ε6)„ ben. Da es gemeiniglich heiſt: Malitia ſupplet ætatem. Da mancher ſieben/ zehen und zwoͤlffjaͤhriger Knab ſo groſſe Bubenſtuͤck weiß und begehet/ als von fuͤnfftzig Jahren ein geſtaͤndiger Menſch. Die dritte Wacht faͤllet in das maͤnliche Alter, da wir am mei⸗ ſten an das VIGILATE zu gedencken und daſſelbige zu practieiren ha⸗ ben. Dan je mehr der Verſtand ſolidirt, je fleiſſiger ſeyn wir auff unſere Hut zutretten verbunden: Stabunt juſti in magna conſtantia adver- ſus eos qui ſe anguſtiaverunt; ſpricht der Geiſt Gottes/ im Buch der Weißheit Cap. V. V. 1. Die Frommen und Gerechten werden in groſſer wahr iſt und blebtt Nunquam bella piis, nunquam certamina deſunt, Et quo cum pugnet mens pia ſemper haber.
Die Frommen auff der Welt/ die haben ſtets zu ſtreiten/ Ein jede fromme Seel ſind mimer was zureiten.
Standhafftigkeit ſtehen/ gegen die welche ſie aͤngſtigen. Wan einmahl
So gar iſt dieſes wahr/ daß der fromme Job das gantze menſchliche Leben militiam nennet/ in ſemnem Prophetiſchen Lehr⸗Buch Cap. VII. verſ. 1. Paulus aber der heilige Apoſtel erfordert von emem jeden rechtſchaffenen Chriſten/ bevorab von der geiſtlichen Soldateſca: Labora ut bonus miles Jeſu Chriſti: Arbeite wie ein guter Soldat Chriſti Jeſu/ lI. Ti- moth. Cap. II. v.3. in welcher Epiſtel er Cap. V. v.). ſehr ſtarck auff das VIGILA dringet. Vnd weil in dieſe dritte Wacht auch das angehende
Alter einſchleicht/ das menſchliche Leben aber den Berg herab gehet/ da
heiſt es freylich Vigilate, wachet und ſtehet auff ewrer Hut dan ſo unge⸗ wiß es iſt/ daß ein zunger alt werde: ſo gewiß iſt es/ daß kein Alter mehr lang leben werde. Iſt demnach vonnoͤthen/ daß ſich ein jeder Alter oder der zu altern anfaͤngt/ jener Wort auß dem CXVIII. Pſ. v. 109. embſig er⸗ innere: Anima mea in manibus meis ſemper, das iſt/ mein Leben iſt Augenblicklich in Gefahr. Ein kleines Fieber ein kleines Fluͤßlein wirfſt den Alten zu Boden/ und gar in das Grab. Hier faͤllt mir bey/ was ich fuͤrlaͤngſt in den Tuͤrckiſchen Hiſtorien geleſen. Wan der Sultan ihr Ty⸗ ran uͤber einen ſeiner Vezier oder Baſſen hefftig ergrimmet/ pflegt er ihme einen in ſchwartz Seyden eingewickelten Brieff dieſes Inhalts zuzuferti⸗ gen: Mitte mihi caput tuum: Schicke mir deinen Kopff. Eben eines ſolchen Stafet haben wir Menſchen von Gott alle Augenblick zu gewarten: Schicke mir deinen Kopff Diſpone domui tuæ quia morieris tu&non
Vives. ſaiæ Cap. XXXVIII V Beſtelle dein Hauß dan du wirſiſterbenund
mt leben. Es geſchicht zwar bißweilen/ daß auch ein Alter/ oder in das Alter trettende Menſch/ wie damahls Ezechias, bey zuſtehenden Kranckheiten
ut allemahl mit der Haut bezahlen thue/ ſondern von ſeiner Kranckheit un⸗
derweilen geneſe: Doch iſtes 1de rarò conti ngentibus, und gedeyet dem zehen⸗
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