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Chirurgische Anatomie und Operationslehre für Thierärzte / von Dr. E.F. Gurlt und Dr. C.H. Hertwig, Professoren an der Königlichen Thierarzneischule zu Berlin
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sehr empfindliche Thiere legt man nieder und bindet den obern Hinterfufs an den Vorderfufs. Dann nimmt man in die linke Hand die kranke Zitze und ziehet sie ge- lind in gerader Richtung vom Euter ab, so dals sie ge- spannt und frei von Falten wird. Hierauf führt man durch die Mündung ihres Kanals mit der rechten Hand eine metallene, mit Oel oder Fett bestrichene Sonde von etwa 1 Linie Dicke, und scbiebt dieselbe langsam vor wärts, bis man an die verwachsene Stelle kommt, welche man durch mälsigen Druck mit der Sonde zu trennen sucht. Im Falle des Gelingens hört der Widerstaud auf und es kommt Milch, zum Theil in veränderter Beschaffen- heit, selbst mit etwas Blut gemengt, zum Vorschein. Preten bei wiederholten Versuchen mit der Sonde diese Erscheinungen nicht ein, so ist die Anwendung des Troikars nöthig. Man fährt nun zuerst die mit Oel oder Fett bestrichene Hälse desselben auf die nämliche Weise wie die Sonde, so weit in den Kanal ein, bis sie Wi- derstand findet,— hält sie hier in der gespannten Zitze fest, bringt das spitze Stilet in sie eben so weit und drückt dann den ganzen Troikar gerade vorwärts in die Milch-Cisterne. Dafs man in diese gelangt ist, kann

man aus dem aufgehobenen Widerstande vermuthen. Das

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Stilet wird nun aus der Röhre gezogen, worauf die Milch,

pald mehr bald weniger veräudert und mit Blut gemengt, Nach ihrer gänzli-

entfernen oder

in einem starken Strahl nachflieſst. chen Entleerung kaun man die Hälse auch sie während 3— 4 Tagen liegen lassen und sie vermittelst eines an ihr Queerblech gebundenen und durch einen Streifen Heftpflaster an das Euter geklebten Zwirnsfadens befestigen. Im erstern Falle ist es nöthig, sie täglich 2— 3mal wiederholt in die Zitze zu führen, so lange bis dieselbe an der verletzten Stelle des Ka- nals eine ganz glatte Oberfläche erhalten hat und die Milchentleerung beim Melken leicht und in einem dicken Strahle statt ſindet.— Man kann diesen Zweck auch durch das Einlegen von trockenen Darmsaiten oder von

Bleidrähten erreichen.*)

4) Baerlocher fand bei einer Kuh, welche am linken vordern Strich nicht gemolken werden konnte, an diesem Strich in der Nähe des Euters eine knotige, mit der innern Fläche des Milch- kanals verwachsene Erhabenheit, welche die Oeffnung verschloss. Das Einbringen einer mit Fett bestrichenen Federspule gelang

Die Kuh wurde daher niedergelegt, die Zitze auf der in

gespalten, der Knoten mit

abgelöst, und dann die starke venöse

nicht. sie geführten Hohlsonde 4 Zoll lang einem Häkchen erfasst, hervorgezogen und Es traten

Wunde durch die Naht vereiniget. Blutungen ein.— Bei fleifsigem Ausmelken erfolgte die Heilung in 14 Tagen.

XLI. Die Eaæstirpation oder Amputation der Euter oder der Brüste.

S. 154.—

Wenn bei Scirrhus, welcher aufzubrechen und in den offenen Krebs überzugehen droht, eben so bei dem letztern selbst und bei Brand in eiuer Brust das betref- fende Thier noch kräftig, ohne Zehrfieber und ohne brandiges Fieber ist und noch erhalten werden soll,— ist die Abnahme der entarteten Brust als nothwendiges und letztes Rettungsmittel zu versuchen. Bei sehr schwachen, abgezehrten und sehr alten Thieren, und No heftiges Fieber oder wo Zufälle eines andern orga- nischen Leidens zugegen sind, hat die Operation in der Regel keinen guten Erfolg. Letzterer ist auch unter den zuerst bezeichneten Umständen nur zu hoffen, wenn die Operation ohne weitern Zeitverlust unternommen wird.

Moncourt hat die Exstirpation des Euters an Stu- ien mehrfältig, Flandrin hat sie an einer Kuh, Fro- mage de Heugré ebenfalls an diesem Thiere mit gu- tem Erfolge unternommen(Hurtrel d'Arbovals Wöor- terbuch, Artikel Euter), und ich selbst habe sie mit Glück an einer Kuh und an vielen weiblichen Hunden ausgeführt.

§. 155.

Je nachdem eine Brust nur theilweis oder im gau-

zen Umfange entartet ist, oder das Leiden sich über

mehrere Brüste(bei Kühen und Stuten über das ganze Euter) erstreckt, ist auch die Operation in einem bald kleinern bald gröfsern Umfange nothwendig. Bei Schwei- nen, Hunden und Katzen schält man stets die ganze leidende Milchdrüse aus; bei Pferden, noch mehr aber bei Kühen beschränkt man sich, wenn nicht ganz un- verkennbar beide Halften des Euters gleichartig leiden, nur auf die eine Hälfte oder selbst nur auf einen Theil

derselben, wenn die Entartung in dem vordern oder dem

hintern Ende einer Brust begränzt ist; denn es wird

dadurch eine unnätze Vergröfserung der Wunde ver- mieden und der in gesunder Beschaffenheit zurückblei- bende Theil kann später noch seine sezernirende Funk- tion wiedererhalten, wie dies Fromage de Feugré angiebt. Indeſs ist bei einer solchen Abtragung nur eines Theiles einer Brust zu bemerken: a) daſs sie stets in völlig gesunder Substanz geschehen muſs, weil sonst die Operation in Hinsicht auf die Beseitigung des eigentlichen Leidens nichts nutzen würde; und— 5) daſs man immer eine EZitze in gesunder Beschaffenheit mit dem zurückbleibenden Theile der Milchdräse in Verbin- dung erhalten muſs, wenn man von der Absonderung in diesem Theile noch einen Nutzen haben will. Uebri- gens ist die Ausschälung einer ganzen Milchdrüse im entarteten Zustande als Operation gewöhnlich nicht schwieriger als die theilweise Abtragung, und die Hei- lung der Wanden erfolgt, abgesehen von ihrer verschie- denen Gröfse, im erstern Falle oft leichter und für die Zukunft gründlicher als im letztern. §. 156.

Das Thier wird zu dieser Operation, nachdem seine beiden Gliedmaſsen jeder Seite zusammengebunden und die sonst nöthigen Vorkehrungen getroffen siud, auf den Rücken gelegt und von Gehülfen gehalten. Mau reini- get zuerst das Euter oder die Umgegend der kranken Drüse an der Oberfläche und macht dann die Ablösung derselben ganz oder zum Theil, und mit mehr oder we- niger Schonung der Haut, je nach dem Umfange der Entartung in der Drüse und in der Haut, und nach der Gröſse der Geschwulst.

a) Ist bei einer Stute oder bei einer Kuh eine Milchdrüse nur zum Theil entartet, dabei wenig ge- schwollen und die Haut gesund, so führt man mit einem geballten Bistouri durch die letztere einen Schnitt auf