beiden Schnitte von einander richtet sich nach dem durch den betreffenden Theil gegebenen Raum, so dals man z. B. an der Stirn die beiden Oeffnungen nur gegen 6“ dagegen am Halse, an der Schulter, auf den Rippen, auf der Croupe und an den Hinterschenkeln sie gegen 12“ weit auseinander legt. Hierauf ergreift man die Haarseilnadel an ihrem mittlern Theil mit der vollen rechten Hand, drückt die Spitze durch die untere Oeff- nung in das Zellgewebe unter der Haut oder unter dem Hautmuskel*), und schiebt sie, die flache Seite der Nadel gegen die Muskeln gerichtet, die Spitze aber im- mer etwas der Haut zugewendet, kräftig im Zellgewebe vorwärts in gerader Richtung nach der obern Oeffnung zu, und durch dieselbe hervor. Nun bringt man das vorher schon zubereitete Band in das Oehr der Nadel, ergreift dann die Spitze derselben, zieht die Letztere langsam und vollständig aus der obern Oeffnung hervor und das Band nach, worauf man die Nadel von dem Bande befreiet. Um das Herausfallen des Bandes zu hindern, bindet man die beiden Enden desselben in einen Knoten zusammen, oder man befestiget an jedes Ende einen kleinen hölzernen Knebel, oder man bindet einen
bloſsen Knoten an demselben.
Gewöhnlich ist es vorgeschrieben, die Haarseilna- del durch die obere Hautöffnung ein- und durch die un- tere Oeffnung sie auszuführen. Dies Verfahren ist je- doch weniger zweckmälsig als das im Vorstehenden an- gegebene, weil, wenn die Thiere bei dem Durchführen der Nadel unruhig werden, und in Folge dessen die
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Nadel in ihrer Richtung von der vorgezeichneten Linie
abweicht, sie dann aber wieder in gehöriger Richtung fortgeführt wird, sehr leicht blinde Säcke entstehen, welche ihren Eiter nicht entleeren, wenn diese Säcke durch das Einführen der Nadel von oben her gebildet worden sind; es entstehen dann Anhäufungen und Ver- senkungen des Eiters, grofse Anschwellungen u. dgl. üble Zufälle, welche in den meisten Fällen künstliche
Gegenöffnungen erfordern.
Die Nachbehandlung besteht nach gezogenen Haar- seilen zunächst darin: dafs die Thiere so angebunden werden, daſs sie sich die Haarseile mit den Zähnen nicht gewaltsam herausreilsen können. Vom zweiten Tage ab läfst man das Band täglich ein- oder zweimal, je nach dem Grade der schon eingetretenen Anschwel- lung oder Eiterung, gelind hin- und herziehen, um hier-
durch die reizende Wirkung des Bandes täglich zu er-
neuern. Aufserdem streicht man mit der Hand gelind drückend über den Eiterkanal nach den Oeffnungen hin, um den angesammelten Eiter zu entleeren, und wenn derselbe über die unter den Oeffnungen befindlichen Hautparthien fliefst, so reinigt man dieselben durch Ab- waschen mit lauwarmem Wasser. Ist der Eiter scharf, und die Haut sehr empfindlich, so kann man da, wo sie vom Eiter berührt wird, etwas Fett, Cerat oder ein mildes Oel von Zeit zu Zeit aufstreichen. 4
*) Wenn man das Eiterband unter den Hautmuskel legt, wirkt es mehr in die Tiefe und zugleich vermeidet man am sichersten die Schwielen, die oft bei Pferden in der ganzen Länge des Eiter- bandes für immer zurückbleiben und das gute Aussehen stören.
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Tritt in den ersten 10— 12 Stunden nach geleg- tem Eiterbande keine deutlich bemerkbare Reizung und Anschwellung ein, so kann man das Band zu wieder- holten Malen mit Terpenthinol, oder einem andern Reiz- mittel befeuchten.
Man läſst die Eiterbänder gewöhnlich 8— 10 Tage liegen, und entfernt sie dann, indem man den Knoten an einem Ende abschneidet, und das Band aus der ent- gegengesetzten Oeffnung aus dem Eiterkanal zieht. So lange hiernach noch Eiterbildung in dem Kanal forthe- steht, ist die NNachbehandlung in der angegebenen Weise
auch fortzusetzen.
§. 13.
Das Eiterband am Sprunggelenk gegen Spatt ist von Sewell empfohlen, und von mir sehr oft mit dem besten Erfolge angewendet worden. Man legt zur Ausführung dieser Operation das Pferd auf die dem kranken Fuſs entsprechende Seite nieder, und macht die innere Fläche dieses Fufses frei zugäng- lich, indem man den oben liegenden Hinterfuſs mit dem Schienbein auf das Schienbein des oben liegenden Vorderfufses bindet. Hierauf kniet man an den hintern Rand des kranken Fuſses, streicht die Haare auf der innern Fläche des Sprunggelenks ganz glatt, und unter- drückt die über das Gelenk verlaufende Vene am obern Ende des Gelenks, um die Lage derselben deutlich sicht- bar zu machen; dann durchschneidet man mit einem ge- ballten Bistouri am untern Ende des Sprunggelenks, vor oder unter der Vene, die Haut bis auf das kurze Zell- gewebe unter ihr, so daſs eine ¾ Zoll lange Wunde entsteht, eben so macht man die obere Oeffnung am obern Ende des Sprunggelenks, etwa ¾ Zoll bis ¾ Zoll weit hinter dem innern Kunorren des Schenkelbeins. Hiernach führt man die Haarseilnadel(was eine ge- wöhnliche deutsche Haarseilnadel sein kann) durch diese Oeffnungen unter der Haut fort, so daſs das Band un- mittelbar die Gelenkbänder auf den Spatterhöhungen be- rührt. Das Band wird an den Enden zusammengebun- den, doch so, daſs die hierdurch gebildete Schleife nicht die Gröfse erhält, daſs das Pferd mit dem Hufe des an- dern Fuſses in sie treten könnte, im Fall es sich mit demselben an der Operationsstelle reiben sollte. Das Haarseil bleibt auch hier gegen 10 Tage liegen und die Nachbehandlung ist dieselbe, wie im Vorstehenden an- gegeben; aber das Pferd muſs selbst nach der Heilung der Wunden noch während wenigstens 14 Tagen ganz ruhig stehen bleiben, und nach dieser Zeit darf es in den folgenden 14 Tagen nur im Schritt bewegt werden.
§. 14.
Das Haarseil durch den Strahl des Hufes ist ebenfalls von Sewell zuerst empfohlen worden, und zwar als eins der kräftigsten und nützlichsten Mittel bei der sogenannten chronischen Hufgelenksentzündung, oder Sehnenrollenentzündung des Hufes. Das Pferd wird zu dieser Operation vorbereitet durch erweichende Um- schläge, welche durch einige Tage vorher am Hufe ge- macht werden. Es wird dann zunächst der Hornstrahl so dünn ausgeschnitten, daſs man überall mit einem Fin-


