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ſchien, dieſem ein Ende zu machen. Er nahm einen Strik, ging auf den Vo— den, fand richtig hoch oben am Dach— balken einen Nagel, erkletterte dieſen, indem er auf den großen Waſſerbottich ſtieg, welcher ſich wegen Feuersgefahr daſelbſt befand, befeſtigte den Strik, legte die Schlinge um den Hals, und hing. Aber der Nagel bricht, und der Todeskandidat ſtürzt bis über die Oh— ren in die unten befindliche Waſſer— kufe.— Die überraſchende Abkühlung in dem halb gefrornen Waſſer bringt ihn plözlich auf andere Gedanken; er löſet die Schlinge vom Halſe, ſpringt aus dem Bottich, läuft durchnäßt wie ein Eisbär in ſeine Stube, verabreicht der Frau eine tüchtige Tracht Prügel, legt ſich darauf zu Bette, und führt ſeitdem ein ſehr vergnügliches Leben mit ſeiner Gattin.
Péle⸗méle aus London. Als kürzlich die Königin von England ſpa— ziren fahren wollte, waren die Drago— ner, die gewöhnlich als Eskorte dienen, noch nicht eingetroffen, und der Wagen fuhr ohne ſie ab. Die Dragoner woll— ten nun nachkommen, u. jagten ſo wü— thend hinterdrein, daß Einer von ihnen todt auf dem Plaze blieb, und mehrere andere zeitlebens dienſtuntauglich wur— den.— In Schottland, auf dem Thea— ter zu Tundee, agirt jezt ein Held, der ſich nicht hinter den Kouliſſen zu färben braucht, wenn er„Othello“ ge— ben will; er iſt ein Neger, der den Othello und andere tragiſche Charaktere Shakſpeare's meiſterhaft darſtellen ſoll. Dies iſt unſres Wiſſens der erſte Neger, der in Europa geiſtig exzellirt; bis jezt gehörten ſie nur zum Bedienten-Luxus. — In England wurde dieſer Tage wie— der ein Soldat zu hundert Strei— chen mit der„neunſchwänzigen Kaze“ verurtheilt, weil er zwei Rekruten zum Verkauf ihrer Montirungsſtüke verleitet hatte. Beim 75 ſten Streich
wurde eingehalten, und der Unglükliche blutend und zeefleiſcht ins Spital ge— bracht.— Ein engliſches Blatt ſagt: „In Bengalen beträgt der Arbeitslohn zwei Pence täglich, oder ein wenig Reis; in Irland ſechs Pence, oder ſo viel, um ſich mit Kartoffeln nähren zu können; in England gegen zwei Shilling, oder genug, um Brod, Gemüſe und etwas Spek zu kaufen; in den Vereinigten Staaten vier Shilling, hinreichend, um ſich Brod, Fleiſch, Bier, Branntwein und noch einiges andere anzuſchaffen.“
Breslau. Um der Mäßigkeit in der untern Volksklaſſe aufzuhelfen, hat der hieſige Stadrath angeordnet, jedem Arbeiter nach und nach ſo viel von ſei— nem Lohne abzuziehen, als nöthig iſt, um ihn in eine Lebens verſicherungsbank einzukaufen. Derjenige nun, der ſich dem Trunk ergibt und ſich nicht davon abbringen läßt, verliert das Anrecht auf die geſicherte Summe. Der Verſuch hat bis jezt gute Früchte gezeigt.
Etwas von Allem. Seit eini⸗ ger Zeit bemerkt man einen großen No— vitäten-Mangel in allen Blättern. Die Feuilletonsfabrikanten ſind deshalb in großer Verlegenheit.— Die Feuers— brünſte mehren ſich von Tag zu Tage im In- und Auslande. Faſt keine Poſt, die nicht ein neues Unglük dieſer Art bringt.— Obwohl man über Tro— kenheit und Dürre klagt, ſo hört man doch auch von vielen Seiten, daß troz des Mangels an Regen, doch Alles raſch und kräftig emporkömmt. Ein ſchlechter Troſt für Kornwucherer.— In dem Londoner italieniſchen Theater kam es am 30. April zu einer förmlichen Emeute weil der jezige Unternehmer dieſes Thea⸗ ters, der kein Anderer als der berühmte Sänger Lablache iſt, den Sänger Tam⸗ burini nicht engagiren wollte.— Der franzöſiſche Sprachmeiſter Abbe Mozin,


