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es weit bringen mein Junge, wenn du dich unter meiner Leitung auf den Negoz verlegen wirſt,“ ſagte er, ſchnupfte eine tüchtige Priſe und kicherte ſo recht ver— ſtolen ich ſich hinein; als aber der gute Herr Schneller ſah, daß ſein Mündel ſtatt Handlungsbücher und Kommerzgeſchäfte den Codex und daß Jus romanum im Kopfe habe, kümmerte er ſich weiter nicht, zahlte mir zu den beſtimmten Terminen meine Intereſſen und wußte wohl, wie hoch die Fünfprozentigen im Kourſe ſtanden, was aber ſein Mündel tentire, das lag ihm wenig am Duka— tenherzen. 5
Ich hatte beſchloſſen nach P zu reiſen und mich daſelbſt den juridiſchen Studien zu widmen. Geſagt, gethan! Ich ging zu meinem Herrn Vormund und traf ihn eben, als er mit einem Kollegen Geſchäfte abſchloß, die gerade das Gleichgewicht von Europa noch nicht zum Schwanken brachten.„RNeiſen Sie mit Gott— à propos, haben Sie ſchon gehört, der Elias hat heute mit 7 verkauft—“ fuhr er zu ſeinem Kollegen gewendet fort—„alſo Sie gehen nach PP* es iſt eine ſchöne Stadt, laſſen ſich dort gute Geſchäfte machen— muß ihm ſchlecht gehen dem Elias, jezt in der Zeit zu verkaufen!— wollen die Rechte ſtudiren in P*, 5s ſind anſehnliche Märkte dort— dummes Zeug, Advokat werden,'s gibt mehr Advokaten als Klienten— Kaufmann werden,'s iſt ge— ſcheidter— alſo leben Sie wohl und ſchreiben Sie bald.“ Dies war die rüh— rende Abſchiedsſzene und bald darauf ſaß ich im Wagen.
Die ſchöne Leſerin, die ſchon in P. war, wird wiſſen, daß von dem kleinen Städtchen Dasdorf bis P.“* mehr als 40 Meilen ſind und man ſich glüklich ſchäzen kann, wenn man dieſe Streke, wo man noch nichts von Eiſen— bahnen, Dampfwagen und Luftſchiffen weiß, in einer monatzimmerartigen Land⸗ chaiſe in 6 Tagen zurüklegt. Auf dieſer großen Reiſe von Stolpe nach Danzig, die ich gewiß nicht ausführlich erzählen werde, machte ich die Bekanntſchaft eines jungen Mannes, der mir nach ſeiner Vivacität, ſeinem ſchief ſizenden Käppchen, ſeinem bewaffneten Augenpaare, ſeinem kurz zugeſtuzten Lippen- und Knebelbart und nach ſeiner großen Porzellain-Pfeife zu ſchließen, gleich als ein Herr Stu— dioſus erſchienen war. Da es gerade bergan ging, ſo hatte uns unſer Fuhrmann erſucht, auszuſteigen, damit ſeine Klepper doch noch öfter im Stande wären, die Reiſe von Dasdorf nach P.* zu machen. Mit Freuden erfüllten wir ſein Verlangen; ich ging ſchweigend neben dem Herrn mit der Brille und der gro— ßen Porzellainpfeife und als er mit heiſerer Stimme anhub:
Gaudeamus igitur Juvenes dum sumus— ergänzte ich ohne alle weitere Abſicht, d. h. es rutſchte mir ſo aus meinem Rede—
werke heraus: Post jucundam juventutem
Post sequentem senectutem Venuit mors atroeiter.
Da ſah mich der Brillenmann an:„Alſo auch ein Studioſus?“ ſprach er, „Servus Domine Collega!“ und er reichte mir freundlich die Rechte, während er mit der Linken die Tabakaſche in ſeinem Meißnerkopfe niederſtupfte und dann wieder gewaltige Wolken durch Mund, Naſen und Ohren blies.„Reiſen wohl nach P., um zu ſtudiren, vielleicht philosophica oder medica?“ fragte er nach einer Pauſe.—„Keines von beiden,“ erwiderte ich,„ich will's mit dem Jus
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