Druckschrift 
Nachrichten über Leben und Schriften des Herrn Geheimraths Dr. Karl Ernst von Baer : veröffentlicht bei Gelegenheit seines fünfzigjährigen Doctor-Jubiläums am 29. August 1864 von der Ritterschaft Ehstland, mitgetheilt von ihm selbst / Karl Ernst von Baer
Entstehung
Seite
5
Einzelbild herunterladen

besonders ſerwandten onders aber ern hat der nörigkeit in listige oder nacht. Drei nen Kinder- den Jahren nden haben zut. Neine Storben und gstens auch

2. Kinderjahre bis zur Schule.

Ungeachtet ich auf dem Gute Piep das Licht der Welt er- blickt hatte, sind meine ersten Erinnerungen doch nicht von diesem Landgute, sondern es war ein anderes, Lassila in Wier— land, wo mein Bewusstseyn erwachte.

Der Besitzer desselben, ein älterer Bruder meines Vaters, mit Vornamen Karl, war schon längere Zeit verheirathet mit einer Baronesse Kanne aus Koburg, aber kinderlos geblieben. Da nun der eheliche Segen so reichlich über das Haus meines Vaters sich zu ergiessen angefangen hatte und ein Aufhören noch lange nicht vorauszusehen war, mein Onkel aber sowohl als meine Tante an der Lebendigkeit der Kinder sich erfreuten, so machte jener meinem Vater den Vorschlag, mit ihm brücderlich zu theilen. In Folge dieser Vereinbarung wurde ich, gleich nach- dem ich entwöhnt war, nebst einem etwas ältern Bruder, Fried- rich, nach Lassila abgegeben, wo wir ganz als Kinder des Hauses erzogen werden sollten. Mein Bruder starb sehr bald nach der Versetzung, so dass ich nur durch Tradition von ihm weiss. Um so sorgsamer hütete mich meine gutmüthige und sehr wohlwollende Tante, die so fond of children war, dass jedes Kindergesicht sie erfreute und ein fröhliches ihr Freudenthränen entlocken konnte. So ergötzte sie sich auch an meiner Munter— keit und nahm meinen Muthwillen, so weit es ging, in Schutz. Ich muss ein Gefühl davon gehabt haben, denn in mir lebt noch die Erinnerung, dass ich in ihrer Gegenwart immer gesprächiger wurde. Mein Onkel war von ernsterer Natur; ihm schien meine

——————— 5 5„.