Auch der Kronenbau der Hofratsbirne ist eigenartig. Die unteren Kronenäste zeigen meist einen etwas hängenden Wuchs, während die oberen aufrecht in die Höhe streben. Die ersten Früchte bilden sich an langen Fruchtruten. Die Sorte verlangt deshalb aufmerksame Beachtung des verhältnismäßig langen Fruchtholzes. Sie eignet sich vortrefflich zur Formbaumzucht. Spaliere bilden selbst ohne Fruchtansatz eine Zierde an Hauswänden, weil die Blätter der Hofratsbirne von glänzender, hellgrüner Farbe sind, von der die langen weißen Blattstiele und die hellgezeich- neten Blattrippen sich eigenartig und schön wirkend abheben. Die Rinde am jungen Holz ist ebenfalls hellfarbig und deutlich punktiert.
Die Hofratsbirne ist auch zur Bepflanzung von Straßen recht brauchbar; ihr Wuchs ist, wie dies aus den Abbildungen ersichtlich ist, hochstrebend. Die Bäume, die unseren Bildern zur Vor-— lage dienten, stammen aus der Königl. Lehranstalt in Geisenheim(Beilage) und aus den Baum- schulen des Herrn Beyme in Pechau(Textbild). Die Widerstandsfähigkeit des Baumes gegen Feinde und Krankheiten erleichtern die Baumpflege, so daß auch aus diesem Grunde die Anpflan- zung der Hofratsbirne größere Berücksichtigung verdient.
Ihre Blütezeit beginnt früh und dauert lange. Die Fruchtknospen sind groß und spitz— kugelförmig.
Ihre Ansprüche an Klima und Bodenverhältnisse sind bescheiden. Für Zwergformen muß die Quitte als Unterlage benützt werden, weil ihre Tragbarkeit sonst zu spät eintritt.
Schlechte Eigenschaften.
Vom Rheinland und Rheinhessen wird über Empfindlichkeit der Blüte gegen Nässe und
Fröste geklagt. Ihre Ernten sollen dort nicht immer ihrem reichen Blütenansatz entsprechen.


