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Prolegomena zu einer jeden künftigen Metaphysik, die als Wissenschaft wird auftreten können / von Immanuel Kant
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det dadurch, daß ſie in der Metaphyſik in ihre volle Aus⸗ uͤbung gebracht wird, eine Denkungsart, die ihren wohl⸗ thaͤtigen Einfluß nachher auf jeden andern Vernunftge⸗ brauch erſtreckt und zuerſt den wahren philoſophiſchen Geiſt einfloͤßt. Aber auch der Dienſt, den ſie der Theo⸗ logie leiſtet, indem ſie ſolche von dem Urtheil der dogma⸗ tiſchen Speculation unabhaͤngig macht und ſie eben dadurch wider alle Angriffe ſolcher Gegner oollig in Sicherheit ſtellt, iſt gewiß nicht gering zu ſchaͤtzen. Denn gemeine Metaphyſik, ob ſie gleich jener viel Vorſchub verhieß, konte doch dieſes Verſprechen nachher nicht erfuͤllen, und hatte noch uͤberdem dadurch, daß ſie ſpeculative Dogma⸗ tik zu ihrem Beyſtand aufgeboten, nicht anders gethan, als Feinde wider ſich ſelbſt zu bewaffnen. Schwaͤrmerey, die in einem aufgeklaͤrten Zeitalter nicht aufkommen kan, als nur wenn ſie ſich hinter einer Schulmetaphyſik vers birgt, unter deren Schutz ſie es wagen darf, gleichſam mit Vernunft zu raſen, wird durch critiſche Philoſophie aus dieſem ihrem letzten Schlupfwinkel vertrieben, und uͤber das Alles kan es doch einem Lehrer der Metaphy⸗ ſik nicht anders als wichtig ſeyn, einmal mit allgemeiner Beyſtimmung ſagen zu koͤnnen, daß, was er vortraͤgt, nun endlich auch Wiſſenſchaft ſey, und dadurch dem gemeinen Weſen wuͤrklicher Nutzen geleiſtet werde.