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XXVIII. Operation des Mastdarmvorfall-.
§. 114.
Wenn bei einem Vorfall des Mastdarms die gewöhn- lichen Hülfsmittel längere Zeit hindurch vergeblich an- gewendet sind, oder auch der Vorfall ohne diese veral- tet ist und eine dicke, mit ausgeschwitatem Faserstoff inſiltrirte und durch denselben mehr oder weniger verhär- tete, zuweilen sogar ulzerirte, Masse bildet, die sich durch den After nicht wieder zurückbringen läfst; so ist die Abtragung dieser degenerirten Masse nothwendig, um die weitergehende Zerstörung zu beschränken und die Heilung zu bewirken. Die Erfahrung hat jedoch gelehrt,
dafs ein bloſses Wegschneiden der Masse gefährlich wer-
den kann, indem hiernach in mehreren Fällen Infiltration von Jauche zwischen die Schleimhaut, oder sogar durch- gehende Oeffnungen in die Beckenhöhle entstanden sind und der Tod erfolgt ist. §. 115. Daher verfahre man hierbei auf folgende, an Pfer-
den und Hunden mehrfältig mit gutem Erfolge angewen-
dete Weise.
Man reinige die Masse und ziehe sie so weit her- vor, dafs die unverdickte Schleimhaut zu sehen ist. An der Grenze derselben durchsticht man von innen nach
auſsen den hier doppelt liegenden Mastdarm mit einer,
mit 6— 8fachem gewächstem Zwirn versehenen Heft-
nadel, so daſs die Nadelspitze neben dem After zum Vorschein kommt, führt dann von dieser Stelle ¾ Zoll entfernt die Nadel wieder von aufsen zur innern Fläche, bindet und schnürt die Enden des Bandes fest zusam- men, preſst so mit einer kleinen Schleife einen Theil der beiden Darmschichten fest gegen einander und schnei- det nach fest geschlossenem Knoten die Enden des Ban-
des ab. Unmittelbar neben diese Schleife legt man, ganz auf dieselbe Weise, eine zweite, indem man durch die eine Stichöffnung der ersten Schleife die
Nadel mit dem Faden durchfährt und sie in einer Ent-
fernung von ¼ Zoll wieder von der äufsern zur in- nern Fläche zurücksticht und dann die Enden wieder zusammenbindet,— und so fort, bis der ganze Darm neben dem After mit einer, aus mehreren Ligaturen be- stehenden Nath versehen ist.— Sollte man an der in- nern Fläche der vorgetretenen und entarteten Masse nicht den Raum zur Führung der Nadel haben, so kann man die Masse an einer Seite oder an beiden Seiten bis etwa Zoll vom Aſter entfernt, einschneiden, so sie gleichsam in zwei Hälften theilen und sich einen leichtern Zugang schaſfen.— Nachdem die Nath angelegt ist, schneidet man aufserhalb derselben in der Entfernung von+† Zoll die Masse ab und schiebt nun den Rest der letztern mit der Nath durch den After in das Becken.
Die ganze Operation lälst sich an Pferden sehr gut im Stehen ausführen, nachdem die Thiere gebremset und an den Hinterfäſsen gespannt sind und ihnen ein Vor- derfufs aufgehoben ist; sehr böse Pferde legt man aber nieder, und eben so Hunde.
Die Nachbehandlung besteht in der vorsichtigen Anwendung lauwarmer Klystire von schleimigen Flüs- sigkeiten, täglich 3— 5mal,— in Rahe und in weni- ger und weicher Nahrung während der nächsten 8 Tage. Nach etwa 5— 6 Tagen werden die Heftfäden nebst dem Reste der entarteten Masse abgestoſsen und es er- folgt die Heilung mit einer ſesten Narbe am hintersten
Theile des Darms. Hindernisse bei der Kothentleerung
sahe ich hiernach niemals entstehen.
XXIXN. Die Wegnahme der HMastdarm-Polypen.
§. 116.
Die Polypen an der Schleimhaut des Mastdarms werden bei der Kothentleerung, zuweilen auch ohne diese, aus dem After hervorgedrängt und dann als blaſs- oder auch als dunkelrothe Geschwülste sichtbar. Sie sind von der Gröſse einer Bohne bis zu der eines Hüh- nereies, gewöhnlich etwas länglich und gestielt, bald weich bald derb, und verursachen nur selten eine Stö- rung, die sich durch oft wiederholtes fruchtloses Drän- gen zur Kothentleerung, oder durch eine Neigung zum Reiben äufsert und zuweilen Entzündung und UlIzeration am After oder an den Polypen selbst, oder auch Vor- fall des Mastdarms zur Folge hat.
Um diese üblen Folgen zu verhüten, entfernt man
die Polypen, indem man sie entweder: a) abschneidet,
oder— 5b) abbindet, oder—) sie ausreiſst. Zu die- sen Operationen werden die Thiere niedergelegt, sie können aber an Pferden und Rindern, wenn die Thiere nicht zu empfindlich sind, im Stehen, mit der nöthigen Sicherung, ausgeführt werden.— Bei dem Abschneiden erfafst man den Polyp mit den Fingern der linken Hand oder mit einer breiten Pinzette, zieht ihn so weit als möglich hervor, und schneidet ihn dann nahe an der
Schleimhaut des Darms mit einer Scheere(am besten mit einer Hohlscheere) ab.— Das Abbinden geschieht, nachdem der Polyp hervorgezogen, mittelst einer Schleife aus drei- bis vierfach zusammengelegten, glatten Sei- denfäden, ebenfalls ganz nahe an der Schleimhaut; und bei dem Ausreiſsen erfaſst man ihn mit einer breiten Pinzette oder mit einer Kornzange, drehet ihn mehr- mals um seine Längenachse und reifst ihn dann mit einem kurzen, scharfen Zuge ab. Zu dem letatern Verfahren dürfen nur Polypen mit einem dünnen Stiel gewählt werden, weil es sonst sehr mühsam auszufüh- ren ist, unvollständig gelingt und selbst üble Folgen durch gewaltsame Abzerrung der Schleimhaut herbei- führen kann.— Das Abschneiden ist das kürzeste und einfachste Verfahren, aber es entstehen dabei zuweilen
Blutungen, welche durch Injektionen von kaltem Was-
ser, oder von Wasser und Essig, einer Alaunlösung u. dgl. styptischen Mitteln, oder durch Anbringen eines, mit einem solchen Mittel befeuchteten, den Mastdarm ausfüllenden Tampons gestillt werden können. Wenn der Tampon durch Drängen des Thieres gleich wieder weggestofsen wird, so muſs er wieder eingebracht und durch einige Minuten mit der Hand an der blutenden 41*
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