Teil eines Werkes 
Lfg. 1 (1905) - (19XX) Deutschlands Obstsorten. Lfg. 1 (1905) -
Entstehung
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von Williams Christbirne gezahlt werden. Im deutschen Haushalt hat sie von Jahr zu Jahr an Wertschätzung gewonnen und mit Stolz blicken unsere Hausfrauen in ihre Speisekammern, wenn sie Vorräte dieser köstlichen Frucht aufweisen können. Bei der schnellen Vergänglichkeit der Frucht ist diese Eigenschaft der William besonders beachtenswert, es ist dadurch bei einem noch so massenhaften Anbau die Befürchtung einer Ueberproduktion und eines Preisdruckes fast ausgeschlossen. In warmen Lagen reift die Frucht schon Ende August, und bei nicht zu später Ernte hält sie sich etwa 14 Tage. Der Versand muß aber in baumreifem Zustande erfolgen, wenn die Früchte auf dem Transport nicht leiden sollen. Man ernte die Früchte 812 Tage vor der Reife, also im ziemlich grünen Zustande, wenn einzelne gelbe Stellen anfangen durch- zuschimmern. Dies ist von wesentlichem Einfluß auf den Geschmack der Früchte. Wer die Frucht in dem Vollgenuß ihrer guten Eigenschaften verspeisen will, esse sie auch an dem Tage, wo dieser Höhepunkt erreicht ist.

Eine gute Eigenschaft der William ist, daß nur eine gewisse Zahl von Früchten zur Ent- wickelung kommt, infolgedessen gibt es wenig Ausschuß und für die Auswahl gleichmäßiger Früchte wird bekanntlich stets ein hoher Preis gezahlt. So kann die William eine Handelssorte allerersten Ranges genannt werden.

Eigenschaften des Baumes.

Im jugendlichen Alter zeichnet sich Williams Christbirne durch einen kräftigen Wuchs aus und liefert in der Baumschule schlanke, starke Stämme ohne viel Verzweigung. Der junge Baum wird mehrere Jahre zurückgeschnitten und gibt dann buschige Kronen mit aufrechtem Wuchs. Mit zunehmendem Alter verliert sich die Triebkraft infolge der reichen Ernten, und dadurch wird, sobald der Holztrieb aufhört, ein Verjüngen nötig. In bezug auf den Boden ist William keineswegs wählerisch, gedeiht fast überall, wo der Vorrat an Nährstoffen im Boden noch nicht ganz erschöpft ist. Um dauernd bei der regelmäßigen Tragbarkeit, die wir an ihr bewundern müssen, auch gut entwickelte Früchte zu zeitigen, darf allerdings mit Dünger nicht gespart werden. Die jedesmalige Ernte ist nicht zu groß, aber sie setzt schon beim jungen Baum ein und kehrt mit großer Regelmäßigkeit fast jährlich wieder. Das macht die Sorte beliebt, so daß sie heute allgemein empfohlen wird. Zum Umpfropfen der heute überständig gewordenen Sorten ist keine Birne geeigneter, als die William. Einsichtsvolle Obstzüchter haben diese Tatsache auch längst erkannt und sich zu nutze gemacht, sie haben dadurch ihre Birnanlagen ganz bedeutend in den Erträgen vermehrt und sich aus vorher uneinträglichen Pflanzungen namhafte Einnahmen verschafft. Bäume, die mit dieser Sorte umgepfropft wurden, haben oft schon im zweiten Jahre gute Ernten gebracht, und dadurch die Kosten des Umpfropfens bezahlt gemacht. Trotz der Größe der Früchte ist der Hochstamm für William ebenso geeignet wie alle sonstigen Formen. Selbst als Straßenbaum ist die Sorte zu empfehlen, namentlich in der Nähe größerer Städte, wo die Nachfrage nach Williams Christbirne eine immer größere wird. Auch zur Be- kleidung von Nordwänden eignet sich William noch recht gut.

Die Quitte ist in den meisten Böden als Unterlage zu vermeiden, da der Baum infolge der unausgesetzten Fruchtbarkeit nicht lebensfähig bleibt. Allenfalls für kleine Formen dürfte man die Quittenunterlage verwenden, sie erschöpft sich aber in der Regel bald.