Teil eines Werkes 
Band 1 (1886) Programm der Enquête und Ergebnisse der Erhebungen
Entstehung
Seite
79
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II

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Ord.⸗Zahl.

Gemeinde

Typiſcher Character der Erhebungsgemeinde.

Urtheil der Commiſſion über die Geſammtlage der Landwirthſchaft in der Gemeinde und Haupturſachen der nicht befriedigenden Zuſtände.

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Nied.⸗Ohmen.

Ruhlkirchen.

Hartershau⸗ ſen.

Typiſch für Gemeinden im mittleren Vogelsberg(256 Me⸗ ter ü. d. M.) in ziemlich guter Verkehrslage an der Oberheſ⸗ ſiſchen Eiſenbahn, mit mitt⸗ lerem, etwas wechſelndem Ba⸗ ſaltboden, bei günſtigem Wieſen⸗ verhältniß und vorwiegendem Körnerbau, bei nicht gerade un⸗ günſtigen Vermögenszuſtänden.

Typiſch für Gemeinden an dem nördlichen Ausläufer des Vogelsberges(250 Meter ü. d. M), in nicht beſonders gün⸗ ſtiger Verkehrslage, weil etwas entfernt von Eiſenbahnen, mit ziemlich geringem Boden des bunten Sandſteins, mit ſchlech⸗ ter Kleefähigkeit, bei ziemlich gutem Wieſenverhältniß, ohne Obſtbau, mit vorwiegendem Körnerbau; Vermögensver⸗ hältniſſe relativ nicht ſchlecht.

Typiſch für Gemeinden im Fuldathal(Schlitzerland) mit rein landwirthſchaftlichem Cha⸗ rakter, mit einem mittelmäßigen Boden des Buntſandſteins von ziemlich geringer Kleefähigkeit, bei vorwiegendem Körnerbau, aber ziemlich gutem Wieſenver⸗ hältniß, in größerer Entfernung von Eiſenbahnen, aber mit guter Straßenverbindung.

zu große Zerſplitterung der Grund⸗ ſtücke und ein ganz unverhältniß⸗ mäßig hohes Gebäudekapital, auch zu theueres Geld und dabei ſehr hohe Bodenpreiſe.

Die Geſammtlage iſt als mittel⸗ mäßig zu bezeichnen, und wenn die Zuſtände nicht durchaus befriedigend genannt werden können, ſo ſind daran unwirthſchaftliche Lage der Grund⸗ ſtücke, mangelhafte Melioration und nicht genügend rationeller Wirth⸗ ſchaftsbetrieb ſchuld, während zu⸗ gleich auch das Genoſſenſchaftsweſen noch gänzlich fehlt.

Die Geſammtlage muß als nicht ganz befriedigend bezeichnet werden und ſind als Urſachen für die un⸗ befriedigenden Zuſtände hauptſächlich angegeben: Geringe Fruchtbarkeit des Bodens, bei ſchlechtem Abſatz der Producte, Zerſplitterung der Grundſtücke und mangelnde Meliora⸗ tion derſelben, unrationeller, land⸗ wirthſchaftlicher Betrieb, zu großes Gebäudekapital, zu hohe Steuern und Umlagen und Mangel an Be⸗ triebsmitteln. Die Verſchuldung iſt zunehmend.

Die Geſammtlage iſt inſofern als ungünſtig zu bezeichnen, als die Renta⸗ bilität durchaus unter Null zu ſein ſcheint. Als Haupturſachen dieſer wenig erfreulichen Erſcheinung ſind hauptſächlich angegeben: Zu hohe Pachtpreiſe für Ländereien des Gräfl. Schlitz'ſchen Familienbeſitzes, über⸗ flüſſiges Dienſtperſonal, zu ſtarke Pferdehaltung, zu hohes Gebäude⸗ kapital und mannigfache Fehler im landwirthſchaftlichen Betriebe, ſowie