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Nachrichten über Leben und Schriften des Herrn Geheimraths Dr. Karl Ernst von Baer : veröffentlicht bei Gelegenheit seines fünfzigjährigen Doctor-Jubiläums am 29. August 1864 von der Ritterschaft Ehstland, mitgetheilt von ihm selbst / Karl Ernst von Baer
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Bering'schen Expedition geschrieben und über Tschirikow dabei nur wenig gesagt. Ich hatte ihn auch nicht übergangen, aber nur beiläufig er- wähnt, denn er passte gar nicht in den Rahmen meiner Aufgabe. Bering war von Peter für die erste Expedition gewählt, welche die Abtrennung Amerikas erwies, obgleich man in Russland seinem Resultate leider wenig Glauben schenkte, und es erst von Cook anerkannt wurde. Tschirikow gehörte nur der zweiten Expedition an und erst Sokolow hat einige nähere Nachrichten über ihn aus den Archiven der Admiralität bekannt gemacht. Was man von den Seitenexpeditionen der beiden Laptew's, Malgins u. s. w. vor Sokolow. wusste, war ja auch fast nur von Deutschen bekannt gemacht. Die Russen, welche über ein Jahrhundert wenig für die Anerkennung ihrer ersten Seefahrer gethan hatten, be- schwerten sich nach dem Verlaufe dieses Jahrhunderts, dass man sie nicht genug anerkennt!

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Ausser den Aufsätzen über die Errichtung eines naturhistorischen Museums in Astrachan und den Vorschlag, den dortigen Häring einzu- salzen, die schon oben nach dem K. M. Poc. IIMVIHecTBE(unter IV, f.) aufgeführt, sind mir zwei Aufsätze erinnerlich.

1. Eine Auseinandersetzung der Ursache, warum an der Wolga nicht nur, sondern auch an andern grossen Flüssen Russlands das rechte Ufer das steilere ist, gab ich in der Astrachanschen Zeitung in Briefform im August 1856, abgedruckt in Nr. 40 des genannten Jahres.

2. Eine Aufforderung, das warme Klima Astrachans mehr zum Seidenbau und ähnlichen Industriezweigen zu benutzen, und den Theil des Bodens, der jährlich von der Wolg: überschwemmt wird, und also ohne Salzgehalt ist, zur Anpflanzung von Bäumen zu verwenden. Ich kann die Nummer nicht angeben. Es wird aber eine der letzten von 1856 seyn.

Da die Astrachaner sich tapfer gegen jede Neuerung setzen, wie sie denn auch Anfangs erklärt hatten, dass das Einsalzen der Häringe nicht thunlich sey, so erschien auch gegen diesen Rath eine Erwiderung, welche behauptete, der Tagelohn sey viel zu hoch, um für die Seidenzucht Leute zu miethen. Meine Meinung war aber gar nicht, dass man mit gemietheten Leuten den Seidenbau unternehmen sollte, sondern dass die arbeitende Classe, die aber in Astrachan nur nach dem Fischfange und allenfalls nach der Jagd sich sehnt, als Nebenbeschäftigung, besonders der Weiber, Sei- denwürmer ziehen sollte. Während die Astrachaner den Seidenbau fast ganz vernachlässigten, gewannen die Deutschen Kolonisten im Jekateri- noslawschen Gouvernement, unter weniger günstigen Verhältnissen, über eine Million Rubel jährlich für Seide. Wie in den Diamanten-Districten Brasiliens grosse Indolenz und Armuth herrschen soll, weil Jedermann durch den glücklichen Fund von Diamanten reich zu werden wünscht und hofft, so wirkt in Astrachan die Fischerei, die auch Einzelne bereichert, die meisten arm lässt, von der aber Jedermann der arbeitenden Classe träumt. Selbst der Gemüsebau, auf den sich die Russen sonst gut ver-

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