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von patriotiſchem Eifer für das gefährdete öffentliche Wohl etliche Worte geſprochen und geſchrieben habe, die wieder den Buchſtaben eines offenbar veralteten, dazumal gar nicht mehr anwendbaren Strafgeſetzes verſtoßen! Ich ſage— getrieben von patrioti⸗ ſchem Eifer für das öffentliche Wohlz' denn, daß der lei⸗ tende Bewegrund meiner politiſchen Thätigkeit immer nur ein aus meiner innerſten Ueberzeugung hervorgegangenes, aufrichtiges Beſtre⸗ ben für das Recht und die Freiheit meiner Mitbürger geweſen iſt, dafür bürgt Ihnen meine ganze Vergangenheit noch aus den Tagen vor März her, die in meinem heſſiſchen Vaterlande bekannt iſt, und die ich mir zur Ehre anrechnen darf. Damals, unter der Herrſchaft des alten Syſtems, unter dem Drucke der Cenſur und Polizei, wo jedes freie Wort noch mit Maßregeln à la Weidig und Schulz ver⸗ folgt zu werden pflegte, damals ſchon war ich es, der ich, nach kaum erlangter Mündigkeit, ein junger und obskurer Student, unter dem feigen Stillſchweigen der erſt nach März zu Worte gekommenen älteren Herrn Liberalen, bloß unterſtützt von meinen Freunden Skriba, Heldmann und Löhr, mit offenem Viſir und ehrlicher Namensun⸗ terſchrift in dem„Deutſchen Zuſchauer“ und anderwärts das volksfeind⸗ liche Miniſterium du Thil und ſeine Beamten öffentlich anzugreifen wagte. Ich war es, der die Garantieen der Verfaſſung und Gemein⸗ deordnung gegen die notoriſchen Uebergriffe der alten Büraukratie Schritt vor Schritt vertheidigte; ich war es, der die ſkandalöſen Ex⸗ zeſſe eines Kreisraths Seitz und ſeiner oberheſſiſchen Genoſſen in der Preſſe entſchleierte; ich war es, der zuerſt wieder nach langer Indifferenz im Jahre 1847 die oberheſſiſche Wahlagitation für den letzten vormärzlichen Landtag im Sinne den Oppoſition ins Leben rief; ich war es, der bei jeder Gelegenheit den ſtillen Klagen und Beſchwerden meiner von oben herab ſchutzlos mißhandelteu Lands⸗ leute laute Worte lieh, und an deſſen immer bereitwillige Sympathie ſich Bürger und Bauern meiner Provinz um Hülfe wandten, nach⸗ dem ſie von allen Andern achſelzuckend im Stiche gelaſſen worden waren; ich war es— un ſchließlich noch ein Curioſum aufzuzäh⸗ len,— der den edlen Freiherrn H. von Gagern zu Monsheim vor März allein gegen die ſchmählichen Angriffe der Regierungspartei vertheidigte, die ihn damals noch mit offiziellem Koth bewarf und ihn ſpäter den Edelſten der Nation getauft hat! Und damals ſchrieen dieſelben Leute, die heute wieder ſchreien: ich gehe zu weit! Damals verfolgte man mich für dieſe meine oppoſitionelle Thätigkeit, die nach März höchſten Orts zur Empfehlung gereichte, wie man mich für meine ſpätere Fortſetzung derſelben jetzt wieder verfolgt. Damals mußte ich mir dafür gefallen laſſen, wie ein vogelfreier Vagabund von Ort zu Ort, auf dem Schub transportirt zu werden, wie ich es mir ſpäter wieder gefallen laſſen mußte, durch den Steckbrief gleich einem gemeinen Verbrecher proſkribirt zu werden. Damals machte man mir den Staatsprozeß, wie man mir ihn heute wieder


