Druckschrift 
Topographia Hassiae, Et Regionum Vicinarum, Das ist: Beschreibung vnnd eygentliche Abbildung der vornehmsten Stätte vnd Plätze in Hessen, vnnd denen benachbarten Landschafften, als Buchen, Wetteraw, Westerwaldt, Löhngaw, Nassaw, Solms, Hanaw, Witgenstein, vnd andern / M. Z. [Ill.: Matthäus Merian]
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20 Statk die Freyheit, vor allen andern im Lande, daß ſie von S. Veits, biß auf S. Bartholomaͤt Tag, roth Wildpreth; und dann von S. Michaels, bis auf S. An⸗ dreas Tag, ſchwartz Wildpreth, jagen und fangen moge, aber nicht ſchieſſen: derhal⸗ ben auch ihrer Weidleut keiner einige Buͤch⸗ ſe mit auffs Jagen bringen darff. Der Handel und die Nahrnng, iſt ſonſten, we⸗ gen des Saltzwercks, zimlich ſtarck allda; und weil wenig Frucht dieſes Orts wach⸗ ſet; ſo hat die Natur ſolches mit zimlichem gutem Weinwachs erſetzet.. Die Arth des Saltzbronnens iſt einer wunderbahren Beſchaffenheit, nemlich je hoͤher das Waſſer in der Werra, je mehr auch der Sohle in dem Bronn; je mehr a ber derſelben, je kraͤſſtiger ſie befunden, nemlich 8. löͤtig, und hingegen je weniger, je unkraͤfftiger, und am Gewicht geringer. Estſt aber der Bronn ſehr ſtarck, alſo daß er bey 84. Kohten und Pfannen, zu verſe⸗ hen genugſam, in welcher er durch ein be⸗ ſonder Kunſtwerck geleitet wird. Sohat man uͤber das erſtlich im Jahr 1579. mit Stein⸗Kohlen zu ſleden angefangen, auch

Beſchreibung der vornehmſten Orth

vor Alters zwey Gehruͤder Landgraffen zu Heſſen, mit Namen Henrich und Herman gewohnet, welche ums Jahr 1365. beyde venachbarte Dorfſſchafften Moͤlnbach und Todenhauſen von denen angrentzenden beyden Adelichen Geſchlechtern Milchling und Rabenau erblichen an ſich ertauſchet, und aus ſolchen Doͤrffern dieſes Staͤttlein zuſam̃en zu bauen angefangen, auch durch Huͤlff des Ambts Burgkemunden und Ge⸗ richts Lohr einen Graben um ſelbiges he⸗ ro von neuem auffwerſſen laſſen, ſo aber im Jahr 1525. auf des Raths underthaͤni⸗ ges Anhalten bey dem damahlig regieren⸗ den Landts⸗Fuͤrſten zu Caſſel, Herrn L. Philtpſen dem aͤltern, wiederum einge⸗ chleifſet worden. Im Jahr 1370. iſt dieſer Orth an den Landgraffen mit der Statt Freyheit begnadigt, und um des willen weil es aus vorbenahmten verſchiedenen oder Allen beyden Dorffen zuſammen gebauet, Allendorff, und forters zum un⸗ terſcheyd anderer Staͤtte und Doͤrffer; welche eben dergleichen Namen tragen, an der Lomb genand worden, vornem⸗ lich von deme zu nechſt daran herflieſſenden

ſolche Arth des Siedens nunmehr alſo an⸗ geordnet, daß, wo man dazumahlen 22. Maaß Kohlen verbrauchen müſſen, anje⸗ tzo 12. guug ſeyn. Die Herren Landgraſſen in Heſſen haben den Orth mit unterſchied⸗ lichen Freyheiten begabt. Es ſeyn auch vor Alters viel feſte Berghaͤuſer zur Defen⸗ ſion der Sohden anfaͤnglich erbauet wor⸗ den: Vor andern aber das jenige, ſo gleich obig den Sohden auf dem Berg geſtan⸗ den, und Weſterburg genand worden iſt.

Waſſer, welches gleichfals ſeinen Namen vom Dorff Lomb, Ampts Grunberg, u⸗ berkommen, alldar er ſich urſpruͤnglich ſam⸗ let, und bey dem Adelichen Milchlingiſchen Dorff Dreys hero bis naber Stauffen⸗ berg fleuſt, unter welchem Staͤttlein er in die Lohn faͤllet. Hundert und vierzehen Jahr nach deſſen Erbauung, benandtlich im Jahr 1479. iſt dieſes Staͤttlein durch Donnerwetter angezuͤndet, und beneben dem Rath Hauß in 3. Stunden gaͤntzlich

Bey dieſem Teutſchen Krieg iſt allhier zu eingeaͤſchert worden. Wie dann wenigers underſchieden mahlen groſſer Schade ge⸗ nicht, nachdeme ſelbiges etlicher maſſen ſchehen, ſonderlich Anno 1632. da der von wiederum auffgerichtet und gebauet ge⸗

Pappenheim Witzenhauſen, Eſchwegen, und Drendelburg erobert, deren Occupi⸗ rung gedacht wird im 2. Theil des Theatri Europæi. In dieſer Statt iſt geboren der wohlberuͤmte Theologus D. Balthaſar Menzerus.

Allendorff/ an der Lomb. GJeſes Staͤttlein ligt in Heſſen, zwi⸗ ſchen Marpurg und zieſſen, welches

bloß in einem alten Brieff Villa genendt wird. Auf deme zu nechſt gelegenen hohen Burghauß und Dorff Nordecken, haben

weſen, im Jahr 1632. durch ein unverſehe⸗ nes angangenes Feuer abermahls 34. Ge⸗ baͤu darinnen nidergebrandt. Wie auch durch unterſchiedene Kriegs⸗Zerſtoͤhrung alſo abgenom̃en, daß jetziger Zeit kaum der halbe Theil uͤbrig. Im Jahr 1385. hat der Biſchoff Chiltan zu Maͤyntz dieſes Gtaͤtt⸗ lein feindlich und mit Kriegsheer uͤberzogẽ, woruͤber ein Freyherr Conrad von Weins⸗ berg damals commandirt, alſo daß auch noch thetls die Feldmarck um dieſen Orth nach deſſen Namen der Weinsberg Benadd

wird.