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Topographia Westphaliae : Das ist, Beschreibung der Vornembsten , vnd bekantisten Stätte, vnd Plätz, im Hochlöbl. Westphälischen Craiße / An tag gegeben, von Matthaeo Merian [Textverf. Martin Zeiller]
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92² Beſchreibung der fuͤrnehmbſten Staͤtt und Plaͤtze.

Sonsbeck/ Zonsbeck/ in Stättlein im Hertzogthumb Cleve/ nahend Santen und Calcar gelegen/ allda der heilige Maͤrtyrer§. Gerebernus ruhet/ ſo allhie von dem gemeinen Volck/ auß Irr⸗ thumb/ jetzt Bernhardus genannt wird; wie dann auch in den geweyheten Ringen/ welche wider das Zipperlein in Haͤnden/ und das Fieber/ pflegen ge⸗ tragen zuwerden/ nicht deß Gereberni, ſondern deß heiligen Bernhardi Namen zuleſen iſt; wie Auber- tus Miræus in Faſt. Belgic. pag. 259. dieſen Fehler an⸗ zeiget. Anno 1625. haben die Spaniſchen dieſen Ort in ihrer Gewalt gehabt. Anno 1640. lagen Heſſiſche daſelbſt. Der Kaͤiſeriſche General Lam⸗ boy begehrte allda/ im November/ Winter⸗Quar⸗ tier zuhaben/ welches aber die Heſſiſchen nicht ge⸗ ſtatten wolten; woruͤber es zum belagern/ und Ernſt/ kommen/ und haben ſich die Heſſiſche alſo geweh⸗ ret/ daß der junge Obriſte Beck daruber tod geblie⸗ ben/ ein Obriſter Wachtmeiſter/ und ein Haupt⸗ manns⸗Statthalter verwundet/ einem von dem Geſchuͤtz ein Bein/ mit einer groſſen Kugel/ abge⸗ ſchoſſen worden. Es hatte ſich aber gleichwol end⸗ lich dieſer Ort ergeben muͤſſen; und urden die dar⸗ in gelegene Soldaten untergeſtellet/ und ihre Vor⸗ geſetzte in Verhafft genommen. Iſt ein Staättlein/ ſamt einem Schloß/ weiches letztere ſich am laͤng⸗ ſten gewehret hat.

Spa/ Spaa/ oder Spay/ Ein Fle⸗ cken/ im Stifft Luttich/ anderthalb Meilen von der Statt Limborch/ oder Limburg/ fuͤnff von Luttich/ und acht von Tongren/ in einem ſehr tieffen Thal gelegen/ und faſt allenthalben mit Bergen umbge⸗ ben/ auch wol erbauet. Mitten auff dem Marckt ſtehet ein Sauerbrunnen/ der den Namen deß hei⸗ ligen Kemacli, Biſchoffs zu Luttich/ hat. Aber der weitberuͤhmbte/ und rechte Sauer⸗oder Ge⸗ ſundbrunnen/ zu welchem ſo viel Leute von fernen Orten reyſen/ iſt auff einem hohen Berg/ wiſchen den Waͤllden/ faſt ein halbe Meil vom Flecken gele⸗ gen/ zu welchem man einen rauhen/ und ſteinichten Weg hat; welcher dann mit ſtarcker Leibsbeweg⸗ nuß/ ſo die Geſundheit zu erlangen/ und die natuͤrli⸗ che Kräffte zuermuntern/ fur ſonderlich bequem ge⸗ halten/ gegangen wird. Ins gemein wird ſolcher Brunn la Saviniere, und das Waſſer bohon, in ihrer Romaniſchen groben Sprach/ genant. Von dieſem Brunnen ſeyn deß C. Plini Wort/ im 21. Buch/ zuverſtehen; wiewol die von Trongren ſolche auff ihre Statt/ und einen Brunnen daſelbſt/ ziehen wolien; darwider aber Ortelius, in Incinerario Gal- lo-Brabantino, p. 248. und andere/ ſeyn. Es ſchrei⸗ bet Ludovicus Guicciardinus, in Beſchreibung Niderlands/ daß ſolcher Brunne zu Spa/ furgem⸗ lich/ das Dreytaͤgige Fieber/ und die Waſſerſucht/ curire; heyle den Magen, erkuͤhle die Leber/ und mildere trefflich das hitzige Podagra. Es ſchmaͤ⸗ cke dieſes Waſſer/ wann es getruncken werde/ ſehr nach Eiſen/ und zum Feuer geſetzt/ werde es erſtlich truͤb/ und darnach klar in rohter Farb, ſchade aber

