V(31) In den Abend⸗ und Morgenlaͤndiſche Sprachen war er wohl bewandert, der neuen Philoſophie war er ganz maͤchtig und in allen Theilen der Got⸗ tesgelahrtheit hatte er eine gruͤndliche und weitlaͤuftige Einſicht. Sein unermuͤdeter und wuͤrckſamer Geiſt ermunterten ihn ſtets, diejenige Stun⸗ den, welche ihm von ſeinem ſchweren und wichtigen Amt uͤbrig blieben, denen Wiſſenſchaften zu widmen, und keine Zeit zu verſaͤumen, auch durch Schriften der Welt nuͤtzlich zu ſeyn. Er war aber weit von derjenigen um ſich greifenden und herrſchenden Gewohnheit entfernt unter dem Schein, beſſere und gemeinnuͤtzigere Wahrheiten zu erfinden, welche von dem Wort des HEern ſo ſehr entfernet ſind, ſich einen Ruhm zu erwerben. Er hielt vielmehr genau uͤber dem Wort der Wahrheit und betrachtete es mit vieler Betruͤbniß, daß ſo viele angeſehene Gottesgelehrten die heilſame Wahrhei⸗ ten ſo ſehr verlaſſen und dem Weg der Gottſeligkeit mehr hinderlich als nuͤtzlich ſind. Sein Herz empfande deßwegen manche Unruhe wenn er ins Kuͤnftige hinaus ſahe, und die ſchaͤdliche Folgen einer ſolchen Neue⸗ rungsſucht ſich verſtellte. Er warnete daher oͤffentlich und insgeheim da⸗ fuͤr, und ſuchte die Liebe zur Wahrheit und nicht die Neuerungsſucht ins Herz zu praͤgen. Das wichtige allhieſige Seniorat hatte alſo an ihm den wuͤrdig⸗ ſten Mann, der auch nothwendig darzu erfordert wird. Denn der allhieſige Senior hat von je her den groͤſten Anſpruch bey ſo mannigfaltigen Vorfal⸗
lenheiten die in das geiſtliche Amt einſchlagen. Auch von auſſen wird er
gar haͤufig um ſeine Einſicht und Rath⸗ erſuchet. Liebe, Gedult, Treue,
uneigennuͤtzige Abſi ichten und Standhaftigkeit, werden bey ſo vielen Bege⸗ benheiten in einem hohen Grad erfordert. Bey allem dieſem zeigte ſich unſer ſeliger Herr Dr. Plitt alſo, daß ſein Andencken bey uns bis in die ſpäͤteſten Zeiten dauren wird Der HErr gebe nur, daß nie ſeine treue Bemuͤhungen bey uns unfruchtbar ſeyn moͤgen, ſondern die treue Verwal⸗ tung ſeines Amtes noch nach ſeinem Abſterben, viele zur lebendigen Erkennt⸗ niß IEſu bringen moͤgte; Sein ernſtliches Ermahnen, Bitren, Warnen, Strafen, muͤſſe ſtets im Gedaͤchtniß derer, die ihn gehoͤret, eingepraͤgt bleiben, damit ſie an jenem groſſen Tag nicht doppelte ſchwere Strafe der
Ver⸗


