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Chirurgische Anatomie und Operationslehre für Thierärzte / von Dr. E.F. Gurlt und Dr. C.H. Hertwig, Professoren an der Königlichen Thierarzneischule zu Berlin
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6) Endlich mufs er aucha ie Muth, ndeobat gtolss Ruhe und Besonnenheit, einen schnellen Ueberblick und viel Gewandtheit, besonders im Umgange mit den Thie- ren besitzen, und diese Eigeuschaften bei der Ausfüh- rung der wichligeren Operationen geltend machen, be- sonders wenn hierbei unerwartete gefährliche Zufälle plötzlich eintreten, oder wenn die zu operirenden Thiere sehr bösartig und widersetzlich sind. Denn in dem letz- teru Falle ist es niemals biureichend, dals der Opera- teur den Gehülfen blos die mündliche Anweisung giebt, wwie ein Thier zu bändigen und zu fesseln sei, sondern

eigene Uebung im Zergliedern kennen(die sogenannte chirurgische Anatomie). Denn nur durch solche praktische Kenntniſs der Anatomie erhält der Operateur überall die nöthige Sicherheit und, bei Operationen in der Tiefe der Theile, oder wo starke Blutung die freie

Einsicht stört, auch das bestimmte Bewulstsein seiner 3

Handlungen. Aulser der Anatomie des gesunden Kör- Verletzungen erzeugen(z. B. das Einreiben eiuer Salbe,

pers ist aber auch das praktische Studium der patho-

logischen Anatomie dem Operateur sehr nöthig,

theils um örtliche krankhafte Zustände richtig zu schä- tzen, theils auch, weil viele Operationen gerade in krankhaft veränderten Gebilden unternommen werden müssen. 13fIi9HSLI

3) Er soll aueh die Grundlehren Jer Mechauik vnd der Physik kennen. Denn, da seine Handlungen und

deren Wirkungen bei den Operationen zunächst auf Pby-

sische und mechanische Weise erfolgen, so kann er die

Wirksamkeit der Instrumente und anderer Hältsmittel Thiere dienen sollen(2. B. das Englisiren, das Ver-

kürzen der Ohren);; 1) als Radikal-Operationen,

gröfstentheils nur nach den Gesetzen j jener Wissenschaf- ten richtig abschätzen.

4) Er muſs scharfe und geübte Sinne, besonders scharfe Augen und feines Gefühl, so wie Sicherheit und

gleichmäſsige Gewandtheit in beiden Händen und im ganzen Körper besitzen. Wer diese Eigenschaften nicht von der Natur erhalten hat muſs sich bemühen, sie durch zweckmäſsige und fortgesetzte Uebungen zu erwerben oder weiter auszubilden.

5) Auch muls ein guter Operateuri im Operiren selbst eine möglichst groſse Fertigkeit besitzen und dieselbe theils durch Uebungen im Zergliedern des Thierkörpers, vorzüglich aber durch recht oftmalige Ausübung der sämmtlichen Operationen an todten und dehenden Thie-

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er selbst mufs hierbei an den gefahrdrohendsten Stellen

thätig mitwirken und Sehr oft zuerst die Mand an das

Thier 3 3119 9418 8 K. 4asc 3

Man hat die thierärztlichen Operationen nach Ver- schiedenheit ihrer Ausführung, ihres Zweckes u. s. w. mit verschiedenen allgemeinen Benennungen bezeichnet, und zwar:) als einfache, und b) als zusammen- gesetzte Operationen; erstere bestehen hauptsächlich nur in einem Operationsakt, und sind mit einem Instru- ment leicht und schnell ausführbar, während die zusam-

mengesetzten in verschiedenen Akten und Handgriffen

bestehen, gewöhnlich mehrere Instrumente erfordern, länger dauern und schwieriger ausführbar sind; c) als

Manual-Operationen, wenn sie mit den bloſsen Hän- den verrichtet werden(z. B. die Wiedereinrichtung einer

Verrenkung, die Zurückbringung eines vorgefallenen Or- gans in seine normale Lage); d) als Instrumental- Operationen, wenn sie mit Instrumenten ausgeführt wer-

den(z. B. das Aderlassen, die Trepanation);°) als

unblutige Operationen, welche in dem organischen Zusammenhange der Theile nicht augenblicklich offene

das Abbinden eines Aſterproduktes); f†) als blutige (akiurgische) Operationen, die unmittelbar in die Tex- tur und in die Form des thierischen Organismus ver-

letzend eingreiſen(z. B. das Heften der Wunden, die Tracheolomie); 9) als angezeigte, nothwendige oder Heil-Operationen, wenn sie zur Beseitigung

krankhafter Zustände nöthig sind(z. B. der Schlund- schnitt bei fremden Körpern im Schlunde, die Eröffnung eines tiefliegenden Abscesses); 4) als Mode- oder Luxus-Operationen, welche nur zur Verschönerung der

wenn sie zur gründlichen Beseitigung eines abnormen Zustandes dienen(z. B. die vollständige Ausschälung einer Balggeschwulst, die Vereinigung eines Bruchrin- ges durch die blutige Nath); und) als Palliativ- Operationen, durch welché blos die theilweise oder die vorübergehende Eutfernung eines Uebels, oder nur die Minderung der Krankheitszufälle erreicht wird(z. B. die Durchschneidung des Sohlennerven bei Lahmheiten von unheilbaren Exostosen am Fessel u. s. w.).

Bei den einzelnen Operationen unterscheidet man: 1) die Operationsakte, 2) die Operationsme- thoden, und 3) die Operationsweisen oder ope-

rative Verfahrungsweisen. Operations akte

sind die einfachen, auf einander folgenden Verrichtungen oder Handgriffe, aus deren Vereinigung eine Operation

besteht und von denen einer den Zweck derselben haupt-

sächlich erfüllt. Fast alle, und namentlich die gröſsern

Operationen sind aus mehreren Akten zusammengesetzt,

und die Unterscheidung in einfache und in zusammenge- setzte Operationen ist daher, streng geuommen, mehren-

theils ohne Grund. Operationsmethode ist der ganze

Inbegriff eines geregelten Verfahrens, durch welches der Zweck der Operation auf eine eigenthümliche Weise er- reicht wird. Von manchen Operationen giebt es nur eine Methode(z. B. von dem Schlundschnitt), andere können dagegen nach mehrern Methoden ausgeführt wer- den(2. B. die Eröffnung der Luftsäcke, die Kastration). Als Operations weise bezeichnet man die Verschie- denheit, welche bei manchen Operationen nur in der Ausübung einzelner Operationsakte angebracht wird. Es kann daher von einer Methode mehrerlei Verfahrungs- weisen geben. Bei den letztern wied der Zweck im- mer an einer und derselben Operationsstelle, nur mit an- dern Instrumenten oder mit andern Handgriffen herbei- geführt(z. B. das Aderlassen mit der Lanzette, mit der Fliete und mit dem Schnäpper), und es ist daher in jedem einzelnen Falle nur eine einzige Verfahrungsweise wirklich ausführbar; bei den Methoden werden aber ver- schiedene Theile und in verschiedenen Richtungen be- troffen, so daſs oft neben einer Methode auch noch