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Chirurgische Anatomie und Operationslehre für Thierärzte / von Dr. E.F. Gurlt und Dr. C.H. Hertwig, Professoren an der Königlichen Thierarzneischule zu Berlin
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Kreuz, Brüche der Schweifrübe, Nässe auf dem Rücken

des Schweifs, zu festes Einflechten der Schweifhaare. — Bei der Kur müssen die Gelegenheitsursachen besei-

tiget, die Wunden mit schleimigen Flüssigkeiten gebä- het, der ganze haarlose Theil der Schweifrübe mit Fett

oder Talg oder mit grauer Merkurialsalbe dick bestri-

chen, das Thier in magerer, kühlender Diät gehalten und, bei einem hohen Grade der Entzündung, ihm ein Aderlaſs gemacht und kühlende Salze gegeben werden.

— Die zuweilen sehr bedeutenden ödematösen Anschwel-

lungen der Schweifrübe haben keine grofse Bedeutung und verlieren sich nach wiederholtem Ausstreichen der

im Zeligewebe angehäuften Feuchtigkeit bald.

4) Kalter Brand entsteht nach dem Schweifker-

ben entweder an der Operationsstelle oder an der Schweif-

spitze und zwar bald direkt, bald nach vorausgegange- nem heiſsen Brande. Im letztern Falle schwillt die Schweifrübe bedeutend an, wird heifs und glänzend, die Wunden sind dunkelroth und trocken oder sie sik- kern nur an einzelnen Punkten etwas Eiter, an andern eine röthliche Jauche; dann finden sich auf der Haut Bläschen, die eine gelbliche oder röthliche Flüssigkeit enthalten; die Haut und die Wunden nehmen eine bläuliche Färbung an und werden weich, die Haare in der Nähe gehen aus, die Muskeln verlieren ihre Empfindlichkeit und werden weich, und der Theil wird kalt. Wo der Brand direkt entsteht, zeigt die Haut am 2ten und 3ten Tage nach der Operation nur eine geringe Abweichung vom gesunden Zustande, sie hat ihre Empfindlichkeit und Wärme, aber die Muskeln sehen blaſs aus und die

Wunde sickert eine stinkende Jauche; drückt man die

Schweifrübe mit den Fingern, so entsteht ein geringes

knisterndes oder ein quatschendes Geräusch im Zellge-

webe unter der Haut und neben den Muskeln, und es dringt aus demselben an der Wunde Luft oder Jauche

hervor; später wird die Haut ödematös, kalt und ver-

liert die Haare. In beiden Fällen ist es gewöhnlich feuchter Brand, aber an der Schweifspitze erscheint eben so der trockne Brand. Wenn er an der Schweifrübe direkt eutsteht, wird er zuweilen in der ersten Zeit nicht sogleich erkannt, weil das muntere Benehmen und der Appetit des Thieres und die scheinbar gesunde Haut ein so bedeutendes Uebel unter ihr nicht vermuthen lälst. Als Ursache dieses direkten Brandes ist bauptsächlich das gänzliche Durchschneiden der mittlern und der seit- lichen Arterien und Nerven in 2 oder mehreren Schnit- ten an der untern Schweifseite zu betrachten, in Folge dessen gehinderte Ernährung und Absterben erfolgt; da- her das Uebel bei dem nach alter Art ausgeführten Schweifkerben nicht ganz selten erfolgt, nach dem sub- cutanen Durchschneiden der Niederzieher aber noch nie- mals beobachtet worden ist. Der mittelbar, aus dem heiſsen Brande entstehende Sphacelus wird mehrentheils durch zu festes Binden, besonders durch zu festes Nach- binden bei entstandenen Blutungen, durch zu langes Lie- genlassen des ersten Verbandes(z. B. zweimal 24 Stunden nach Dieterichs Chirurgie, 5te Aufl. S. 591) herbei- geführt und zuweilen durch eine eigenthümliche Körper- Constitution der Thiere oder durch die Witterung und die

