72 Speſſart. Hat gleichwol an Weinwachs, und andern Fruͤchten, ein zimbliche Not⸗ turfft, und hat ſich, vor dem jetzigen Krieg, der Adel allhie viel auffgehalten. Gibt auch ſchoͤne Cloͤſter unnd Kirchen allda. Das Schloß, oder die Burg, hat Kaͤyſer Frie⸗ derich der Erſte erbauet; davon Nicol. Reuſnerus dieſe Vers ſetzet:
Vitiferos colles Gelnhuſa oſtentat& ædem, Inſignem cultu divitiisque Sacram. Cæſaris hinc arcem. Friderici nomine primi, Qux magnum decus eſt urbis,& al- ter honos.
Man ſehe, was D. Philip Knipſchild, in ſeinem Rechtlichen Bedencken uͤber den Praͤcedentz Streit ꝛc. quæſt. 2. p. 132. von dieſer Burg, und ihrer Contribution zu der Ritter Caſla, ſchreibet. Die Stadt iſt von der Burg abgeſondert, und dem Reich vor ſich ſelbſten unterworffen, und hat ihr ſon⸗ derbar Dicaſterium; welches wider Weh-
nerum zu mercken, der Tomo 6. Sympho-
rem. cap. 7. pag. 176. die Stadt mit der Burg vermiſchet, und daß man die Buͤr⸗ ger vor dem Burg⸗Graffen verklagen ſol⸗ le, ſchreiben thut. Kaͤyſer Carl der Vierd⸗ te hat dieſe Stadt Graff Guͤnthern zu Schwartzenburg, unnd den Graſſen zu Honſtein Clettenberg, in A. 1340. Pfands⸗ weiß verſetzt; die hernach der Chur Pfaltz, und Hanau⸗Müntzenberg, dieſelbe, ſampt der Burg, gegen einem Widerkauſfſ, umb acht tauſend Guͤlden verkaufft; wiewol ſie noch ſieben Jahr, nach der Verpfaͤndung, von ihme Befelch empfangen, daß ſie, ne⸗ ben andern, auch den Churfurſten von Coͤlln begleiten ſolte. So nennet Kaͤyſer Rupkrecht ſie ſein, und des heiligen Reichs⸗ Stadt, und gebietet ihr, ſub dato Heydei⸗ berg, Anno 1406. von des helligen Reichs Steuer, der Burg daſelbſt Jaͤhrlich vier⸗ tzig Guͤlden zu reichen. So iſt ſte, neben an⸗ dern Reichs⸗Städten, Anns 1402. zu dem Reichs⸗Tag nach Nuͤrnberg beſchrieben worden. Wird auch vom Kaͤyſer Frideri- co IV. im Decret von Anno 1454. den 15. Februarii, außtruͤcklich unter die Reichs⸗ Staͤdte geſetzt: Wie dann auch im Jahr 1641., auf dem Reichstag zu Regenſpurg, der Stadt Franckfurt Herꝛn Abgeſandten/
V
Beſchreibung der vornehmſten Orth
ihr, der Stadt Gelnhauſen, und der andern beyden Wetterauiſchen Reichs⸗Staͤdte, Friedberg, und Wetzlar, Stelle vertretten haben, wie auß dem Reichs⸗Abſchiede zu erſehen. Herr Johannes Limnæus, in ſeinen Additionibus ad lib. 7., de Jure publ. pag. 230. ſagt, daß Johann Mel⸗ chior Weiſſenburger, der Stadt Gelnhau⸗ ſen Syndicus, in præfat. ad tab. Ordin. Cameræ, ſchreibe, daß ſeines Vatterlands Gelnhauſen Schutzheren, der Pfaltzgraff bey Rhein, und die Graffen von Hanau, ſo ſie insgemein, aus habendem Pfand⸗ recht, beſitzen; und daß dieſe Stadt unter ihrem Schatten und Schutz, ruhe. Herꝛ D. Wurffbain, in relat. hiſtor. part. 6. fol. 211. referirt den Anfang deſſen zum 1436. Jahr. Die Exemtion-Sach ſolle noch des Jahrs 1602. in der Cammer zu Speyer gehangen haben; und wird dieſer Stadt in der Nuͤrnbergiſchen Reparti⸗ tion, im Jahr 1650. gemacht, unter den Staͤnden des Reichs gar nicht mehr ge⸗ dacht: Aber wol in dem Reichs⸗Abſchied des Jahrs 1654. daß namblich, bey ſol⸗ chem Reichstage, Herꝛ Zacharias Steng⸗ lin, beyder Rechten Ooctor, und der Stadt Franckfurt Syndicus, mit Vertrettung der Staͤdte Wetzlar, und Gelnhauſen, er⸗ ſchienen ſeye. Sonſten iſt dieſe Stadt, ſo zum Chur⸗Rheiniſchen Craiſſe referirt wird, monatlich einfacher Reichs⸗Anſchlag 2. zu Roß, und 15. zu Fuß und zum Cam⸗ mergericht, jaͤhrlich 35. fl. den Thaler zu 69. Kr. gerechnet. Was der erhoͤchte, oder das Augmentum ſeyn mag, kan ich nicht finden; ſonders zweiffels darumb, weil, wie gemelt, die Exemtion Sach in Camerabe⸗ ruhete. An. 1635. beſetzte Hertzog Bern⸗ hard von Sachſen, das verlaſſene Geln⸗ hauſen, wie auch Staͤdtlein und Schloß, Wechtersbach, anderthalb Stunden uͤber Gelnhauſen gelegen. Aber, oo bald er dieſer Orthen wieder auffbrach, ſo giengen beyde Plätz, ſampt denen darinn geweſenen Knechten, verlohren, unnd ward der letzte den 16. Januarti, Nachts, vom Obriſten Bredau erſtiegen, und die darinn ſich be⸗ fanden, faſt alle, ohne Unterſcheid, nieder⸗ gemacht. Iſt alſo dieſe Winter expedition nicht allein den Frantzoſen uͤbel bekom⸗ men; ſondern auch ſonſten, und ſonderlich dem Land ſchaͤdlich geweſen; wie danſ um


