urſachen zur Annahme der Hauslehrer. 9
Pflicht, als auch ihren guten Willen zur Erfuͤl⸗ lunge dieſer Pflicht in den dunkelſten Schatten ſtellen. Jener, ſogenannte, gute Ton kann ohn⸗ moͤglich von groſſer Staͤrke des Verſtandes und hoher Kraft der Vernunft zeugen, da durch ihn Kinder nur zu oft die Opfer der Eitelkeit und Traͤgheit zu werden in Gefahr ſind. Oder meint man dem Vorurtheile froͤhnen zu duͤr⸗ fen, daß man es nicht noͤthig habe, ein ſo muhſames Geſchaͤft, als das der Erziehung iſt, betreiben zu helfen, und daß man dieſe fehler⸗ hafte Geſinnungsart vor den Augen der Welt mit Golde verdecken koͤnne? Nur Kurzſichtige koͤn⸗ nen es ſeyn, welche den Reichen und Bemittel⸗ ten hierinne beſtaͤrken, nur raͤſonnirende Schmeich⸗ ler, welche dem Vorurtheil, ihres Bauches we⸗ gen, eine annehmliche Nahrung einfloͤſſen wol⸗ len; indem es der unbefangen nachdenkenden und urtheilenden Vernunft eines Jeden durchaus nicht verborgen bleiben kann, daß man in dem ange⸗ nommenen Hauslehrer nur einen Gehuͤlfen erblicken und ehren, nicht aber ein Werkzeug gefunden zu haben glauben ſolle, ſich ſelbſt aller Thaͤtigkeit zum Beſten der Kindererziehung zu uͤberheben.
Eine fernere Urſache der Annahme eines Hauslehrers iſt die— Wohlfeilheit, mit welcher man Kinder auf dieſe Art erziehen kann. Denn der Hauslehrer bekommt gewoͤhnlich fuͤr ſeine Bemuͤhung um das Beſte aller Kinder der Familie einen Gehalt, der mit Einſchluß alles


