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politiſchen Bewegung dieſer Tage ſorgfältig abſperren und deren Glaubensbekenntniß ſich im Ernſt auf die klaſſiſche Perſifflage Her⸗ wegh's reduzirt:
Jedwedem Umtrieb bleib' ich fern,
Der Henker mag das Volk beglücken!
Ein Orden iſt ein eigner Stern,
Wer einen hat, der ſoll ſich bücken.
Aus ſolchem Holze mögen ſich recht brauchbare Beamte im Sinne des alten Polizeiſtaats ſchnitzen laſſen; aber aus ſolchen jungen Leuten werden niemals tüchtige Beamte des modernen Volks⸗ ſtaats, wie ſie das Bedürfniß der Gegenwart verlangt, d. h. ſelbſt⸗ bewußte und gewiſſenhafte Hüter und Vollſtrecker der verfaſſungs⸗ mäßigen Freiheit und des geſetzlichen Rechts gegen die Reaktion von oben und die Anarchie von unten,— und wahrlich unter un⸗ ſerer jungen Generation iſt die Zahl Derer gering, welche in den Tagen der letzten Bewegung ihre Proben dafür abgelegt haben, daß die Ehre ihres Vaterlandes und die Freiheit ihres Volkes in ihren Augen höher ſtehe, als der Brodkorb ihres zukünftigen Unter⸗ kommens. Ich freue mich, hoffen zu dürfen, daß Sie auch mich zu der kleinen Zahl dieſer iſolirten Ausnahmen von der allgemeinen Regel rechnen werden. Ich habe es immer für eine heilige Pflicht gerade unſrer ſich vorzugsweiſe gebildet nennenden Jugend gehalten, ſich mit ganzer Seele und ohne engherzige Rückſichten auf materielle Nachtheile an der Entwicklung jener politiſchen und ſozialen Tagse⸗ fragen zu betheiligen, welche ja die eigentlichen Lebensfragen für die Zukunft unſrer Geſellſchaft ſind, und ich habe darum immer diejeni⸗ gen meiner Commilitonen von Herzen bedauert, welche mit gleich⸗ gültigem Achſelzucken dieſe Fragen als außer ihrem Geſichtskreiſe lie⸗ gend von ſich abwieſen. In ſolchen Tagen gilt beſonders von unſrer Jugend das Wort Körner's, dieſes Freiſchärlers von anno 13:
Pfui über die Buben hinter dem Ofen, Unter den Schranzen, unter den Zofen!
In ſolchen Tagen— und gewiß werden die der Märzrevolu⸗ tion ewig denkwürdig bleiben!— muß gerade die Jugend und um wieviel mehr die für den öffentlichen Dienſt berufene Jugend der Univerſitäten, ſei es nun mit der Feder oder der Waffe, mit dem Kopfe oder dem Arme, oder auch mit Beidem zugleich, in den vorder⸗ ſten Reihen des Volkes zu finden ſein, und in Anbetracht ihrer freiwilligen Aufopferung für die Intereſſen des Vaterlandes wird man ihnen etwaige Verſtöße gegen die ſtrenge Disziplin nachträglich gerne verzeihen. Ich bin ſtolz darauf, früher und ſpäter meinen Platz nach Kräften ausgefüllt zu haben, und, wenn auch mit Ge⸗ fährdung meiner ſ. g. Carridre, der nunmehr freilich geächteten Fahne unſrer glorreichen nationalen Erhebung auf der Tribüne wie im Felde bis zum letzten Augenblick treu geblieben zu ſein. Die ſchwarzen Kreuze, welche die jetzige Staatspolizei dafür hinter


