Druckschrift 
Topographia Westphaliae : Das ist, Beschreibung der Vornembsten , vnd bekantisten Stätte, vnd Plätz, im Hochlöbl. Westphälischen Craiße / An tag gegeben, von Matthaeo Merian [Textverf. Martin Zeiller]
Einzelbild herunterladen

im hochloͤblichen Weſtphaͤliſchen Craͤiß.

deutige Stunde das Hauß Arnheim genannt. Biß hieher die Ableinung.

Dieſes Schloß hat hernach Graff Ernſt von Holſtein, Schauenburg, Sternberg, und Gehmen, Stiffter der hohen Schule zu Rinteln, den Kaͤiſer FeWinand der Ander, in den Fuͤrſten⸗Stand erho⸗ ben, und der Anno 1622. den 17. Januarii, ohne Leibs⸗Erben, abgangen, anſehnlich verbeſſern, auch mit einer kuͤnſtlichen, ſchoͤnen Hoff⸗Capellen, und Furſtlichen Luſtgarten zieren, und den vorhin bey dem Schloß geweſten kothigten, offenen Flecken zu einer Statt machen, pflaſtern, mit einem Wall umbgeben, und mit einer ſchoͤnen neuen Pfarrkir⸗ chen, auch andern nothwendigen Gebaͤuen, und ei⸗ ner Apothecken, die im Jahr 1612. vom Herrn Chriſtoph Weiſſick beſteltem Hof⸗Apothecker, ver⸗ ſehen worden,(ſo noch Anno 4/. daſelbſt gelebet hat) anſehnlicher erbauen laſſen. Und hat hochge⸗ dachter Fuͤrſt Ernſt, in dem beſagten Schloß ſtatt⸗ lich Hoff⸗des Tages aber nur einmahl Taffel ge⸗ halten: Sonſten auch ſeine Hoffleute und Diener anſehnlich beſoldet, und gekleidet. Anno 1640. legten ſich theils Kaͤiſeriſche Voͤlcker bey Buͤcken⸗ burg, denen aber von der Gegenpart daſelbſt einge⸗ fallen, und ſie mit Verluſt drey Standarden, und des Plunders, ruiniret, und gefangen hinweg ge⸗ fuͤhret worden ſeyn. Vorhero, im Jahr 1633. iſt dieſer Ort auch in der Kaͤiſeriſchen Gewalt kom⸗ men: Aber nach der Eroberung Hildesheim, hat Hertzog Georg von Lunenburg erſtlich das Staͤtt⸗ lein, und hernach, durch Abgrabung des Waſſers, auch das Schloß Anno 34. im Julio, mit Accord einnehmen laſſen.

Es ligt aber die Graffſchafft Schauenburg in Alt Nieder⸗Sachſen, beyderſeits der Weſer zwi⸗ ſchen den Staͤtten Hammeln und Minden, auch zwiſchen den Graffſchafften Lippe, Hoya, Wunß⸗ dorff, Hallermond und Spiegelberg, und erſtreckt ſich biß an das Ampt und Statt Neuenſtatt, zum Roveberg oder Rubeberge. Solte daher mehr zum Nider⸗Saͤchſiſchen, als dem Weſtphaͤliſchen Craiß gezogen werden. Iſt meiſtentheils mit gewaltigen, und veſten Landwehren rings umbgeben. Es ſeyn darinn das Schloß Schauenburg, Schloß Ro⸗ denberg,(darbey ein Flecke, oder, wie Spangen⸗ berg will, ein Staͤttlein iſt) die Statt Statthagen, obgemeldte Haupt⸗Reſidentz Buͤckeburg: Item, Sachſenhagen, Hagenburg, Bockloh, Egeſtorff, obgedachte Statt Rinteln, da die hohe Schul iſt: Oberkirch, Kloſter und Fleck, Lawenau, Schloß und Ampt, Oldendorff, Stattlein und Kloſter, Anrs⸗ burg, Meßmerode, Steinhude, die Kloͤſter Vißbeck, Moͤllenbeck, ꝛc. Hat feinen Ackerbau, gute Wey⸗ de, Waſſer, darunter die Hammel, die Awe, oder Caſpau, die Weſer, die Exter, ſeyn. Aus dieſen Waſſern, und dem Steinhuder See, welcher mehr als eine groſſe Meile lang, und eine halbe breit, hat man allerhand Fiſche, ſonderlich groſſe Barſe, in groſſer Anzahl. Es iſt da ein gewaltig ſchoͤner und beruͤhmbter Steinbruch, darauß die Steine nach

V

Silber Ertz, au chen Jahren erfunden.

