Druckschrift 
Der neu erfundene Patent-Dünger des Prof. Dr. Justus Liebig in Gießen / Justus Liebig ; aus dem Englischen übersetzt und mit erläuternden Zusätzen begleitet von Dr. A. Petzholdt
Seite
23
Einzelbild herunterladen

23

glaubte ſogar, daß ſein Handelswerth oder ſein wirklicher Werth als Duͤnger ſich durch den pro⸗ centiſchen Gehalt ſeines Stickſtoffes beſtimmen laſſe. Allein ſpaͤtere und mehr uͤberzeugende Be⸗ obachtungen haben mich veranlaßt, dieſer Mein⸗ ung zu widerſprechen.

Wenn naͤmlich der Stickſtoff und die durch Verweſung und Zerſetzung der vegetabiliſchen Beſtandtheile des Duͤngers entſtandene Kohlen⸗ ſaͤure die Urſache ſeiner fruchtbarmachenden Kraft waͤren, ſo muͤßte dieß natuͤrlich auch der Fall ſein, wenn man die mineraliſchen Subſtanzen ausſchließt[5). Nun haben zwar directe Verſuche gelehrt, daß der Stickſtoff der Excremente von Seiten der Pflanzen aufgenommen werden kann, und zwar in der Form von Ammoniak; allein dieſes Ammoniak, ſo gut wie die Kohlenſaͤure, ſo unerlaͤßlich es auch fuͤr die Entwickelung aller Pflanzen iſt, kann das Wachsthum der Pflanzen, ſowie den Ertrag der Felder an Koͤrnern, Wur⸗ zeln und Knollen nur dann beſchleunigen und erhoͤhen, wenn die mineraliſchen Subſtanzen des angewendeten Duͤngers in einem fuͤr die Auf⸗ nahme geeigneten Zuſtande gleichzeitig mit vor⸗ handen ſind. Sind die letzteren ausgeſchloſſen, ſo hat das Ammoniak und die Kohlenſaͤure auch nicht die geringſte Wirkung auf die Vegetation.

Auf der anderen Seite dagegen hat die Er⸗ fahrung gezeigt, daß auf vielen Feldern der Er⸗ trag an kohlenſtoff⸗ und ſtickſtoffreicher Subſtanz zu einer außerordentlichen Hoͤhe gebracht werden