Den charakteristischen Wuchs läßt am besten das Blütenbild erkennen, die gedrungen auf- wärtsstrebende Krone wird selten, auch nicht bei starker Tragbarkeit, aus ihrer Form gebracht. Gerade durch diesen gedrungenen Wuchs, bei dem jeder Rückschnitt überflüssig wird, ist die Ananas Renette wie kaum eine andere Sorte zum Niederstamm geeignet.
Ihre Tragbarkeit setzt früh ein, und kehrt regelmäßig wieder, gleichviel ob Wildling, Splitt- apfel oder Johannisapfel als Unterlage benützt wurde. Auf Johannisapfel entwickeln sich die Früchte am vollkommensten, so daß dieser in erster Linie verwendet werden sollte. Dies be-— dingt allerdings dann auch nur solchen Boden zu wählen, auf denen der Johannisapfel gut wächst.
Die Ananas Renette will kräftigen, nahrhaften, warmen Boden haben, der ausreichende Feuchtigkeit besitzt. In trockenem Boden, zumal dann, wenn auch im Untergrund die Feuchtig- keit fehlt, versagt sie vollständig. In Nord- deutschland muß man ihr einen recht warmen Standort geben, während sie am Rhein und in Süddeutschland auch noch in beträcht— licher Höhe über dem Meeresspiegel fort- kommt.
Zur Formbaumzucht eignet sich die Ananas Renette wegen ihrer kurzen Frucht- holzbildung hervorragend. Sie gehört zu den wenigen Sorten, welche selbst an wage- rechten Schnurbäumen bei der Fruchtholz- behandlung die geringsten Schwierigkeiten bereiten. Infolge des mäßigen Holzwachs- tums wähle man aber nur solche Formen, die wenig Platz beanspruchen.
Von Krankheiten ist es außer dem Mehl- tau vor allem der Krebs, dem mancher Stamm zum Opfer fällt. Man vermeide deshalb starke Eingriffe, welche diesem Pilz Gelegen- heit zur Ansiedelung geben. Man vermeide auch bei der Pflanzung Bodenverhältnisse — zu nasse, kalkarme Plätze und zu rauhe Lagen—, die das Auftreten des Krebses begünstigen und man schenke im übrigen durch Anwendung entsprechender Vorbeugungs- und Bekämpfungsmittel einer baldigen Heilung dieser Krankheit genügende Beachtung. Krebskranke Ananas Renetten bringen oft die schön- sten Früchte hervor. Ein zu frühes Beseitigen der befallenen Stämme ist daher nicht an- gebracht. Eine Ursache zum häufigen Auftreten des Krebses bildet ferner der Umstand, daß die Bäume bis in den Spätherbst hinein in vollstem Blätterschmuck stehen und daß die jungen Triebe bis zum Eintritt der Novemberfröste, die durch ihre schädliche Einwirkung die Ver— breitung des Krebses besonders begünstigen, nicht ausreifen.
Die Blüte beginnt mittelfrün und dauert ziemlich lange, sie ist gegen Nässe empfindlich.
So groß auch der Handelswert, so köstlich die Frucht, so reich die Tragbarkeit und so leicht die Behandlung des Baumes ist, es wird die Ananas Renette zwar als Liebhabersorte all- gemein beibehalten und vielleicht noch mehr verbreitet werden, als Sorte für den Erwerbsobst-— bau aber nur dort eine weitgehende Berücksichtigung zum Anbau verdienen, wo die hervor- gehobenen Bedingungen vorhanden sind.
Schlechte Eigenschaften
sind in den vorstehenden Ausführungen genügend gekennzeichnet. Kurz nochmals zusammen- gestellt sind es: Frost und Krebsempfindlichkeit, Versagen in zu nassem und zu trockenem Boden, Kleinbleiben der Früchte, starkes Auftreten der Obstmade und des Mehltaues.


