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Chirurgische Anatomie und Operationslehre für Thierärzte / von Dr. E.F. Gurlt und Dr. C.H. Hertwig, Professoren an der Königlichen Thierarzneischule zu Berlin
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Gelenk; und bei der Durchschneidung des innern und des äufsern Astes geschieht dies im noch höhern Grade. Man muſs also die Operationsstelle immer nach dem Sitze und der so viel als möglich erkannten Ausdehnung des Uebels wählen. Besteht z. B. eine starke Exostose an der innern vordern Seite der Krone, so würde man nur den vordern Zweig des innern Astes durchschnei- den. Bei der chronischen Hufgelenkslahmheit macht Sewel die Durchschneidung der hintern Zweige unter dem Fesselgelenk, und zwar gewöhnlich mit augenblick- lich gutem Erſolge; aber die Lahmheit kehrt oft nach einiger Zeit wieder(mehrentheils weil das Leiden sich später allmälig weiter ausbreitet) und verlangt die Wie-

derholung der Operation über dem Fesselgelenk. Da

dies für den Eigenthümer wie für den Thierarzt gleich- mäſsig unangenehm ist, halte ich, mit Spooner über-

einstimmend, es für zweckmäſsig, dafs man in denjeni-

gen Fällen, wo die Begrenzung des eigentlichen Uebels

auf einen kleinen Raum nicht als dauernd erwiesen ist, wie z. B. bei Exostosen, man die Operation am be- sten über dem Gelenk macht, und dies besonders bei ordinären Arbeitsthieren von geringem Werth. Die Durchschneidung beider Aeste über dem Gelenk wird nur bei einer rund um den Fuſs herum bestehenden De- generation unternommen. §. 171.

Man gebraucht zum Nervenschnitt eine Scheere, ein geballtes und ein gerades Messer, Pinzette, zwei stumpfe Haken(die aber oft entbehrt werden), eine krumme Nadel mit einem Faden oder statt derselben eine Hohlsonde.

Vor der Operation und bis zum Beginnen derselben soll man(nach Spooner's ganz richtigem Rath a. a. 0.) den betreffenden Fufs in einen Zustand von möglichster Abkühlung versetzen, so daſs nicht nur die Hitze bei etwa bestehenden Entzundungen beseitiget, sondern über- haupt die Wärme in dem Fufse fast ganz aufgehoben wird. Man vermindert hierdurch den, bei dem chroni- schen Reizungszustande fast immer vorhandeuen An- drang und die Anhäufung des Blutes in den kleinen Ge- fälsen der Haut und im Zellgewebe unter derselben, und erleichtert und verkürzt die Operation, welche sonst durch Blatung aus den ausgedehnten Gefäfsen oft sehr erschwert wird. Für den bezeichneten Zweck läſst man Fuſsbäder oder Umschläge von eiskaltem Wasser so lange anwenden, bis der Fuſs gehörig abgekühlt ist.

Die Ausführung des Nervenschnittes, namentlich unter dem Fesselgelenk, geschieht mit Sicherheit nur am liegenden Pferde. Dasselbe wird so gelegt, daſs die Operationsseite die obere ist, und der Fufs wird entwe- der in den Spannstock befestiget oder auf einen andern Fuſs ausgebunden, in beiden Fällen aber so, daſs die Ope- rationsstelle gehörig frei bleibt. An der letztern scheert man die Haare auf einer Länge von etwa 2 Zoll rein ab und unterrichtet sich dann über die Lage des Ner- ven, was an Füſsen, welche mit Oedem oder Ver- dickung der Haut behaſtet sind, oft nicht ganz leicht ist. Will man die Operation über dem Fesselgelenk

machen, so findet man den Nerv an allen vier Füfsen

fast gleichmäfsig in der Vertiefung zwischen der Sehne des Fesselbeinbeugers und des Hufbeinbeugers, jedoch

an der äuſsern Seite auf dem Rande der letztern, an der innern Seite etwas mehr nach vorn in der Vertie- fung. Noch genauer kann man sich an den Vorderfü- ſsen, sowohl an der innern wie an der äufsern Seite, nach der innern oder äuſsern Schienbeinarterie richten: welche man über jenem Gelenk fast immer deutlich pulsiren fühlt und bei Pferden mit dünner Haut auch pulsiren sieht. Man macht hier uumittelbar hinter der Arterie, und etwa 2 ½ Zoll übher dem Gelenk anfangend, einen mit der Arterie parallel laufenden Hautschnitt von 11¼ 1 ¼ Zoll Länge u. s. w.

An den Hinterfüfsen, wo bekanntlich die Schien- beinarterien zwischen dem Schienbein und dem äuſsern Griffelbein liegen, ſindet man den Sohlennerv zwischen den Sehnen des Fesselbein- und des Hufbeinbeugers unmittelbar hinter den Schienbeinvenen.

Uuter dem Fesselgelenk liegt der hintere Zweig des Nerven zwischen dem Rande der Beugesehnen und der Fessel- oder Seitenarterie(also hinter derselben), der vordere Zweig aber vor dieser Arterie und hin- ter der Vene(also zwischen beiden). Man macht hier den Hautschnitt etwa in der Mitte der Länge des Fes- sels und bald unmittelbar vor dem Rande der Beugeseh- nen, wenn man den hintern Zweig, oder einige Li- nien weiter vorwärts wenn man den vordern Zweig durchschneiden will.

Nach gemachtem Hautschnitt läfst man die Wund- ränder durch einen Gehäülfen mit den Fingern oder(we- niger zweckmäſsig) mit stumpfen Haken etwas ausein- anderziehen und nimmt aus der Wunde mittelst Pinzette und Messer eine Schicht Zellgewebe weg, welche die Arterie und den Nerv bedeckt, und bald etwas dicker, bald etwas düuner ist, je nach der Race des Pferdes und nach dem Zustande des Fufses. Hierbei hat man sehr auf die etwa in diesem Zellgewebe zum Vorschein kommenden kleinen Blutgeſäfse zu achten und dieselben möglichst zu schonen, weil das bei ihrer Verletzung ausflieſsende Blut das Auffinden des Nerven immer sehr stört. Sollte dies der Fall sein, so muſs man, ehe man weiter operirt, diese Blutung durch kaltes Wasser oder durch Zudrehen der Gefäfse sogleich stillen. Auch ist nöthig, den einmal angeschnittenen Theil des Zellge- webes immer ganz abzuschneiden, weil zurückbleibende halbgelösete Flocken stets eine schlechte Eiterung zur Folge haben. Ist man vorsichtig bis zum Nerven gelangt, so tritt derselbe als ein glänzend weiſser Streif oder Strang, in der Längenrichtung des Theiles verlaufend, hervor. Sollte man trotz dieser Merkmale und trotz der Lage neben den oben bezeichneten Thei- len dennoch daran zweifeln, ob der in der Wunde liegende weiſse Streifen der Nerv sei? so kann man sich die Gewiſsheit hierüber sehr leicht dadurch ver- schaffen, daſs man dieses Gebilde mit der Pinzette ge- lind drückt oder mit der Messerspitze etwas sticht. Ist es ein Nerv, so zuckt das Thier augenblicklich heftig mit dem Fuſse. Man trenne nun in der Nähe des oberen Wundwinkels vorsichtig den Nerv von dem da- neben liegenden Gefäſs etwa 3 Linien lang ab, führe unter den Ersteren eine Hohlsonde und schneide ihn, auf deren Rinne geleitet, mit einem geraden Bistouri

(oder