Druckschrift 
Der neu erfundene Patent-Dünger des Prof. Dr. Justus Liebig in Gießen / Justus Liebig ; aus dem Englischen übersetzt und mit erläuternden Zusätzen begleitet von Dr. A. Petzholdt
Seite
66
Einzelbild herunterladen

66

worden, ſo daß man daruͤber vorlaͤufig nur Ver⸗ muthungen hegen darf; und wenn mich nicht Alles truͤgt, ſo glaube ich die Behauptung ausſprechen zu duͤrfen, daß ein Vorhandenſein von ſtickſtoff⸗ und kohlenſtoffhaltiger Subſtanz, ſie ſei, welcher Art ſie wolle, im Boden unſerer Felder zu dem Gedeihen der Culturpflanzen durchaus nicht noth⸗ wendig iſt. Die Anwendung der neuen Liebig'ſchen Duͤngmittel, insbeſondere wenn man bei deren ſpaͤterer Fabrikation die ſtickſtoffhaltigen Beſtand⸗ theile hinweglaͤßt, welche bei der jetzigen Fabri⸗ kation noch darin ſind, wird dieſe Frage mit Sicherheit entſcheiden.

So viel ſteht wenigſtens feſt, daß, wenn man mit Duͤnger ohne einen Gehalt einer organiſchen Subſtanz zu duͤngen vermag(und man hat es gekonnt), die organiſchen Beſtandtheile der bis⸗ herigen Duͤngung entbehrlich ſind, oder mit anderen Worten, daß die natuͤrliche Duͤngung mittels Miſts u. ſ. w. durch kuͤnſtliche Duͤngmittel zu er⸗ ſetzen iſt.

(Sechste Erläuterung zu S. 24.)

Die BezeichnungReizmittel undreizender Duͤnger iſt nur durch unklare Anſichten, die man ſich uͤber die guͤnſtige Wirkung vieler mineraliſcher Koͤrper macht, wenn man ſie als Duͤngmittel an⸗ wendete, in die Kunſtſprache der Landwirthſchaft eingefuͤhrt worden, und man kann wohl behaupten, daß die Einfuͤhrung dieſer Kunſtausdruͤcke weſent⸗ lich mit dazu beigetragen, die Erkenntniß der wahren Wirkungsweiſe dieſer Subſtanzen von der bisher⸗