Druckschrift 
Die Frauenbewegung, ihre Ziele und ihre Bedeutung / von Elsbeth Krukenberg
Entstehung
Einzelbild herunterladen

Wie verhalten ſich nun ſolchen Mißſtänden gegenüber

Staat und Gemeinden? Für die Rnaben ſo ſahen wir wird geſorgt. Das Geſetz ſieht die Möglichkeit obligatoriſcher Fortbildungsan⸗ ſtalten für alle kaufmänniſch und gewerblich tätigen Knaben vor und die Gemeinden wetteifern, handwerkerſchulen, Fort⸗ bildungsſchulen für Knaben zu gründen. Daß aber der haus⸗ ſtand des Kaufmanns, des handwerkers nicht gedeihen kann, wenn ihre Frauen keine Ahnung von hauswirtſchaft haben, vergißt man. Man vergißt die Not, in die eine Frau ohne tüchtige Vorkenntniſſe als berufstätige Frau gerät.

Man vergißt oder überſieht es auch wohl abſichtlich, daß die für ehrliche Arbeit nicht vorgebildeten Frauen zu Cau⸗ ſenden der Proſtitution verfallen, dem einzigen Erwerbszweig, für den es genügt, Weib zu ſein. 3ur elenden Lohndrückerin muß die Frau werden, weil man ihr die Möglichkeit verſchließt, gleichwertig ausgebildet an des Mannes Seite zu treten. Die Frau, die draußen Arbeit ſucht, wählt ſelten frei, ſie wird durch die Not gezwungen. Sie muß arbeiten, erwerben. Anſtatt ſich mit dieſer Lage der Dinge abzufinden und Gerechtigkeit walten zu laſſen, gibt man der Frau ſchlechtere Vorbildung als dem Manne, macht ſie mit der unumwunden ausgeſprochenen Abſicht, den ſtarken Mann dadurch vor ihr zu ſchützen kon⸗ kurrenzunfähig. Um Geld für ſeine Klusbildung zu verwen⸗ den, ſpart man an der ihren, verſäumt es, ſie ſelbſt für die Arbeitszweige tüchtig zu machen, die man ſo gern als ihre eigentliche Domäne bezeichnet.

Staat und Gemeinde ſehen die Not wohl. Kber ſie ver⸗ ſchließen ſich ihr rühmliche Kusnahmen zugegeben aus Kurzſichtigkeit, wohl auch aus Männeregoismus. VYergeblich petitionieren die Frauen um Kenderungen unſerer das Fort⸗