Jahrgang 
Band 1 (1840)
Seite
208
 
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Belllniſchen Muſe. Der deklamatoriſche Aus druk im Vortrage wird von der erſchütternd ſten Wirkung. Enſin hat ſeit der Schröder Devrient Peſth wohl noch keinen ſolchen Romed geſehen und gehört, und wir konnen auch das Spiel der Carl, das ſich in den Gränzen der Wahrheit und des Anſtandes bewegt, jenen übermüthigen Coups, mit welchen die Devrient und ihre zahlreichen Nachahmerinen allen gu ten Geſchmak verlezen, bei weitem vorziehen. Die treffliche Leiſtung wurde aber auch von dem kunſtſinnigen Publikum anerkannt; ein ſtimmiger Applaus und wiederholtes Foraru fen lohnte die Künſtlerin. Eine anerken nungswerthe Probe ihres Talentes gab Dem. Rauch als Glulletta, nur mehr Selbſtver trauen und wir können noch die beſten Hoff nungen hegen. Hr. Unrein, als Tebaldo, gab erfreuliche Beweiſe eines rüſtigen Vorwärts ſchreitens auf der ſchlüpfrigen Kunſtbahn er wurde oftmals beklatſcht. Das Theater war ſehr beſucht u. die Aufnahme eine durch aus befriedigende. 8.3

Ein herzliches Willkommen rufen wir einem lieben Gaſt im Schauſpiel entgegen. Es iſt dies Mad. Deſſolr, vom Leipziger Stadttheater, die am 26. d. als Prin zeſſin in RaupachsSchule des Lebens den Cy klus ihrer Gaſtrollen auf der Peſther Bühne eröffnete. Schon das Aeußere dieſer Künſt lerin bringt eine überraſchende Senſation her vor. Wuchs, Haltung u. Tournüre ſind den Grazien verwandt. Ihre ſonſtigen Mittel ent ſprechen dieſen Formen und ihr mimiſches Ta lent erhebt ſie zu einer adler erſten Ran⸗ ges. Sie bat dieſe Rolle in allen ihren Ein zelnheiten tief durchdacht und ſo ein Ganzes gebildet, dem nichts an Rundung und voll kommener Ausführung gebricht. Wir erbliken im erſten Akt das etwas verzogene, hoch- u. übermüthige Tochterlein, doch Edelmuth nicht verläugnend und Anſtand nicht verlezend; in den andern Akten, die durch das Schik ſal bart getroffene, gedemüthigte Dulderin; über all aber Adel und Würde und das Bewußt ſein, zu etwas Beſſerem geboren zu ſein, hervorleuchtend, ſo wie das edle unver dorbene Herz ſtets zur Schau tragend. Alle dieſe Nüanelrungen waren eben ſo fein als richtig durchgeführt, ſo wie überhaupt der Gehalt der Leiſtung ſich von Akt zu Akt ſtel gerte. Eben ſo der Belfall des Publikums. Der

Künſtlerin ward ſtark applaudirt und nach jedem Akte gerufen. Hr. Borger ſpielte ausgezeichnet den PſeudoGoldſchmied. Er weiß viel Charakter und Geiſt in dieſe Rolle zu legen und ſich große Theilnahme zu ver⸗ ſchaffen. Herr Kalis war voll Laune und Leben u. bewies durchaus den richtigſten Takt.

Zu dem neuen Abonnement des Peſther deutſchen Theaters, das mit 1. April beginnt, herrſcht, wie wir hören, großer An- drang, und bald dürfte wohl keine Loge oder Sperrſize mehr zu haben ſein. Es iſt aber auch kein Wunder, da es bekannt iſt, daß die Direktion im künftigen Sommer Al les aufbleten wird, um die Theaterluſt zu ſteigern und daß hiezu berelts die geeignetſten Maaßregeln getroffen ſind. Viele der intereſ⸗ ſanteſten Rovitäten in der Oper u. im Schau⸗ ſpiel werden vorbereitet und die Direktion iſt mit allen Künſtlern, die die erſten Bühnen des Auslandes zieren, in unterhandlung ge treten, wovon die meiſten ſchon Gaſtrollen zugeſagt haben. Die Generoſität der Diret. tion iſt übrigens bekannt. Sie offenbart ſich auch in dieſem Augenblit dadurch, da, ob ſchon die zugeſagten 280 Abonnements-Vor ſtellungen des verfloſſenen Theaterjahres längſt zu Ende ſind, noch immer Vorſtellungen im Abonnement gegeben werden. Wir ſind von achtbarer Seite aufgefordert worden, den Dank der Abonnenten hier öffentlich auszu ſprechen.

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Döbler. Wie ſchon erwähnt, widmete Hr. Döbler am 25. d. die ſechſte Vorſtellung ſeiner erſtaunungswürdigen Produkttonen edel⸗ müthig dem Fonde des Spitals fur kranke Kinder in Peſth. Obwohl die Preiſe bedeu tend erhöht waren, füllte ſich doch das Haus ungemein. Der Beifall geſtaltete ſich, wie immer, ſehr ſtürmiſch. Die Ueberraſchungen folgten ſich aber auch Schlag auf Schlag und ein Erſtaunen folgte dem andern. Man ſieht den fernern Vorſtellungen mit geſpannter Er wartung entgegen. Vor der Hand verdankt

eine unſerer wohlthätigſten Anſtalten Herrn Dobler einen bedeutenden Zuſchuß.

Der bekannte vaterländiſche deutſche Im- proviſator Herr Andreas von Brech tenberg iſt in Peſth angekommen und ge denkt hier Proben ſeines Talentes abzulegen.

Modenbild. Uro. 13.

Paris, 13. März. Kapoten v. Krepp. Kleider von Seidenſtoff. Shawl von Gros des Indes mit einer Torſade garnirt.

Herausgeber und Verleger Franz Wieſen.