Druckschrift 
Zwe und dreyssig Hochzeitpredigen über Außerlesene Sprüch der Schrifft, Alten und Newn Testaments, bey Fürstlichen, Gräfflichen, Adelichen und anderer vornehmer und Ehrlicher Leute Hochzeitlichen Ehrentagen am SCasslischen und Marpugischen Fürstlichen Höfen, so dann auch bey der Universitet zu Marpug und Giessen gehalten und auff vielfaltiges begeren in Druck gegeben Durch / Johannem Winckelmannumg, der H. Schriff Doctorem und in der Universitet zu Giessen Professorem , Pfarheren daselbsten und des Oberfürstenthumbs Hessen Darmbstatischen theyls Superintendenten
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Von Keuſchheit vnd Hurerey

Gott ſo gar nicht mißfallen haben/ daß ſie ihm vielmehr wolgefallen/ vnd vn⸗ ſern Herꝛn Chriſtum in jhrem Ampt fuͤrgebildet haben.

Wann dann dem allem alſo/ was woͤllen wir dann anders ſagen/ als daß die jenige/ ſo verbieten ehelich zu leben vnter dem Schein groͤſſerer Hei⸗ ligkeit/ bey Gott damit gnade zu verdienen/ Teuffels Lehr fuͤhren/ ſo wider Gottes heilige Ordnung ſchmaͤhlich/ wider Chriſti verdienſt laͤſterlich/ vnnd ein Vrſach iſt vieler Suͤnde vnd Laſter/ die der Juͤngſte groſſe Tag deß Her⸗ ren offenbaren wird.

Zum fuͤnfften/ lehret vns dieſer Text auch das gradus ſeind/ vnnd ein vnterſcheyd zwiſchen den Suͤnden. Dan erſtlich wird allhie gedacht der Luſt/ darnach der Luſtſeuche/ oder deß inwendigen heimhlichen leidens der Brüſt/ da ein Menſch den Luͤſten nachhengt/ davon S. Paulus ſagt: Es iſt beſſer freyen als brennen /1. Cor. 7. Das ſeind cogirationes concupiſcentiæ. Da⸗ rinn ſich ein Menſch beluſtigt/ vnd gehorchet/ Rom. 6. Vnnd iſt an dem daß man die Luͤſte deß Fleyſches vollnbringet/ Gal. 1z. Zum dritten/ iſt dann da das euſſerliche Werck der ſchandlichen Hurerey/ Ehebruch vnd alle euſſerli⸗ che Schande/ wie ſie mag Nahmen haben/ dardurch Leib vnd Geyſt beſudelt vnd vervnreinigt werden/ wie zuvor gehoͤret.

Das nun die Luſt Suͤnde ſey/ ſolches bezeugt S. Paulus/ Rom.7. Ich hette nicht gewuſt/ daß Luſt Suͤnde wer/ wo nicht das Geſetzt ſagte: Laß dich nicht geluͤſten/ welches die Vernunfft vnd die Philoſophi/ denen heut die Jeſuiten folgen/ nicht nachgeben woͤllen. Wir aber bleiben billich allhie bey Gottes wort. Alſo ſagt S. Jacob/ Cap. 1. Ein jeglicher wird verſucht/ wann er von ſeiner eygnen Luft gereitzt vnnd gelockt wird. Darnach wann die Luſt empfangenhat/ gebiert ſie die Suͤnde/ die Suͤnde aber/ wann ſie vollendet wird/ gebiert ſie den Todt. Da hoͤret ewer liebe/ daß die Luſt reitzt vñ lockt ſug. geriert die Suͤnde alſo vnnd ſo/ aber ſie empfiengt/ wann der Beyfall vnnd Beluͤſtigung darzu kompt. Wann man dann jmmer nachſetzt/ folgt das euſ⸗ ſerliche Werck/ da heyſts dann wie Paulus ſagt/ Rom. 8. Wann jhr nach dem Fleyſch leben werdet/ ſo werdet jhr ſterben.

Hic jam ſtatim principlis obſtandum. Da muß man durch den Geyſt das ſuͤndliche Fleyſch toͤdten/ das iſt/ durch Gottes Furcht/ Gebet/ Gottſelige Gedancken/ mit Betrachtung Gottes worts/ vnnd boͤſer Luſt widerſtandt thun vnd ſie daͤmpffen/ damit alſo der Geyſt vberwinde/ vnd die Suͤnde ver⸗ midden werde.

VI. Endtlich/ daß der heilige Apoſtel ſpricht/ Chriſten ſollen ihr Faß

4—

beütet

von

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