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38 B. 3r T. Von Verträgen ꝛc. 7
Er iſt kein Grund der Nichtigkeit, wenn er nur die Perſon betrifft, mit welcher man zu contrahiren die Ab⸗ ſicht hat, es müßte denn die Rückſicht auf dieſe Perſon der Hauptbeweggrund der Übereinkunft geweſen ſeyn.
1111* Zwang, welcher gegen denjenigen ausgeübt worden, der die Verbindlichkeit uͤbernahm, iſt ein Grund der Nichtigkeit, ſelbſt wenn ihn nicht der, zu deſſen Vor⸗ theil der Vertrag geſchloſſen wurde, ſondern ein Drit⸗ ter ausgeübt hat.
1112. Zwang iſt dann vorhanden, wenn er von der Beſchaffenheit iſt, daß er auf eine geſetzte Per⸗ ſon Eindruck machen und bey ihr die Furcht erregen kann, ſich ſelbſt oder ihr Vermögen einem beträchtlichen und gleich eintretenden Ubel auszuſetzen.
Hierbey iſt auf das Alter, das Geſchlecht und die Umſtände ²) der Perſonen Rückſicht zu nehmen.
1113. Der Zwang begründet die Nichtigkeit des Vertrags nicht nur, wenn er an dem Contrahenten ſelbſt, ſondern auch, wenn er an deſſen Ehegatten, Des⸗ cendenten oder Ascendenten ausgeübt worden iſt.
1114. Bloß ehrerbietige Furcht(metus reveren- tialis) gegen Eltern oder andere Ascendenten iſt nicht hinreichend, den Vertrag für ungiltig zu erklären, wenn dabey kein Zwang angewendet worden iſt.
1115. Ein Vertrag kann wegen erlittenen Zwan⸗ ges nicht mehr angefochten werden, wenn derſelbe, nachdem der Zwang aufgehört hat, entweder ausdrück⸗ lich, oder ſtillſchweigend(*), oder dadurch genehmiget worden iſt, daß man die zur Wiedereinſetzung in den vorigen Stand durch die Geſetze beſtimmte Friſt verſtrei⸗ chen ließ.(**)..
1116. Der Betrug begründet die Nichtigkeit des Vertrags, wenn die von einem der Contrahenten ange⸗ wendeten Kunſtgriffe von der Art ſind, daß der andere
(*) S. Art. 1338. (*†*) S. Art. 1304. 2) die Beſchaffenheit D. u. M. den Stand. L. u. L.
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