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weiht. An Liebesgöttern, Guirlanden und Blumen fehlt es natürlich nicht. Berlin. Wir haben jezt hier ei⸗ nen Bräutigam aus Mexiko, den mexi⸗ kaniſchen Kapitän Aquilar, der zu ſei⸗ ner Ausbildung hieher kam u. ſich mit einer jungen Berlinerin verlobt hat. Ob ſeine Gemahlin auch zu ſeiner krie— geriſchen Ausbildung beitragen wird?
Der Modenkourier. Paris, 9. Februar 1840.
Es dringt der Mode Herrſcherwort Nach Oſt und Weſt, nach Süd und Nord.
1. Der lezte Ball der Herzogin von Or⸗ leans war äußerſt prachtvoll. Die Toilette Ihrer königl. Hoheit zeichnete ſich durch aus— erleſenen Geſchmak aus, und vorzüglich zog ibre mit Brillanten untermiſchte Roſenguir— lande, die einen glänzenden und graziöſen Ef— fekt hervorbrachte, die allgemeine Aufmerk— ſamkeit auf ſich.
2. Die Herzogin von V. war mit einem kir ſchrothen Camelliazweig und weißen natür— lichen Heideblümchen koeffirt, ihre Haare wa— ren à la Sévigni gelokt und aus ihren ſehr hintennach geſtellten Zöpfen gingen gekräuſelte Lok en hervor. Ihr Kleid von weißem u. kirſch— roth brochirtem Damask hatte zur Garnirung elne große Falbe von engliſchen Spizen und Bouquets, die jenen in der Koeffüre ähnlich waren.
3. Gräfin C. trug ihre Haare in gewölb— ten Bandeaus mit einer Epheu-Blätter-Guir⸗ lande. Eine ähnliche Guirlande umſchlang ihr roſenrothes Kreppkllid.
4. Frau von L., eine liebliche Brünette, hatte ein roſenrothes Atlaskleid, auf welchem ſich, auf jeder Seite in der Höhe des Knies, zwei roſenrothe Tülle unterröke, mit einem einfachen Saume, baldachinartig, mittelſt drei roſenrothen, ausgefranzten Atlasſchleifen, gra— ziös erhoben; der geſpizte Leib war mit Fal— ten drapirt und die Aermel hatten drei Bau— ſchen. In ihren glänzend ſchwarzen Haaren ſpielten leichte roſenrothe Blumen, die von Bandſchalen begleitet waren.
5. Frau von V. trug ein Kleid von Oreille d'ours⸗ Sammet, deſſen geſpizter Leib mit drei Kamäen⸗Agraffen geziert war. Oben war es mit einem Doppelkragen von engliſchen Spizen eingefaßt, eine Reihe Spizen bildete
einen Schoß und auf dem Unterthelil des Ro— tes waren zwei ähnliche Falbenz die mit drei Bauſchen verſehenen Aermel ließen Spizen— Manchetten ſehen. Ihre Koeffüre beſtand aus Spizenbärtchen, untermiſcht mit Atlasbän— dern, oreille d'ours und Gold, was auf einer Seite eine Maſſe flatternder Ringelchen bildete. Die Grazie dieſer Koeffüre läßt ſich nicht be— ſchreiben.
6. Die geſtikten Gaze, die geſtikten und aufgelegten Tulles ſind mehr denn je in der Mode; eben ſo die reichen Auflagen von Sam— met und Gold.
7. Eine der erſten Kleidermacherinen in Paris, Mad. Penona, hat ſo eben ein Kleid für die Königin von England verfertigt, über das nichts Trefflicheres„Schöneres, Grazid— ſeres, Robleres geht. Dieſes Kleid, von Tul— le mit weißem Atlas aufgetragen, hat Deſſins von hinreißendem Effekte. Roſenbouqucts er- heben draperienartig den Vordertheil des Klei— des bis zur Höhe des Knies, und laſſen das mit einer Gaze-Bauſche garnicte Unterkleid von weißem Atlas ſehen' Dieſes Kleid iſt ein Wunder des Geſchmakes.
8. Die geſtikten Lingerien(Leinen) haben ihren Wirkungskreis nicht verloren. Sie bil— den immer noch dle eleganteſten Negligeeſtoffe. Fichus, Pelerinen, Mädchenkleider, Ober— leibchen de. werden ſtets aus geſtikten Garni— turen, mit Stikereiein u. Spizen untermiſcht, verfertigt.
9. Die Satins de laine ſind den Pous- de Soie's und den Fantaiſies de lalne geo— pfert worden.
Lokal-Zeitung.
Redoute. Morgen iſt die ſiebente Redoute im Peſther Redoutenſaale. Da ſieben mehr iſt als ſechs, ſo laßt ſich muthmaßen, daß, ſo ſchön und ſo glänzend die ſechſte Re— doute auch war, die ſiebente noch ſchöͤner u. noch glänzender ausfallen werde. Alle, die die ſechſte Redoute ſahen, bereuen es nicht, ſie ge— ſehen zu haben u. werden gewiß die ſiebente auch ſehen wollen. Geſchteht dies, und geſel— len ſich noch viele andere Neugierige und e ſtige Faſchingsluſtige hinzu— was doch ſeh wahrſcheinlich iſt— ſo wird unſere Muthma— ßung zur Gewißheit werden.— Nur immer 2 Der Faſching iſt nur mebr ſehr
urz!
Modenbild. Uro. 8.
paris, 10. Febr. Ballanzüge.
Herausgeber und Verleger Franz Wieſen.


