Tafel I.
Figur 1. Der Kopf und ein Theil des Halses des Pferdes, von der linken Seite; ½ der Naturgröſse.
Auf dieser Figur sind dargestellt: die geöffnete Oberkieferhöhle(1— 3), G der Speichelgang der Ohrdrüse mit den ihn begleitenden Blutgefäfsen und Nerven(4— 10), dann die Stelle, wo der Luftsack liegt(11— 19).
Um zur tiefsten Stelle der Oberkiefer- oder Kinnbacken-Höhle(Antrum Highmori) zu ge- langen, muſs der Raum zwischen dem äuſseren Rande des Hebers der Oberlippe(der am lebenden
Pferde bei der Bewegung der Oberlippe leicht als runder Muskel zu fühlen ist) und dem unteren Ende der Jochleiste gewählt werden. Nachdem
1. die Haut durchgeschnitten und zurückgelegt ist, tritt
2. der äufsere Rand des Hebers der Oberlippe hervor, neben welchem
3. die Oeffnung mit dem Trepan in 88 Oberkie- ferhöhle gemacht wird.
Soll der Gesichtstheil vom Speichelgange der Ohr-
drüse aufgesucht werden, so fühlt man nach dem unteren vorderen Rande des äufseren Kaumuskels, der vom unteren Ende der Jochleiste schräg nach hinten au den Unterkiefer geht. In dieser Rich- tung wird 4.4. die Haut durchgeschnitten, durch stumpfe Haken aus einander gezogen, und nachdem auch 5.5. der Gesichts-Hautmuskel durchgeschnitten ist, stöfst man auf 6. den vorderen unteren Rand des äufseren Kau- muskels, über welchen 7.7. Zweige des Antlitz- und oberflächlichen
Schläfen-Nervens hinweggehen. Unter diesen
liegen, von vorn nach hinten:
8. die Gesichts- oder Lippen-Arterie,
9. die Gesichts- oder Lippeneeue und zunächst am Kaumuskel
10.10. der Stenson'sche Gang oder Speichelgang der Ohrdrüse, der bei 17. von der Ohrdrüse abgeht,
im Kehlgange(wo er von den drei Geſäſsen das un-
terste ist) nach vorn und unten läuft, um den unteren
Rand des Unterkiefers sich an die Gesichtsfläche beugt
und hier zwischen der Vene und dem Kaumuskel nach
oben und vorn, dann von den beiden Blutgefäſsen be-
deckt am Backenmuskel hinaufsteigt und in der Höbe
der Krone des dritten oberen Backenzahnes in die Maulhöhle mündet.
Um zu dem oberen Theile des Luftsnekos, zu ge- langen, wird
11. die Haut in der Richtung des äufseren Randes vom Flügel des Atlas(14) durchgeschnitten, worauf
12. die Ohrdrüse zu Gesicht kommt, und ist diese von 14. dem Atlas abgetrennt, so sieht man
13. den Griffel- Kinnbackenmuskel, unter welchem 15. der Luftsack liegt.
Den unteren Theil des Luftsackes ſindet man in dem Dreieck zwischen der Sehne des Brust-Kinn- backen-Muskels, dem hintern obern Rande des Un- terkiefers und der äuſseren Gesichts-Vene. Alle drei Grenzen sind äuſserlich durch das Gefühl und zum Theil auch durch das Gesicht zu erkennen; die Vene dadurch, daſs man sie unterhalb drückt und anschwellen läſst.
Es bezeichnen:
16.16. die aufgeschnittene und zurückgezogene Haut;
17. das untere Ende der Ohrdrüse mit dem(geibge-
färbten) Speichelgange; 18. die Sehne des Brust- Kinuhacken- Mus- kels und
19. die äufsere Kinnbacken-Vene.
Figur 2. Kopf und Hals des Pferdes, wie Figur 1.
Hier ist die Trepanation des Unterkiefers 8— 3), die querlaufende Gesichtsarterie und Vene, und
der vereinigte Antlitz- und oberflächliche Schläfen- Nerv(4— 6), endlich
der Luftsack mit den ihn bedeckenden Gefäſsen und Nerven(7— 24) dargestellt.
Soll in dem Zwischenraume vom Maulwinkel bis zum äufsern Kaumuskel an einer Stelle der Kanal des Unterkiefers geöffnet werden, so dient hier der Niederzieher der Unterlippe, der als runder Muskel äuſserlich zu fühlen ist, als Leiter. An dem un- tern Rande dieses Muskels wird
1. die Haut eingeschnitten und in Lappen zurückge- legt. Um aber
2. den Kanal des Unterkiefers sicher zu treffen und
3. den unteren Zahnhöhlen-Nerven, der 3— 4 Linien über dem unteren Rande des Unterkiefers liegt,
nicht zu verletzen, mufs der Niederzieher der Unter- lippe etwas nach oben geschoben werden, ehe mit dem Trepan die Oeffnung gemacht wird.
Zwischen dem Gelenkfortsatze des Uuterkiefers vnd der Jochleiste, in der Richtung nach dem äuſsern Augenwinkel, liegt unter der Haut
4. die querlaufende Gesichts-Vene, und dicht unter ihr
5. die querlaufende Gesichts-Arterie.
6. Der vereinigte Gesichts-Nerv(oder der 7te) und der oberflächliche Schläfen-Nerv(ein Neben- ast vom Unterkieferaste des dreigetheilten oder 5ten Nervens) kommt aus der Ohrdrüse hervor, geht unter dem Gelenkfortsatze des Unterkiefers über die beiden Blutgefäſse hinweg und theilt sich am äuſsern Kau-
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