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Lfg. 1 (1905) - (19XX) Deutschlands Obstsorten. Lfg. 1 (1905) -
Entstehung
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empfindlichen Schale beeinträchtigt den Wert der Frucht. Die peinlichste Sorgfalt muß auch beim Betten der Früchte auf dem Lager obwalten, denn schon der kleinste Faulfleck, den jede Druck- stelle an ihnen hervorruft, raubt der ganzen Frucht allen Wohlgeschmack. Bei keiner anderen Sorte teilt sich der faulige Geschmack dem übrigen Fruchtfleisch so leicht mit, wie beim Kalvill.

Der Versand erfolgt in der Regel in flachen Kistchen; der hohe Wert der Früchte erster Wahl verlangt unbedingt eine entsprechende eigenartige, sorgfältige Verpackung. Selbst wenn man

von den teuren Kabinettfrüchten absieht, ist der Zentnerpreis immer noch ein höherer, als bei

anderen hochbezahlten Sorten. 100 150 Mark werden durchschnittlich für 50 kg gezahlt.

Derartige Preise haben schon manchen verleitet, den Kalvill anzubauen. Oft genug haben aber die Kulturen wieder dem Umpfropfen verfallen müssen. Ein sicheres Mittel, den schlimmsten Feind des Weißen Winter-Kalvill, den Schorfpilz, fernzuhalten, ohne auf der empfindlichen Schale Korkrost zu erzeugen, hat man bis jetzt noch nicht gefunden.

Eigenschaften des Baumes.

Spalier- und Schnurbaum sind die einzig passenden Baumformen, in denen wir in Deutsch- land den Kalvill ziehen können. Hoch- und Halbhochstämme von dieser Sorte zu ziehen, wäre ein törichtes Unternehmen; auch der Buschbaum ist keine geeignete Form. In der Obstbaum- schule zeichnet sich der Weiße Winter-Kalvill selbst auf der schwächsten Unterlage durch einen ungemein kräftigen Wuchs aus, der sich im Alter aber nur da fortsetzt, wo reichlich Vorräte sämt- licher Nährstoffe im Ueberfluß vorhanden sind. Der Kalvill muß durch den Schnitt immer zu neuem Trieb angeregt werden, weil sonst seine Früchte klein bleiben.

In Deutschland sollte man nur die Mauern als Standort für Kalvillpflanzungen wählen. Alle Erfahrungen bestätigen, daß die Entwickelung und die Ausbildung der Früchte eine um so bessere ist, je näher die Früchte einer Südwand anliegen. Bei allen Versuchen, den Kalvill frei- stehend zu züchten, ist der Erfolg bisher ausgeblieben.

Die Tragbarkeit beginnt mitunter schon am einjährigen Holze. Ueberhaupt ist die Frucht- holzbildung eine reiche, oft sogar eine überreiche; fast immer besetzen sich die Triebe von unten bis oben dicht mit Fruchtspießen. Es darf allerdings nicht verschwiegen werden, daß die Bäume oft im Herbst dadurch zu falschen Hoffnungen Veranlassung geben, daß die Knospen wie Fruchtknospen erscheinen, dann aber im Frühjahr statt der erwarteten Blüte einen Blätter- quirl hervorbringen. Immerhin kann der Kalvill als ein dankbarer Träger bezeichnet werden.

Die Blüte erscheint früh, ist aber gegen äußere Einflüsse nicht sehr widerstandsfähig. Der Fruchtansatz entspricht nicht immer der reichen Blüte, weil die Blüten eines Blütenstandes fast gleichzeitig aufbrechen und deshalb auch gleichzeitig denselben Witterungsschäden ausge- setzt sind.

Das große, weiche Blatt ist äußerst empfänglich für die Aufnahme des Schorfpilzes, der sich von den Blättern auf die Früchte überträgt und diese dann oft fast wertlos macht. Das Vorbeugen gegen diese Krankheit durch Bespritzen mit der Kupferkalkbrühe ruft oft einen vollständigen Blattabfall hervor, so daß die Bäume mitten im Sommer laublos dastehen und aus den auf- gespeicherten Reservestoffen neue Triebe hervorzubringen gezwungen sind. Keine andere Sorte wird so stark vom Fusicladium befallen.

An die Nährkraft des Bodens stellt der Kalvill ganz ungewöhnliche Ansprüche. Neben der warmen Lage bildet ein düngerkräftiger, mäßig feuchter Boden eine Hauptbedingung für die gute Entwickelung der Bäume und Früchte. Der Kalvill will tatsächlich gemästet sein.

Bevor nicht ein wirksames Bekämpfungsmittel des Schorfpilzes erfunden ist, das ohne Schädigung der Bäume und Früchte angewendet werden kann, wird die Kalvillkultur in Deutsch- land keine lohnende sein können.

Die photographischen Abbildungen stammen aus dem Provinzialobstgarten in Diemitz.

Schlechte Eigenschaften.

Uebergroße Empfänglichkeit für den mehrfach erwähnten Schorfpilz, für Mehltau, für Krebs, für alle Arten von Ungeziefer, wie Blutlaus, Knospenwickler, Obstmade u. S. W. erschweren den Anbau des Kalvills in hohem Maße.

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