auch äußerlich durch eine Kbſchlußprüfung für die abgehenden Schülerinnen gekennzeichnet iſt. Dieſe Abſchlußprüfung, die an die Stelle der jetzigen leidigen Aufnahmeprüfungen träte, würde die Berechtigung zum Eintritt in die betreffenden Sach⸗ ſchulen, Lehrerinnenſeminar, Handelsſchule u. a. geben. S0 bliebe die jetzige 10 klaſſige höhere Mädchenſchule auch in Su⸗ kunft beſtehen, und wir dürfen wohl annehmen, daß ſie noch auf lange Feit hinaus, beſonders in kleinen Orten, die Bil⸗ dungsanſtalt für die Mehrzahl der Mädchen ſein wird, die eine über die Volksſchule hinausgehende Bildung erſtreben.
Der dreijährige Oberbau, der ſich dieſer Abteilung der höheren Mädchenſchule angliedert, ſoll, um auch den körper⸗ lich oder geiſtig weniger leiſtungsfähigen jungen Mädchen die Teilnahme zu geſtatten, und um Zeit für hauswirtſchaftliche Ausbildung außerhalb der Schule zu laſſen, nur einige Sächer als verbindlich, die andern als wahlfrei führen. Da die Schü⸗ lerinnen ſo ihrer beſonderen Begabung und Neigung folgen können, ſo iſt auch die Möglichkeit gegeben, die Individua⸗ litäten ſchärfer auszuprägen; auch bringt eine gründliche Ver⸗ tiefung in wenige Wiſſensgebiete jedenfalls mehr geiſtigen Ge⸗ winn, hat mehr ſittlichen Wert, als ein Naſchen an allem. Zu den obligatoriſchen Fächern gehören zunächſt Deutſch und Geſchichte; es treten dann neu hinzu: Staats⸗ und Volkswirt⸗ ſchaftslehre, Pädagogik und Pſychologie nebſt praktiſchen Ue⸗ bungen im Rindergarten oder Rinderhort.“
Um den Frauen die fürs Leben unentbehrliche Schulung der Denkkraft zu gewähren, verlangt der Lehrplan eine Ver⸗ mehrung der Rechenſtunden und die Einführung der Mathe⸗ matik als Gegengewicht gegen das lebhaft entwickelte Gefühls⸗ leben der Mädchen; ferner ſoll im Sprachunterricht ein ener⸗ giſcher Betrieb der Grammatik der Verſtandesbildung dienen.