gar nichts/ ſondern/ wann man es nuͤchtern/ und zu jederzeit trincke/ ſo mache es ohne die ernante Wir⸗ ckungen/ ein gute Daͤuung/ und Luſt zu eſſen. be⸗ trus Bertius, in Beſchreibung deß Stiffts Luttich/ thut hinzu/ daß es auch m der Schwindſucht gut ſeye. Von dieſem ſo berühmbten/ Geſundbrunnen/ haben/ nach Gilberto Philaretho geſchrieben/ Phi- lippus Gæringus, Thomas Rietius, und Abraham Nicolaus Frambeſarius.

Stablo/ Stablon/ Stabel/ Late⸗ niſch/ Monaſterium Stabulenſe, ligt zwo Meilen von gedachtein Spaa/ nahend den Luͤ⸗ tzenburgiſchen Graͤntzen/ in einem tieffen Thal/ und am Waͤſſerlein Ambleva/ ſo in die Vta/ folgends in die Veſa/ und endlich/ zu Luttich in die Maß faͤl⸗ let. Iſt ein beruͤhmbte reiche Abtey deren Abt ein Stand des Reichs/ und auff zwey zu Roß/ und zwey und zwantzig zu Fuß/ Monatlich angeiegt iſt wiewol die Niderlandiſche Kriege da bißweilen ei⸗ ne Entſchuldigung/ und Nachlaß/ verurſacht ha⸗ ben. So iſt dieſe Abtey auch in dem Weſtphaͤli⸗ ſchen Craiß/ und wird daher biliich allhie einge⸗ bracht. Der jetzige Gefurſte Abt allhie/ iſt Herr Fer⸗ dinand Ertzbiſchoff/ und Churfuͤrſt zu Coͤlln/ Herr⸗ tzog in Bayern/ ꝛc. Man will/ daß das Wort/ Sta⸗ blo/ ſo viel heiſſe/ als ein Wolffsſtall/ dieweil zun Zeiten deß heiligen Kemacli, an dieſem Ort/ nichts anders/ als wilder Thier Hoͤhline geweſen. Und wird ins gemein erzehlet/ als gedachter heilige Re⸗ maclus dieſes Kloſter erbauet/ Er ſich eines Eſels/ zum Stein und dergleichen/ tragen/ gebraucht/ wel⸗ chen hernach ein Wolff gefreſſen: Derhalben§. Kemaclus den Woiff verdampt habe/ daß en deß Eſels Arbeit verrichten muſte/ deme er auch gehor⸗ ſam geweſen. Und daher findet ſich auch ein ſol⸗ cher Wolff in dieſes Orts Wappen. Gegen der Abtey uber/ ligt ein Schloß/ daß Graff Wilhelm von Manderſcheid/ Abt allhie/ der Anno 1546. ge⸗ ſtorben/ erbauet hat/ in welchem Schloß die Acta Pudlica, geſchriebene Buͤcher/ und der beſte Kirchen⸗ DOrnat/ vor dieſem(und ville cht noch) auffbehal⸗ ten worden/ auch dalelbſt die Aebte gemeinlich Hoff gehalten haben/ und allda die M untz geweſt iſt. Es gibt umbs Kloſter herumd auch andere Gebaͤu/ in dieſem Thal/ ſo ein Stattlein machen. Und hat man von hinnen faſt eine halbe Meil zu dem Dorff

Wannen/ ſo auch der Stabloniſchen Herrſchafft ge⸗

hoͤrig; Und kompt man ferners zu einem andern kleinen Dorff/ in einem Thal/ Ledevae genant/ ſo an einem Bachlein gelegen/ welches die Graͤntze deß BertzogsthumbsLüͤtzenburg ſeyn ſolle Obgedachter S. Remaclus, erſtlich Biſchoff zu Maſtrich/ hernach Abt zu Stabel, iſt allhie Anno1. geſtorben/ und begraben worden; deme allda§. Pabolenus, oder Babolenus, ſuccediert hat/ welcher Abt qͤuch allbie ruhet. Das fuͤrnembſte Dorff dieſes Kloſters/ wie Miræus in Faltis, pag. 267 will/ iſt Lierneur, oder Tadernacum, alloa der H. Prieſter und Maͤrtyrer, S. Simitrius, oder Simerrius, ſein Begraͤbn hat.

Beſihe