Druckschrift 
Zwe und dreyssig Hochzeitpredigen über Außerlesene Sprüch der Schrifft, Alten und Newn Testaments, bey Fürstlichen, Gräfflichen, Adelichen und anderer vornehmer und Ehrlicher Leute Hochzeitlichen Ehrentagen am SCasslischen und Marpugischen Fürstlichen Höfen, so dann auch bey der Universitet zu Marpug und Giessen gehalten und auff vielfaltiges begeren in Druck gegeben Durch / Johannem Winckelmannumg, der H. Schriff Doctorem und in der Universitet zu Giessen Professorem , Pfarheren daselbsten und des Oberfürstenthumbs Hessen Darmbstatischen theyls Superintendenten
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Neun vnd zwantzigſte Hochtzei Predigt. 285

andern Poeten ſolches erſcheinet/ ſondern auch der Apoſtel Paulus in den vorgeleſenen worten ſolches andeutet/ daß die Heyden die von Gott nicht wiſſen/ der Luſtſeuche ergeben ſeyen. 1

Derowegen S. Paulus zum hoͤchſten verurſacht worden die Hurerey

vnd Vnreinigkeit zu ſtraffen/ vnd mit mancherley Argumenten vnnd bewe⸗

gungen die jenige ſo den Chriſtlichen Glauben angenommen haben dar⸗ von abzumahnen/ nnd zur Keuſchheit anzuhalten/ wie ſolches bezeugt das 1, Cap. der Epiſtel an die Roͤmer/ vnd das 7. Cap. der:. Ep. an die Corinth.

Dahin gehoͤrt auch der vorgeleſene Text/ darinn der Apoſtel Paulus

die Newen Chriſtglaubigen zu Theſſalonich vermahnet in gemeyn zwar zur

Heiligung/ vnnd namhafftig zur Keuſchheit/ welche Thugend zu entgegen geſetzt wird der Hurerey vnd aller Vnreinigkeit/ davon er ſie abmahnet. Solche Vermahnung iſt heutiges Tags hochnoͤtig/ alldieweil der Hu⸗

ren Geyſt all zu ſehr auß gelaſſen/ vnd viel/ bevorab Junge Leute antreibt/ daß

ſie ſich mit dieſem Laſter gantz aͤrgerlich beflecken.

Darumb dann wir denſelben Text zu dieſem mahl einfaͤltig erklaͤren

wollen/ vnd jhn zu vnſer Vnterweiſung Appliciren vnd treiben.

Der zuͤtige Gott/ der ein keuſches vnd reines Weſen iſt/ gebe die gna⸗ de ſeines H. guten Geyſts/ auff daß wir dieſe Apoſtoliſche Vermahnung al⸗ ſo anhoͤren/ damit wir jhn auch mit reinem Hertzen anruffen vnd jm dienen

moͤgen vmb Chriſti Jeſu willen/ Amen.

Erklaͤrung des Texts.

Asiſt der wille Gottes/ ſpricht der H. Apoſtel Paulus/ eiher

Heiligung. Die Apoſtoliſche Vermahnung iſt gerichtet in Ge⸗

Omeyn zur Heiligung/ daß ſie gantz vnnd gar G Ott dem ewigen Batter der ſie auß dem Finſternus zum Liecht beruffen/ Chriſto Jeſu/ der ſie

zum Volck ſeines Eygenthumbs von aller Vnreinigkeit erloͤſet/ dem hei⸗ ligen Geyſt/ der ſie zu ſeinem Tempeln geheiliget/ ſollen ergeben/ Gewi⸗ dumbt/ vnnd von der Welt/ allen weltlichen uͤſten abge ſondert ſein/ alſo/

daß wie der Apoſtel im 5. Cap. dieſer Epiſtel ſpricht/ jhr Geyſt gantz/ ſampt der Seel vñ Leib behalten werde vnſtraͤff lich auff diezukunfft vnſers Herꝛn Jeſu Chriſti/ das iſt/ daß ſie in ihrem Geyſt vnd Gemuͤth nichts dencken/ in

jhrem Hertzen nichts begeren/ vnnd mit jhrem Leib nichts thun/ was dem

willen Gottes zu wider in. Solches zu erheben/ ſpricht er: Das iſt der wille

Gottes/ darauff billich vns als Kindern Gottes zu ſehen gebuͤhret.

In iij Der⸗