Land und Leute. 19
Hüttenbetrieb, von der Viehzucht, dem Forstgewerbe, der Spinnerei, Holzschnitzerei sowie vom Fange und Verkauf von Vögeln. Der Export der Harzer Kanarienvögel nach Amerika ist sehr bedeutend. Die im Harz vorherrschende Religion ist die evangelische. Die Harzbewohner sind kräftig und rauh, kühn und tätig, unverdrossen und gutmütig, mit geringem zu- frieden, stolz auf ihre Berge und nur in ihnen glücklich. Die blassen Wangen, die scharfen, starken, kalten Gesichtszüge, die straffen, fettlosen, aber kräftigen Muskelformen erzählen von den Mühseligkeiten arbeitsvoller und entbehrungsreicher Tage, die Augen des Harzer aber sprechen von gesundem Herzen und heiterer Gemütsart.
Es grüne die Tanne, es wachse das Erz, Gott schenke uns allen ein fröhliches Herz!
lautet ein alter Harzer Spruch.
Im Oberharz werden Silber, Blei und Kupfer, außerdem Steinkohlen und Salz gewonnen, im Unterharz Silber und Kupfer. — Doch geht der Bergbau immer mehr zurück, so daß jetzt viele Werke vollständig still liegen. In Clausthal existiert eine Bergschule, welche ihre Zöglinge nach allen Ländern der Welt entsendet.
Besondere Beachtung verdient die Verwendung des Reisigs wie des Stock- und Wurzelholzes zur Herstellung von Kohlen, sowohl wegen des Ver- fahrens als wegen der eigentümlichen Lebensweise der dabei beschäftigten Arbeiter. Im Mai zieht der Unternehmer(Meister), welcher die Hölzer von der Forstverwaltung gekauft hat, mit seinen Gehilfen(Knechten) in den„Hai“, errichtet hier an einer günstig gelegenen Stelle eine kegelförmige Hütte(Köte) aus Stangen, mit Deckung aus Rasen oder Fichtenrinde, die Tür mit Schutz- dach aus gleichem Material nach Osten; das Innere wird geebnet, in der Mitte mit Feuerherd, einigen flachen Steinen, in ½ der Höhe mit Vorrichtung zum Trocknen von Holz und Kleidern versehen und mit 4 bis 5 breiten niedrigen Bänken möbliert. Als Tisch dienen die Knie. Hält der Meister auf alten Brauch, so baut er vor der Tür der Köte eine Bank und bringt an einem großen, zwischen zwei benachbarten Stämmen eingespannten Holz die„Hillebille“ an, ein dünneres Stück Holz von 60 cm Länge, 30 cm Breite, das an zwei Riemen an dem erwähnten Knittel ganz lose hängt. Ein oder zwei Hämmer, gleich- falls aus hartem Holz, dienen zum„Spielen“ auf diesem Gerät, mit denen die Gehilfen zum Essen gerufen werden usw. Der Köhler lebt bei schwerer Arbeit und langen Schichten sehr einfach. Drei Mahlzeiten, bei denen Brot (meist als Köhlersuppe), Kartoffeln, Butter, Schmalz und Käse sowie Kaffee und Braunbier die Hauptrolle spielen, müssen reichen; je nach der Entfernung von der Heimat werden Lebensmittel alle zwei bis vier Wochen herangeholt. Früher hatte jeder Ort seinen Köhler; seit Verdrängung der Holzkohle durch Steinkohle befassen sich nur noch die Einwohner bestimmter Ortschaften, wie Wolfshagen, Stiege, Allrode und Sieber, mit der Köhlerei.
Im Harz wird die Kohle in sogenannten„stehenden Meilern“ gewonnen. Der Köhler gräbt auf alter Kohlstelle, die sorgfältig geebnet und in der Mitte mit Anlauf versehen ist, etwa 30 cm voneinander entfernt zwei Stangen in die Erde, bindet sie in Meilerhöhe(etwa 3,5 m) zusammen, legt leicht brenn-
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