe zu paralysiren, dass bei den Mei- sten, wenn Sie auch nur den Schein für sich hätten, das Vorurtheil für Sie und gegen mich sprechen würde, das Alles sagte ich mir vorher und, dennoch schrieb ich. Wissen Sie, was dem Menschen den Muth verleiht, auch einen wegen physischer Ueberlegenheit des Gegners hoffnungslosen Rampf zu wagen? Es ist das gute Gewissen. Dieses besteht aber in der Wissenschaft darin, dass man sich bewusst ist, ohne alle Nebenrücksicht nur die Wahrheit und die ganze Wahr- heit zu wollen, dass man namentlich sich selbst gegen das Werk, welches man erstrebt, ganz vergisst. Dieses gute Gewissen nun habe ich. Wenn ich mich heute durch eignes Nachdenken und durch Studium überzeuge, dass meine Schrift gegen Sie von Anfang bis zu Ende nur Unrichtigkeiten ent- hält, so bin ich morgen der Erste, es selbst bekannt zu machen und öffentlich zu gestehen, dass ich Ihnen Unrecht gethan, und seyen Sie überzeugt, wenn Sie mich in einem oder allen Puncten von meinem Unrecht überzeugen, so werde ich das nicht stillschweigend hinnehmen, sondern öffentlich meinen Irrthum widerrufen*). Das allein halte ich für ehrenwerth

und männlich.

*) Um so gut es mir jetzt möglich ist einen Beweis davon zu geben, dass es mir damit Erust ist, will ich hier zwei Fehler meines Buchs ver- bessern: ein Schreibfehler, indem es S. 17. Z. 1. v. o. heissen muss: das Frieren stattdie Rälte, und zweitens S. 25. Z. 17. v. u., wo es heissen muss:Poussingault's Untersuchungen und Liebig's Bestätigungen früherer Beobachtungen über den Ammoniakgehalt des Regenwassers, ein Mangel an Genauigkeit, der übrigens in dem Zusammenhange völlig un- wesentlich ist. Andere bedeutende Fehler habe ich bis jetzt in meiner

Schrift nicht entdecken können.

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