Teil eines Werkes 
Lfg. 1 (1905) - (19XX) Deutschlands Obstsorten. Lfg. 1 (1905) -
Entstehung
Einzelbild herunterladen

andauernden reichen Tragbarkeit läßt der Holzwuchs nach. Die Kronen haben nicht immer den Umfang wie die Abbildung des Baumes unserer Beilage ihn zeigt. Diese stellt einen etwa 50jährigen Straßenbaum an der Dessauerstrasse in Halle vor, der fünf Jahre hintereinander einen Rohertrag von mehr als 90 Mark brachte. Allerdings wurden seine Früchte größtenteils in kleinen Mengen an Privatleute verkauft, und dadurch Preise erzielt, die man nicht zum Maßstab bei größeren Pflanzungen anwenden darf. Das Textbild zeigt einen jungen Muskatellerbirnbaum aus den Anlagen des Herrn Baumschulbesitzers König in Utleben.

Es gibt wenige Sorten, die den eigenartigen Wuchs und die eigenartige Fruchtholzbildung haben wie die Muskateller. Mit kurzem, quirlartigem Fruchtholz sind die Triebe von unten bis oben besetzt, sodaß man schon daran am unbelaubten und am belaubten Baume die Sorte sicher erkennt.

Die hellgrünen, schmalen Blätter sitzen an diesen Quirlen außerordentlich dicht beisammen; sie sind in der Art eines Nachens nach innen gebogen und stark gekrümmt. An den jungen Trieben sind die Blätter etwas bräunlich gerötet.

Die Ansprüche der Muskateller an die Bodenverhältnisse sind nicht groß. In Sachsen und Thüringen findet man sie im ärmsten, noch gerade für Obstbau genügenden Boden, und überall bringt sie schnell und reiche Erträge. Infolge des reichen Behanges setzt sie in der Regel ein um das andere Jahr aus. Es gibt aber, wie das oben angeführte Beispiel beweist, auch Aus- nahmen, in welchen reiche Nahrungszufuhr jährliche Ernten erzielt.

Die Blüte, welche früh eintritt, ist widerstandsfähig. Auch das Laub und die Frucht sind frei von Feinden und Krankheiten.

Die Muskatellerbirne liefert schöne Straßenbäume, und sie wird deshalb gern zum Um pfropfen von Sorten verwendet, denen Standort, Boden und Lage nicht gefällt, und die deshalb in Güte und Menge ihrer Ernteerträge enttäuschten.

Schlechte Eigenschaften.

An sehr alten Bäumen werden die Früchte zu klein.