266 41. Route: Von Alexisbad nach Ballenstedt.
„Hier stand die Burg Anhalt. Von Otto dem Reichen um das Jahr 1100 erbaut; später vollendet und vergrößert durch Albrecht dem Bären, ward sie 1140 in dem gegen diesen von den Sachsen und dem Herzoge Heinrich dem Löwen geführten Kriege zerstört. Von Albrecht wieder aufgebaut, war sie noch im Jahre 1300 bewohnt und mag erst gegen das Ende des 14. Jahr- hunderts verlassen worden sein.“
Die Burg Anhalt stand aber ½ St. blick nach dem gegenüberliegenden entfernt auf dem Hausberge, wo Meiseberg und in das Selketal. neuerdings ihre Ringmauern, sowie Die Tidianshöhle, 1 ½ St. von hier, das Fundament der Kirche ausge- von der die Sage erzählt, daß in ihr graben sind. Stammburg der Anhal- einst Gold gefunden wurde, und der tiner. Sanft aufsteigender Weg in nahe dabei liegende Aussichtspunkt herrlichem Laubwald.(Weg durch Selkeslcht sind nur bei längerem Ver- den Harzklub bezeichnet.) Durch- weilen des Besuches wert.
Von der Selkemühle zum Falken(16,8 km) führt der Weg weiter das Tal entlang zunächst zu dem empfehlenswerten Hotel zum Falkben(Günther). Z. 1— 1,50 Mk. Das Reisegepäck lasse man im Gasthofe, da man vom Schlosse dorthin zurückkehrt. Fuhrwerk im Hotel.
Wer, ohne den Gasthof zu besuchen, direkt auf den Falken- stein gehen will, wo aber keine Restauration ist, gehe zwischen der Sägemühle und dem Gasthof rechts den breiten Fahrweg aufwärts in ½ St. zum Schlosse. Vom Gasthofe führt der Fuß- weg in 25 Min. hinauf.
Schloß Falkenstein(320 m), dem Königl. Preußischen Oberjägermeister Grafen von der Asseburg auf Meisdorf ge- hörend, ist eine der schönsten und besterhaltenen Harzburgen. Durch eine lange Einfahrt(früher mußte man durch 7 Tore) gelangt man auf den inneren Schloßhof mit 160 m tiefem Brunnen. Hier befindet sich auch die Wohnung des Kastellans, welcher die Führung übernimmt(50 Pf.; mehr als 3 Personen je 25 Pf.).
Im Innern werden allerlei Kuriositäten gezeigt: Ein Bildnis Joh. Ludw. v. d. Asseburg, der Luther bei Altenstein gefangen nehmen half und nach der Wartburg brachte, ein Bildnis des Kurfürsten von Sachsen von Lucas Cranach, ein elfenbeinernes Kruzifix von Benvenuto Cellini, bronzene Statue Gustav Adolfs, eine alte metallene Vase mit einem Bacchuszuge, angeblich von Napoleon in Agypten gefunden und von Blücher aus Paris mitgebracht, dessen Tochter an den Oheim des jetzigen Besitzers des Falkensteins verheiratet war. Im Schlosse befindet sich eine Kapelle, in welcher Luther gepredigt hat.
Der hohe Turm des Schlosses, 373 m üb. M., gewährt schöne Blicke auf die Waldungen des Selketales. Unter dem Turme sollen tiefe Burgverließe
ins Deutsche übersetzt. Der Bischof von Halberstadt wußte um Mitte des 14. Jahrhunderts durch allerlei Ränke Falkenstein in seinen Besitz zu bringen. Hundert Jahre später wurde sie von dem Stifte gegen
sein.
Geschichtliches. Schon 1118 wird die Burg als eine kaiserliche er- wähnt, 1152 als Stammsitz derer von Falkenstein. Der Sachsen- spiegel, das älteste deutsche Rechts- buch, wurde hier von Eccard von Repgow zu Anfang des 13. Jahr- Geldentschädigung dem Grafen von hunderts niedergeschrieben und vom der Asseburg als erbliches Lehen Grafen Hoyer von Falkenstein 1230 überlassen.


