Jahrgang 
Band 1 (1840)
Seite
126
 
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lich verliebt iſt, und deſſen geſchraubte Redensarten ler nennt z. B. den Forſt meiſter den Schwager ſeiner Wün⸗ ſche) unwillkürlich zum Lachen zwingen. Herr Feiſtmantel ſtellte ihn mit ge wohnter Laune dar. Dies hindert aber nicht die Frage, warum Neſtroy eine triviale Kopie desBrauers lieferte, die keine Parodie ſein kann, da ja derBrauer ſelbſt eine mit Muſik recht artig überzukerte Poſſe iſt und hindert noch weniger die zweite Frage, wie unſere Theaterregie Zeit u. Kraft an ein ſo unbedeutendes Produkt ver ſchwenden konnte, gerade ob wir Man gel an guten Poſſen hätten! (Oſt. u. Weſt.)

Florenz. Zu den ſonderbaren Erſcheinungen gehört es, daß unſere Stadt, in der man eben nicht beſonders nach theatraliſchen Genüſſen jagt, den noch mährend des Karnevals, den ſie ben Bühnen, die während dieſer Sta gione eröffnet ſind, hinlänglichen Er werb bietet. Die vorzüglichſte derſelben iſt jene der Pergola. Sie brachte uns bisherInes di Castro von Perſiani undFausta von Donizetti. In der erſten, wenig beklatſchten, hörten wir die Prima Donna, Dem. Gabuſſi, in der zweiten, Dem. Gravedon; wenn jene mehr Erfahrung beſizt als dieſe, und ſeit den drei Jahren, in denen ſie ſich der Bühne widmet, erfreuliche Fort ſchritte bewährt, ſo hat leztere durch ihren erſten Verſuch, ein aufkeimendes die beſten Hoffnungen begründendes Ta lent bewieſen. Sie iſt die Tochter des in der Kunſtwelt nicht unberühmten Pa riſer Zeichners dieſes Namens, und ver dankt dem Privat-Unterrichte des Vor ſtands des Mailänder Muſikkonſervato riums Vaccaj, ausgezeichnete muſikali ſche Bildung, und die bei ihren italie niſch ſingenden Landsmänninen ſeltene Eigenſchaft deutlicher, von jedem frem den Anklange freier Ausſprache. Im

Theater Alfieri wird ebenfalls geſun gen; derAjo nell' Imbarazzo er⸗ gözt dort die Lachluſtigen, in der Ti telparthie der Buffo Luzio, dem nichts fehlt als die Stimme. Bellini's Sonnambula wandelt im Tbeater Goldoni, in der Perſon der Dem. Mon tucchielli, theilnahmlos herum. Der vor treffliche Schauſpieler Taddei füllt die Räume des Cocomero mit ſeiner Trup pe, die andern im Teatro nuovo, Bor- go ogni santi und Piazza vecchia ihr Wefen treibenden Schauſpielergeſellſchaf ten, Roſa, Canelli und Ricci, machen ebenfalls keine ſchlechten Geſchäfte. (Echo.) Stuttgart. Gutzkow's neueſte dramatiſche Arbeit heißt:Werner. Der Inhalt iſt einfach, aber ergreiſend; an Kouliſſen-Effekten gänzlicher Mangel. Drei oder vier Zimmer wechſeln mit einander ab. Die Perſonen ſind modern gekleidet. Das Stük iſt ganz Leiden ſchaft, und nimmt unſere Aufmerſam keit(diesmal nicht die des Verſtandes, ſondern die des Herzens) im höchſten Grade in Anſpruch. Der Held des Stü kommt in eine falſche Stellung zur Welt, verlezt die Pflichten des Herzens, und muß ſpäter eine Reaktion erleben, die ihn beinahe zum Selbſtmörder macht. Mit dem Beginne dieſer Reaktion nimmt das Drama ſeinen Anfang. So viel vorläufig über dieſe Erſcheinung, die bald von der Bühne herab das Publi kum eben ſo anziehen, aber auch wahr ſcheinlich eben ſo viel von ſich ſpre chen und ſchreiben machen wird, als der Savage.(Europa.)

Mignon Zeitung Berlin. Wie weit die Frechheit der Diebe jezt hier geht, möge folgen der Umſtand dienen. Vor einigen Tagen ſtieg ein hier angeſehener u. bekannter Polizei-Rath vor dem Hauſe eines Be