13 Holland, Seeland, Braband, Antorff, Bremen, Hamburg/ Luͤbeck mit groſſer Menge gefuͤhret wer⸗ den: Item, ſeyn da zween Saltzbrunnen. So iſt daſelbſt gnug Holtz, und in den Waͤldern viel Wildpret. Gibt auch viel Steinkohlen: Ein Alaun⸗Bergwerck, ſo aber vor dieſem nicht getrie⸗ ben worden: Item Kalckſtein und Gips. Und hat man in obbenantem Ampt Egeſtorff/ Gold und ch Kaßſferaidi Eifntifvor etli⸗ Man brauet a und weiß Bier im Lande. uih t Siehe hievon, auch dem alten Graͤfflichen Ge⸗ ſchlecht deren von Schauenburg,(daraus viel Graffen in Holſtein, auch etliche Hertzogen zu Schleßwick geweſen) neben des Piermanni de Ler- beke Chronic, inſonderheit des Cyriaci Spangen⸗ bergs Schauenburgiſche Chronic, und was aus derſelben in die Continuation des Teutſchen Raͤiß⸗ buchs am ſ. Capitel, gebracht worden iſt. Hochge⸗ meldtem Furſt Ernſten, hat Anno 1622. ſuccediret Jobſt Herman, welcher des Fuͤrſtlichen Tituls ſich nicht gebraucht hat: Und Anno 1635. den 5. No⸗ vembris, ohne Maͤnnliche Leibs Erben geſtorben iſt. Seines Herrn Vattern Henrici Bruder, Graff Georg Hermann, der vor dieſem im Schaumbur⸗ giſchen Hoff zu Minden ſeine Wohnung gehabt, hat mit Frau Eliſabetha, Graff Simons zur Lppe, Tochter erzeugt Graff Otten,zu Hollſtein, Schau⸗ enberg und Steinberg, Herrn zuGehmen und Ber⸗ gen, ꝛc. den letzten dieſes Geſchlechts, welcher ſich nicht verheurathet hat, und alſo ohne eheliche Kin⸗ der, und zwar ohn alles Vermuthen Morgens, den 15. Novembris, Anno 1640. im 24. Jahr ſei⸗ nes Alters, geſtorben iſft. Nach welches Tod ſich der Koͤnig in Daͤnnemarck, neben dem regierenden

Hertzog in Holſtein, der Schauenburgiſchen Graf⸗ ſchafft Pinnenberg, bey Hamburg, bemaͤchtiget, dieweil ſie groß Recht zu derſelben zu haben ver⸗ meinten, gleichwol auch des verſtorbenen Herrn Graffen hochwolgedachter Frauen Mutter, als ge⸗ ſchrieben worden, etliche Tonnen Golds darfuͤr hin⸗ aus gegeben, und hat der Koͤnig darvon zwey, der Hertzog aber das dritte Ampt bekommen. Von hochwolgedachtem Herrn Graffen Jobſt, oder Juſt Herman, ſchreibet Goldaſtus in ſeinem Buch vom Koͤnigreich Böheim, lib. 6. cap. 20. p. 740. daß die Schauenburgiſche Staͤnde, als die ſich auff ihre Freyheiten gehalten, nach Abſterben des auch hochgedachten Fuͤrſt Ernſten(von welchem eben dieſer Goldaſtus lib. 1. cap. 2. p. 24. alſo ſaget: Cu- jus feliciſſimam memoriam nulla unquam oblitera-

ret ætas, aut deleret invidia, ſi tam didiciſſet pruden- tiam regnativam, quàm calluit Oeconomicam) Ihn, den Graffen Juſt Hermann von Schauenburg, Herrn zu Gehmen, und Bergen in Holland, zu ei⸗ nem Regenten erwehlet haben.

In dem vierten Theil des Theatri Europæi ſte⸗ het, f. 179. daß hochwolgedachter letzte Graff Ot⸗

to(ein vernuͤnfftiger, maͤſſiger junger Herr) zu Buͤ⸗ ckenburg, beſagten Jahrs, Tods fuͤrworden, nicht B von