Jahrgang 
Band 1 (1840)
Seite
162
 
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ein ſehr wichtiges Geſchäft abzumachen. Wir brechen morgen auf, damit dich die Reiſe nicht zu ſehr ermüdet. Reymond, fuhr er zu dieſem gewendet fort, Sie waren nie in Nom, reiſen Sie mit uns.Tauſend Dank, verſezte der Maler erblaſſend,ich kann nicht nach Rom gehen, wenigſtens jezt noch nicht.Wie? erwiderte der Marcheſe erſtaunt,und die Kuuſt und Ra phael? Eben jezt iſt die rechte Zeit für Sie, nur in der Jugend fühlt man die Meiſterwerke des Genies ganz. Was könnte Sie denn auch in Paris zurük hal⸗ ten? Nein, neln, Sie begleiten uns, es iſt eine abgemachte Sache.Ent ſchuldigen Sie mich, es iſt mir unmöglich, verſicherte der Maler mit Feſtig keit.Neymond, fuhr der Marcheſe fort,Sie ſind uns unentbehrlich geworden. Ich liebe die Kunſt, Sie ſind ein großer Künſtler, und werden, wenn Sie erſt die Meiſterſtüke unſerer Schule geſehen haben, noch ein größerer wer den; Sie müſſen bei mir bleiben. Sehen Sie, wir bleiben nur kurze Zeit in Rom. Sie bewundern dort die Rieſenwerke der alten Meiſter, und ich kehre mit Ihnen dann wieder hieher zurük. Leonzia erblaßte, als ſie die verwei⸗ gernde Geberde Reymon's ſah und ſprach:Auch ich bitte Sie, uns zu be⸗ gleiten, und das ſprach ſie mit einem Blike, der mehr ſagte als tauſend Worte. Der Maler fuhr mit der Hand über ſeine Stirne und antwortete dann halb⸗ laut:Wohlan, ich thue, was ich nicht laſſen kann. Des Abends auf der Terraſſe näherte ſich ihm Leonzia in einem Augenblike, da ſie eben allein waren und fragte ihn etwas ſchmollend:Reymond, bedurfte es denn ſo vieler Bitten, Sie bei uns zu behalten?Signora! antwortete dieſer ernſt,es han⸗ delt ſich hier vielleicht um Leben und Tod.

Am andern Tage war die Villa leer und verſperrt.Beim Himmel! das iſt die Porta del Popolo! rief der Maler in dem Augenblike, als ſie in Rom einführen.Wie, Sie kennen ſie? fragte der Marcheſe erſtaunt. Ja, antwortete der Maler etwas verlegen,ich erkenne Sie aus den Ge mälden und Kupferſtichen, die mir in Paris davon zu Geſichte gekommen ſind. Der Marcheſe wurde zum Mittagsmahl erwartet, und er kam auch zur rech ten Zeit an, um die große Geſellſchaft von Edlen zu empfangen, welche er ſchon vorher durch ſeinen Geſchäftsträger hatte laden laſſen. Es war ein prächtiges Feſt, wie es eines der erſten Häuſer in Rom würdig war. Als das Mahl aufgehoben war und man ſich freier in den Gemächern und der geöffneten Bil⸗ dergallerie erging, führte der Marcheſe die Geſellſchaft zu dem Porträte ſeiner Tochter Leonzia und ſtellte ihr Reymond als den Schöpfer dieſes Meiſterwer kes vor. 5

Neymond ſchwamm, ſchon früher von dem herrlichen Feſte berauſcht, und jezt mit Lobeserhebungen überhäuft, in Entzüken und gab ſich ganz ſeinem Ge fühle hin.Reymond, ſprach der Marcheſe zu ihm,wie kam es, daß ein Mann, wie Sie, nicht ſchon früher nach Rom kam? Indeſſen erkannten Sie doch, als wir hereinfuhren, die Porta del Popolo. Ich wette Sie haben ſie ſchon geſehen.Es iſt wahr, ich ſah ſie ſchon, aber nur ein Mal, und in der Dunkelheit, o das iſt eine ſeltſame Geſchichte!Ach, ſo erzäh⸗ len Sie uns doch die Geſchichte! rief Alles wie aus einem Munde.In's Himmelsnamen! es iſt ja ſchon ſo lange her, und wenn mir meine Aufrichtig keit auch Nachtheil zuziehen ſollte, ich kann ja auf den Schuz meines hohen