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Die Brot⸗ und Notfrage.
Obligatoriſche Fortbildungsſchulen für die aus der Volksſchule entlaſſenen Mädchen.
Die Frauenbewegung wurde lange Seit als eine lediglich
durch die wirtſchaftliche Not der Frauen hervorgerufene Be⸗
wegung aufgefaßt und daher oft als Brot⸗ und Notfrage be⸗ zeichnet. Als ſolche erſchien ſie weiten Kreiſen recht unbequem, für den im Erwerb ſtehenden Mann wenig erfreulich, aber doch wie ein unabwendbares, durch den ö5wang hervorgeru⸗ fenes Verhängnis. Angeſichts der Tatſache, daß wir rund eine Million Frauen mehr als Männer in Deutſchland haben(1882: 988962; 1895: 951684; 1900, wo auch die z. B. auf aus⸗ wärtigen Schiffen ſich aufhaltenden Männer ermittelt und mit⸗ gezählt wurden: 892684), kann ſich auch der konſervativſte Geiſt nicht länger der Einſicht verſchließen, daß es einfach Men⸗ ſchenpflicht iſt, dieſen hunderttauſenden von Frauen Erwerbs⸗ möglichkeit zu ſchaffen. Es fehlt dieſen Frauen das eigene Haus, in das man ſie ſo gern verweiſen möchte, denn es fehlen hunderttauſende von Männern, um alle Frauen ihrem natür⸗ lichſten Berufe als hausfrau, Gattin und Mutter, zuzuführen. hunderttauſende von Frauen müßten ſelbſt dann allein— ſich ſelbſtändig ernährend— durchs Leben gehen, wenn alle vorhandenen Männer heiraten wollten und könnten, was aber keineswegs der Fall iſt. Die iffern der erwerbstätigen Frauen geben uns davon ein Bild ¹).
*) Ich entnehme die folgenden Zahlen dem 1004 neu erſchiene⸗ nen Werke: E. Gnauck⸗Kühne, Die deutſche Frau um die Jahr⸗ hundertwende. Otto Liebmanns Verlag, Berlin.