Stallluft begünstiget.— Der Brand an der Schweifspitze endet mit dem Abfallen derselben, meistens ohne dals für das Leben des Thieres Gefahr entsteht; so auch oft an den Kerbwunden, in andern Fällen aber setzt er sich von hier zu dem Mastdarm oder auf das Kreuz u. s. w. fort, verursacht ein typhöses Fieber, Sinken der Kräfte

und den Tod.— Bei der Kur beseitiget man zunächst

die etwa noch fortwirkenden Ursachen,— macht in die brandigen Theile Längeneinschnitte durch die Haut so weit, als sich das Zellgewebe und die Muskeln krank zeigen, und nimmt die abgestorbenen Theile mit der Pin-

zette und dem Messer weg;— dann bähet man fleiſsig

mit lauwarmen Kräuterbrühen, verbindet mit Terpenthinöl oder Kampfer-Spiritus und legt Umschläge von aroma- tischen Kräutern darüber, und dies so lange, bis sich gute Eiterung zeigt, wo man dann mit gewöhnlicher Digestivsalbe verbindet. War der Schweif mittelst der Rollenschnur schon mehr als horizontal in die Höhe ge- bracht, so giebt man ihm diese Lage wieder und ver- mindert das Gewicht auf ein halbes Pfund, um aun den leicht ausgehenden Haaren jede starke Zerrung zu vermeiden. Reine Luft im Stalle und gutes, gesundes Futter, nöthigenfalls beim Sinken der Kräfte bittere, adstringirende Mittel mit Kampfer und Mineralsäuren sind zur Unterstützung der Kur näützlich.

5) Schweiffisteln entstehen nicht ganz selten bei dem offenen Schweifschnitt und geben sich zuerst zu erkennen durch zu reichliche Eiterung aus einzelnen Stellen der Wunden und ungleiche üppige Granulation daselbst, durch vermehrten Ausflufs von dünnem Eiter beim Dräcken auf die Umgegend der Wunden, ungleiche Anschwellung der Schweifrübe, zuweilen selbst an der obern Seite, oft durch groſse Schmerzen; später verheilt

die Wunde bis auf eine kleine Oeffnung, welche ge- wöhnlich einen schwieligen oder mit üppiger Granulation

besetzten Rand zeigt. Bei dem Sondiren findet man den Fistelgang und seine Beschaffenheit. Oft sind die Mus- kelun in bald geringerer bald grõſserer Ausdehnung um einen oder zwei Wirbel von denselben abgelöst, an der innern Seite der Wundränder haben sich Zusammenschnürun- gen gebildet, ein Wirbel ist verrenkt, gebrochen oder cariös, oder ein Gelenk ist geöffnet, der Zwischenknor- pel rauh und zum Theil abgelöst.— Ursachen sind: das Anschneiden der Beinhaut oder der Gelenkbänder, Ver- renkungen und Brüche der Schweifwirbel, zu fester Ver- band, zu gewaltsames Ueberbiegen der Schweifrübe nach der Croupe.— Zur Kur ist erforderlich: vollständiges Aufspalten der Gänge, Beförderung der Exfoliation mit- telst der Digestivmittel und warmer Bähungen, Auslösen der Knochenstücke, so wie des Knorpels mittelst Messer und Pinzette, dann Verbinden mit Digestivmitteln, bis die ganze Wunde gleichmäfsig gute Granulation zeigt, hori- zontales Aufhängen des Schweifes und die Anbringung eines sehr leichten Gewichts an die Rollenschnur. Die Heilung erfolgt hierbei in einigen Wochen fast immer mit fester Verwachsung zweier Wirbel, zuweilen bleibt aber ein sogenanntes künstliches Gelenk zurück, in Folge dessen manche Pferde den Schweif an der be- treffenden Stelle schief oder im Winkel gebogen tragen.

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